Diese Soldaten verdienen mehr als einen kurzen Applaus
Ein Meinungsbeitrag
Nach mehr als sieben Monaten im NATO-Einsatz ist die Fregatte „Sachsen“ heute in ihren Heimathafen Wilhelmshaven zurückgekehrt. Die Fregatte „Sachsen“ legte während des Einsatzes rund 36.000 Seemeilen zurück. Das sind etwa 66.600 Kilometer. Angehörige, Freunde und Kameraden empfingen die Besatzung. Familien konnten ihre Partner, Eltern, Kinder und Freunde endlich wieder in die Arme schließen.
Es sind bewegende Bilder. Und sie sollten uns daran erinnern, was militärischer Dienst tatsächlich bedeutet.
Während wir unseren Alltag lebten, legten die Soldatinnen und Soldaten der „Sachsen“ Zehntausende Kilometer zurück. Sie waren in der Nordsee, der Ostsee und im Nordatlantik unterwegs. Ihr Auftrag bestand unter anderem darin, strategisch wichtige Seewege zu überwachen, kritische Infrastruktur auf See zu schützen und gemeinsam mit den Verbündeten die maritime Präsenz der NATO sicherzustellen.
Zeitweise diente die „Sachsen“ außerdem als Flaggschiff der Standing NATO Maritime Group 1. Sie war damit nicht einfach nur ein weiteres Schiff innerhalb des Verbandes, sondern Führungsplattform eines multinationalen NATO-Einsatzverbandes. Deutsche Soldatinnen und Soldaten übernahmen Verantwortung – für das eigene Schiff und für die Zusammenarbeit innerhalb des Bündnisses.
Das ist keine maritime Vergnügungsreise. Es ist monatelanger Dienst auf begrenztem Raum, im Schichtbetrieb rund um die Uhr, bei ständiger Einsatzbereitschaft und unter hoher technischer und persönlicher Verantwortung.
Vor allem bedeutet ein solcher Einsatz aber: mehr als ein halbes Jahr fern von zu Hause.
Während andere Geburtstage feiern, ihre Kinder morgens zur Schule bringen oder abends selbstverständlich zu ihren Familien zurückkehren, bleiben den Menschen an Bord häufig nur ein Telefonat oder eine kurze Nachricht. Kinder entwickeln sich weiter, familiäre Probleme müssen aus der Ferne begleitet werden, und die Angehörigen zu Hause tragen einen erheblichen Teil dieser Belastung mit.
Auch ihnen gebührt Anerkennung.
Sicherheit entsteht nicht von allein
Wir haben uns in Deutschland über viele Jahre daran gewöhnt, Frieden und Sicherheit als selbstverständlichen Normalzustand zu betrachten. Doch Sicherheit fällt nicht vom Himmel. Sie entsteht auch deshalb, weil Menschen bereit sind, Verantwortung zu übernehmen, persönliche Entbehrungen hinzunehmen und im äußersten Fall ihre Gesundheit und ihr Leben für dieses Land und seine Verbündeten einzusetzen.
Die Besatzung der „Sachsen“ hat keine abstrakte Symbolpolitik betrieben. Sie hat Seewege überwacht und Infrastruktur geschützt, über die ein erheblicher Teil unseres wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lebens läuft. Datenkabel, Energieverbindungen und maritime Handelsrouten sind die Lebensadern moderner Staaten. Wer sie schützt, verteidigt kein fernes militärisches Planspiel, sondern ganz konkret unsere Freiheit, unsere Versorgung und unseren Alltag.
Abschreckung mag unbequem klingen. Ihr Ziel ist jedoch nicht der Krieg, sondern dessen Verhinderung. Sie soll deutlich machen, dass Angriffe, Sabotage und militärische Drohungen nicht unbeantwortet bleiben würden. Gerade darin besteht die oftmals unsichtbare Leistung unserer Streitkräfte: Der Erfolg zeigt sich häufig darin, dass nichts passiert.
Keine beschädigte Infrastruktur. Kein blockierter Seeweg. Kein Angriff. Keine militärische Eskalation. Das klingt unspektakulär – ist aber genau das Ergebnis, das wir uns wünschen müssen.
Soldaten gehören in die Mitte der Gesellschaft
Die Bundeswehr ist keine fremde Organisation am Rande unserer Gesellschaft. Ihre Soldatinnen und Soldaten sind unsere Nachbarn, Freunde, Geschwister, Eltern und Kinder. Sie kommen aus denselben Städten, engagieren sich in denselben Vereinen und stehen nach ihrem Dienst an denselben Supermarktkassen wie wir alle.
Sie sind Staatsbürger in Uniform.
Deshalb verdienen sie weder blinde Heldenverehrung noch pauschales Misstrauen. Sie verdienen etwas sehr viel Wichtigeres: Respekt, ehrliches Interesse und gesellschaftliche Anerkennung.
Man kann über Verteidigungsausgaben streiten. Man kann einzelne Einsätze kritisch hinterfragen. Man muss politische und militärische Entscheidungen in einer Demokratie kontrollieren. Aber Kritik an politischen Entscheidungen darf niemals in Geringschätzung gegenüber den Menschen umschlagen, die auf Grundlage demokratisch erteilter Aufträge ihren Dienst leisten.
Soldatinnen und Soldaten entscheiden nicht im Alleingang, wohin sie entsandt werden. Die politische Verantwortung liegt bei Regierung und Parlament. Die Soldaten erfüllen den Auftrag – professionell, diszipliniert und unter Inkaufnahme persönlicher Belastungen, die weit über einen gewöhnlichen Arbeitsplatz hinausgehen.
Wer bei jeder Gelegenheit von gesellschaftlichem Zusammenhalt spricht, darf diejenigen nicht übersehen, die diesen Zusammenhalt im Ernstfall verteidigen sollen.
Ein herzliches Willkommen zu Hause
Die Heimkehr der „Sachsen“ sollte deshalb mehr sein als eine regionale Meldung aus Wilhelmshaven. Sie ist ein Anlass, Danke zu sagen.
Danke für mehr als sieben Monate Dienst.
Danke für durchwachte Nächte, Patrouillen und Übungen.
Danke für Professionalität, Disziplin und Verlässlichkeit.
Danke an die Familien und Angehörigen, die gewartet, gehofft und den Alltag allein bewältigt haben.
Und vor allem: Willkommen zu Hause!
Die Soldatinnen und Soldaten der Fregatte „Sachsen“ haben ihren Auftrag erfüllt. Sie haben Deutschland innerhalb des Bündnisses vertreten, Verantwortung übernommen und einen konkreten Beitrag zu unserer Sicherheit geleistet.
Sie gehören nicht an den Rand der Gesellschaft. Sie gehören in ihre Mitte.
Und sie verdienen nicht nur dann Aufmerksamkeit, wenn eine Krise eskaliert oder irgendwo ein Krieg beginnt. Sie verdienen Anerkennung jeden Tag – gerade auch dann, wenn ihr Dienst erfolgreich dafür sorgt, dass der Frieden erhalten bleibt. Soldatinnen und Soldaten nehmen für ihren Dienst bewusst Einschränkungen hin, die für andere Beschäftigte kaum vorstellbar sind. Bestimmte Grundrechte können aufgrund der besonderen Pflichten des militärischen Dienstes eingeschränkt werden. Auch die Bezahlung ist sicherlich auskömmlich – fürstlich ist sie jedoch nicht.
Vielleicht sollten wir deshalb alle einmal kurz innehalten, wenn wir das nächste Mal einem Soldaten oder einer Soldatin in Uniform begegnen – im Stadtbild, am Bahnhof, auf dem Bahnsteig oder im Zug. Man muss daraus keine große Zeremonie machen. Ein einfaches „Danke für deinen Dienst“ oder „Klasse, was du machst“ kann bereits viel bedeuten. Und selbst wer das nicht sagen möchte, könnte zumindest darauf verzichten, Menschen in Uniform anzupöbeln, abwertend anzusehen oder ihnen mit Misstrauen zu begegnen.
Das wäre gesellschaftlich schon ein Anfang.

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