52 Tarife mit Bestnote – wenn „hervorragend“ zur großen Spitzengruppe wird

52 Familientarife und 50 Singletarife erhalten im aktuellen Privathaftpflicht-Rating von Franke und Bornberg die Höchstwertung FFF+, „hervorragend“. Das sind jeweils rund 17 Prozent der untersuchten Tarife. Das spricht für das hohe Leistungsniveau im Markt. Aber wie viel Orientierung bietet eine Bestnote noch?

Es folgt ein Kommentar des Autors

Franke und Bornberg hat am 3. September 2026 sein aktuelles Rating zur Privathaftpflichtversicherung veröffentlicht. Die eigene Überschrift der dazugehörigen Pressemitteilung lautet: „Privathaftpflicht-Rating 2026: Schwache Tarife deutlich seltener, Bestnote bleibt rar“.

„Bestnote bleibt rar“? Nun ja. Untersucht wurden 296 Familientarife und 293 Singletarife von 87 Versicherern. FFF+ erreichen 52 Familientarife, also 17,6 Prozent. Bei den Singles sind es 50 Tarife beziehungsweise 17,1 Prozent. Anders gesagt: Ungefähr jeder sechste untersuchte Tarif erhält die Höchstwertung.

Franke und Bornberg selbst spricht von einer „klar begrenzten Spitzengruppe“. Das kann man so sehen. Aber „rar“ ist bei jeweils rund 50 Tarifen vielleicht doch ein etwas großes Wort. Und aus Sicht eines Maklers oder Verbrauchers bleibt vor allem eine Frage: Wenn rund 50 Tarife die Note 0,5 tragen, welcher davon ist denn nun wirklich absolute Spitze?

72 Detailkriterien – und ab 85 Prozent gibt es die 0,5

An mangelnder Tiefe liegt es nicht. Beim Familienrating bewertet Franke und Bornberg 72 Detailkriterien in 23 Hauptkriterien, beim Singlerating sind es 60 Detailkriterien in 20 Hauptkriterien. Die Leistungen werden unterschiedlich gewichtet, zusätzlich gelten Mindeststandards für die höheren Ratingklassen.

Für FFF+ müssen mindestens 85 Prozent der möglichen Bewertung erreicht werden. Wer diese Schwelle nimmt und gleichzeitig die Mindeststandards erfüllt, bekommt „hervorragend“ und die Schulnote 0,5.

Bei Familientarifen gehören zu den Mindeststandards unter anderem mindestens 50 Millionen Euro Deckungssumme für Personen- und Sachschäden, eine Million Euro für Vermögensschäden sowie bestimmte Anforderungen an Forderungsausfalldeckung und Versicherungsschutz für gemietete und geliehene bewegliche Sachen.

Alles wichtige Punkte. Bei heutigen Top-Tarifen ist einiges davon allerdings längst kein Alleinstellungsmerkmal mehr.

Vielleicht muss die Latte einfach höher

Wenn immer mehr Tarife die Anforderungen erfüllen, sind die Produkte zunächst einmal besser geworden. Das ist erfreulich. Gegenüber 2025 hat Franke und Bornberg die Systematik für das aktuelle Rating nicht verändert; Kriterienkatalog, Gewichtungen und Mindeststandards sind gleich geblieben.

Aber dann darf man auch fragen, ob 85 Prozent noch die richtige Schwelle für die absolute Höchstwertung sind. Warum künftig nicht 95 Prozent? Vielleicht sogar 100 Prozent, sofern es überhaupt Tarife gibt, die nach der Systematik sämtliche möglichen Punkte erreichen können. Das lässt sich aus den veröffentlichten Ergebnissen nicht beurteilen.

Die konkrete Prozentzahl ist dabei gar nicht entscheidend. Entscheidend ist die Trennschärfe. Aus meiner Sicht sollte die absolute Bestnote tatsächlich einer sehr kleinen Gruppe vorbehalten bleiben. Ob das am Ende fünf, acht oder zehn Tarife sind, darüber kann man diskutieren. Rund 50 Tarife mit einer 0,5 sind mir jedenfalls zu viele.

Franke und Bornberg formulieren in der eigenen Veröffentlichung selbst einen Satz, dem eigentlich nichts hinzuzufügen ist:

„Ein gutes Rating muss Unterschiede sichtbar machen.“

Genau darum geht es. Wenn ich ein Rating zur Orientierung nutze, möchte ich möglichst erkennen können: Das sind jetzt wirklich die Top of the Pops.

Gute Bedingungen sind noch nicht alles

Vielleicht könnte man künftig zusätzlich über eine zweite Ebene nachdenken. Franke und Bornberg weist selbst darauf hin, dass Servicequalität derzeit nicht Bestandteil der eigenen Ratings ist.

Das ist ausdrücklich kein Kritikpunkt am PHV-Rating. Ein Leistungsrating bewertet zunächst einmal das Produkt und die vertraglich zugesagten Leistungen. Es muss nicht gleichzeitig getestet werden, wie schnell jemand ans Telefon geht.

Aber gerade bei einer großen Gruppe bedingungsseitig hervorragender Tarife könnte eine zusätzliche Servicebetrachtung weitere Orientierung schaffen. Wie funktioniert die Schadenbearbeitung tatsächlich? Wie schnell und kompetent reagiert der Versicherer? Wie gut ist die Erreichbarkeit und wie belastbar sind die Auskünfte an Kunden? Und aus Vermittlersicht nicht ganz unwichtig: Wie funktioniert der Maklerservice, wenn nicht gerade Neugeschäft geschrieben werden soll, sondern ein komplizierter Haftpflichtfall auf dem Tisch liegt?

Das müsste natürlich seriös über wiederkehrende Stichproben und eine ausreichend breite Datenbasis untersucht werden. Ein einzelner Testanruf sagt wenig. Ganz neu wäre dieser Ansatz allerdings nicht: Beim Deutschen Versicherungs-Award arbeitet Franke und Bornberg bereits mit dem Deutschen Institut für Service-Qualität (DISQ) zusammen. Dort werden unter anderem verdeckte Telefonberatungen, E-Mail-Anfragen und die Nutzerfreundlichkeit der Internetangebote untersucht. Eine entsprechende Service-Datenbasis und methodische Erfahrung sind im gemeinsamen Award-Umfeld also bereits vorhanden. Eine solche Komponente könnte – zusätzlich zur reinen Tarifbewertung – gerade innerhalb einer großen FFF+-Spitzengruppe weitere Unterschiede sichtbar machen.

Die Bestnote sollte die Besten erkennbar machen

Das PHV-Rating von Franke und Bornberg ist umfangreich, transparent dokumentiert und arbeitet mit einem detaillierten Kriterienkatalog und Mindeststandards. Darum geht es mir bei dieser Betrachtung gar nicht.

52 Familien- und 50 Singletarife mit FFF+ sind zunächst einmal ein gutes Zeugnis für den deutschen PHV-Markt. Franke und Bornberg nennt die Bestnote „rar“. Ich würde es etwas anders formulieren: Gute Tarife gibt es erfreulich viele. Für die Note 0,5 dürften es aus meiner Sicht ruhig ein paar weniger sein.


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