ERGO verkauft Strukturvertrieb ERGO Pro an Artemis-Gruppe

Der Düsseldorfer Versicherungskonzern ERGO trennt sich von seinem Strukturvertrieb ERGO Pro mit mehr als 4.000 Vertriebspartnern. Käufer ist die Artemis-Gruppe, die von der britischen Beteiligungsgesellschaft Oakley Capital unterstützt wird. Künftig soll die Vertriebsorganisation unter dem Namen ONE Financial Services AG auftreten. ERGO bleibt dem Unternehmen über eine strategische Vertriebspartnerschaft verbunden.

Übernahme für Januar 2027 geplant

Wie ERGO in einer Pressemitteilung vom 14. Oktober 2026 bekannt gab, haben die ERGO Beratung und Vertrieb AG und die Artemis-Gruppe bereits am 11. Oktober eine entsprechende Vereinbarung unterzeichnet.

Der Abschluss der Transaktion ist für Januar 2027 vorgesehen und steht noch unter den üblichen aufschiebenden Bedingungen. Über den Kaufpreis und weitere Einzelheiten haben beide Parteien Stillschweigen vereinbart.

Nach dem Vollzug soll ERGO Pro unter dem neuen Namen ONE Financial Services AG vollständig in die Vertriebsplattform der Artemis-Gruppe integriert werden.

Mehrheitsgesellschafter der neuen Gesellschaft wird Artemis. Daneben sollen sich das bisherige Management sowie führende Vertriebspartner von ERGO Pro am Unternehmen beteiligen. ONE Financial Services soll künftig eigenständig am Markt auftreten.

ERGO bleibt exklusiver Partner in der Lebensversicherung

Mit dem Verkauf endet die Zusammenarbeit zwischen ERGO und dem bisherigen Strukturvertrieb keineswegs. Beide Unternehmen haben zugleich eine strategische Vertriebspartnerschaft vereinbart. Demnach wird ERGO im Bereich der Lebensversicherung exklusiver Produktpartner der ONE Financial Services AG. Auch Versicherungsprodukte aus anderen Sparten sollen weiterhin vermittelt werden. Ergänzt werden soll das Angebot durch Produkte der zur Artemis-Gruppe gehörenden Assekuradeure. ONE Financial Services soll damit künftig Kunden spartenübergreifend beraten und absichern.

ERGO-Deutschlandchef Dr. Oliver Willmes erklärt dazu:

„Mit der Artemis Gruppe gewinnen wir einen weiteren starken Vertriebspartner für unser Geschäft in Deutschland und bauen unser Kooperationsnetzwerk signifikant aus.“

Gleichzeitig wolle ERGO die Beratungs- und Verkaufsstrukturen innerhalb des eigenen Vertriebs stärker bündeln. Für die bisherigen Vertriebspartner von ERGO Pro sieht Willmes durch die Neuordnung eine „attraktive Perspektive für die Zukunft“.

Artemis erwartet mehr als 30.000 Neukunden jährlich

Die Artemis-Gruppe bündelt verschiedene Geschäftsmodelle des Versicherungsvertriebs unter einer gemeinsamen Infrastruktur. Dazu gehören Mehrfachvermittler, Versicherungsmakler, Maklerpools und Assekuradeure. Zur Gruppe gehört unter anderem die WIFO GmbH. Geschäftsführer und Founding Partner von Artemis ist Burkhard Keese.

Keese erwartet durch die Übernahme zusätzliche Wachstumsimpulse:

„Die ONE Financial Services AG wird mit über 30.000 Neukunden pro Jahr wichtige Wachstumsimpulse für die Artemis Gruppe setzen.“

Nach seinen Angaben sollen die neuen Vertriebspartner und deren Kunden von der bestehenden Infrastruktur der Gruppe profitieren. Artemis wolle damit die Voraussetzungen schaffen, um das Geschäftsmodell von ONE Financial Services weiterzuentwickeln.

Von HMI zu ERGO Pro

ERGO Pro ging aus der früheren Vertriebsorganisation Hamburg-Mannheimer International (HMI) hervor. Bundesweit in die Schlagzeilen geriet diese 2011, als eine umstrittene Incentive-Reise für erfolgreiche Versicherungsvertreter nach Budapest aus dem Jahr 2007 bekannt wurde.

Die Hintergründe und weitere Entwicklungen dokumentierte das Handelsblatt 2016 in seiner „Chronik des Ergo-Skandals“.

Im Januar 2012 wurde die Vertriebsorganisation in ERGO Pro umbenannt. Mit dem nun vereinbarten Verkauf steht ein weiterer grundlegender Einschnitt in ihrer Unternehmensgeschichte bevor.

Auswirkungen auf die Vertriebspartner noch nicht im Detail bekannt

Welche konkreten Änderungen sich aus dem Eigentümerwechsel für die mehr als 4.000 Vertriebspartner ergeben, lässt die bisherige Unternehmensmitteilung offen.

Zwar sollen das bisherige Management und führende Vertriebspartner künftig auch gesellschaftsrechtlich beteiligt sein. Wie die bestehenden Vermittlerverträge und die organisatorischen Strukturen im Einzelnen fortgeführt oder angepasst werden, erläutert ERGO bislang jedoch nicht.

Fest steht, dass ERGO die unternehmerische Verantwortung für seinen bisherigen Strukturvertrieb abgeben will, während die Vertriebsbeziehung über die vereinbarte Produktpartnerschaft bestehen bleiben soll. Ob die Transaktion wie geplant im Januar 2027 abgeschlossen werden kann, hängt noch von der Erfüllung der vereinbarten Bedingungen ab.


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