Freeyou verschwindet: DEVK integriert Digitalversicherer vollständig

Aus dem eigenständigen Digitalversicherer Freeyou wird endgültig DEVK. Die Bafin hat die Verschmelzung der Freeyou Insurance AG auf die DEVK Allgemeine Versicherungs-AG genehmigt. Damit endet die Geschichte eines Versicherers, der erst vor wenigen Jahren mit einer rein digitalen Kfz-Versicherung im Markt angreifen wollte.

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) hat die Verschmelzung der Freeyou Insurance AG auf die DEVK Allgemeine Versicherungs-AG genehmigt. Die Entscheidung erfolgte bereits am 28. Juli 2026 und wurde von der Aufsicht inzwischen bekannt gemacht. Freeyou ist dabei das übertragende, die DEVK Allgemeine das übernehmende Unternehmen.

Damit findet eine Entwicklung ihren formalen Abschluss, die sich bereits seit geraumer Zeit abgezeichnet hatte.

Freeyou war allerdings keineswegs ein klassisches Start-up, das nun von der DEVK übernommen wurde. Hinter dem Unternehmen stand ursprünglich die GAV Versicherungs-AG, deren Wurzeln bis 1994 zurückreichen. Sie war ein deutscher Spezialversicherer mit Sitz im Münsterland. Seit Juni 2010 gehörte die Gesellschaft vollständig zur DEVK.

Mit digitaler Kfz-Versicherung in den Markt

Die Marke Freeyou führte die DEVK bereits 2018 ein. Unter diesem Namen startete 2019 auch die rein digitale Kfz-Versicherung. Risikoträger blieb jedoch zunächst die GAV Versicherungs-AG, die bereits seit 2010 vollständig zur DEVK gehörte. Marke und Versicherungsgesellschaft trugen damit zunächst unterschiedliche Namen. Erst 2023 wurde schließlich auch die GAV Versicherungs-AG in Freeyou Insurance AG umbenannt. Damit erhielt der hinter der Marke stehende Versicherer ebenfalls den Namen Freeyou.

Dauerhaft gerechnet hat sich das Geschäft offenbar nicht. Im Mai 2024 gab Freeyou bekannt, sich wieder aus dem Kfz-Versicherungsgeschäft zurückzuziehen. Als Begründung nannte das Unternehmen veränderte markt- und gesellschaftspolitische Rahmenbedingungen, die das Geschäftsumfeld zunehmend unattraktiv gemacht hätten. Trotz tausender gewonnener Kunden war das Digitalgeschäft offenbar nicht attraktiv genug, um es fortzuführen.

2025 fiel die Entscheidung zur Verschmelzung

Im vergangenen Jahr wurden dann die nächsten Schritte eingeleitet. Aus dem aktuellen Solvency-and-Financial-Condition-Report (SFCR) von Freeyou geht hervor, dass die DEVK Allgemeine am 24. Oktober 2025 und Freeyou am 13. November 2025 bei der Bafin die Genehmigung der Verschmelzung beantragten.

Parallel wurde die Gesellschaft bereits organisatorisch zurückgebaut. Freeyou verzichtete auf die Erlaubnis zum Betrieb ausgewählter Versicherungssparten und Risikoarten. Die Bafin widerrief die entsprechenden Erlaubnisse im August 2025. Außerdem übernahm die DEVK-Gruppe zum Jahresende 82 Beschäftigte der Freeyou Insurance AG. Auch Pensionsverpflichtungen wurden innerhalb der Gruppe übertragen. Damit war spätestens Ende 2025 deutlich, dass es nicht mehr um eine strategische Neuausrichtung von Freeyou als eigenständigem Versicherer ging, sondern um dessen Integration in den DEVK-Konzern.

Freeyou ist kein Einzelfall

Auch wenn Freeyou selbst kein klassisches Start-up war, sondern aus der DEVK-Tochter GAV hervorging, reiht sich das Unternehmen heute in eine Reihe von Digitalversicherern und Insurtechs ein, deren ursprüngliches Geschäftsmodell in den vergangenen Jahren beendet oder grundlegend verändert wurde.

Element Insurance ist das prominenteste Beispiel. Der Berliner Digitalversicherer wurde Ende 2024 insolvent und wird abgewickelt. Friday stellte sein eigenständiges Versicherungsgeschäft ein; Allianz Direct übernahm 2025 das Portfolio in Deutschland und Frankreich. Coya verschwand nach der Übernahme durch Luko als Marke, Teile des deutschen Geschäfts landeten später bei Getsafe. Wefox zog sich aus Deutschland zurück und verkaufte mehrere Geschäftsteile.

Auch Mailo hatte seine Rolle als eigener Risikoträger bereits 2022 aufgegeben und den Bestand auf Element übertragen. Noch vor der späteren Element-Insolvenz stellte Mailo das Neugeschäft mit Element ein und begann, bestehende Verträge auf andere Risikoträger umzudecken.

Andere Anbieter verschwanden nicht, verabschiedeten sich aber vom Modell des eigenständigen Digitalversicherers. Getsafe gab seine eigene Versicherungslizenz zurück und setzt stärker auf MGA- und Plattformgeschäft. Neodigital führt sein Versicherungsgeschäft mit Adam Riese zusammen und konzentriert sich stärker auf Insurance-as-a-Service und Technologie. Friendsurance wurde 2026 von Cover Genius übernommen und soll vor allem als digitale Bancassurance-Plattform weitergeführt werden.

Damit zeigt sich ein inzwischen recht klares Muster: Die erste große Digitalversicherungswelle hat bislang nur wenige dauerhaft eigenständige neue Risikoträger hervorgebracht. Stattdessen wurden Modelle eingestellt, verkauft, integriert oder in Technologie- und Plattformgeschäft überführt.

Vom Digitalversicherer zurück zur Mutter

Mit der jetzt erfolgten Genehmigung der Verschmelzung schließt sich bei Freeyou der Kreis. Aus der früheren GAV wurde zunächst Freeyou, aus Freeyou wird nun wieder unmittelbar DEVK. Bemerkenswert ist dabei weniger die Verschmelzung an sich als die kurze Geschichte des Versuchs, aus einem bereits bestehenden Spezialversicherer innerhalb eines etablierten Konzerns einen eigenständig auftretenden Digitalversicherer zu formen. Für die DEVK selbst dürfte die Integration gut verkraftbar sein. Der Kölner Konzern meldete für 2025 Bruttobeitragseinnahmen von 5,75 Milliarden Euro, sieben Prozent mehr als im Vorjahr. Mit einem Neugeschäft von 1,33 Milliarden Euro erzielte die Gruppe nach eigenen Angaben das beste Vertriebsergebnis ihrer 140-jährigen Geschichte.

Die Verschmelzung von Freeyou ist damit keine Geschichte eines angeschlagenen Mutterkonzerns. Vielmehr beendet die DEVK ein innerhalb der eigenen Gruppe entwickeltes Modell, dessen eigenständiger Auftritt am Markt letztlich nicht von Dauer war.

Was 2019 als digitaler Angriff auf den Kfz-Versicherungsmarkt begann, endet sieben Jahre später mit der vollständigen Integration in die DEVK. Als eigenständige Versicherungsgesellschaft ist Freeyou damit Geschichte.


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