AI Lab, Forschungspartnerschaften und die Frage nach Jobs
Robuste Zahlen als Fundament für die Transformation
Zürich, Februar 2026 — Die Zurich Insurance Group treibt ihre Ambitionen im Bereich künstliche Intelligenz deutlich voran. Konzernchef Mario Greco kündigte im Zuge der Veröffentlichung der Zahlen für das Geschäftsjahr 2025 an, man wolle bei KI „all in“ gehen. Die Initiative ist dabei nicht als isoliertes Digitalprojekt angelegt, sondern als Teil einer umfassenden strategischen Neuausrichtung.
Finanziell sieht sich der Versicherer gut gerüstet. Die Ergebnisse für 2025 fielen robust aus und übertrafen in zentralen Kennzahlen die Markterwartungen. Das verschafft dem Konzern Spielraum für Investitionen in Technologie, Dateninfrastruktur und neue Kompetenzen. Greco betonte in Analystengesprächen, künstliche Intelligenz sei ein strategischer Hebel, der das Versicherungsgeschäft strukturell verändern könne.
Die Rekordergebnisse des Geschäftsjahres 2025 spiegeln sich auch in den Kennzahlen wider.
Die Zurich Insurance Group erzielte einen Betriebsgewinn von 8,9 Milliarden US-Dollar und erreichte mit einer bereinigten Eigenkapitalrendite von 26,9 Prozent einen Höchstwert. Der den Aktionären zurechenbare Reingewinn belief sich auf 6,8 Milliarden US-Dollar. Gleichzeitig stieg der bereinigte Gewinn je Aktie um 13 Prozent auf 45,1 US-Dollar. Vor diesem Hintergrund schlägt der Verwaltungsrat eine Erhöhung der Dividende auf 30 Schweizer Franken je Aktie vor.
In der Schaden- und Unfallversicherung legte der Betriebsgewinn um 22 Prozent auf 5,1 Milliarden US-Dollar zu. Der kombinierte Schaden-Kosten-Satz verbesserte sich auf 92,6 Prozent. Erstmals überstiegen die Bruttoprämien in diesem Segment die Marke von 50 Milliarden US-Dollar, was auf vergleichbarer Basis einem Wachstum von 5 Prozent entspricht. Auch die Lebensversicherung trug zum starken Gesamtbild bei. Hier stieg der Betriebsgewinn um 2 Prozent auf 2,3 Milliarden US-Dollar; bereinigt um Sondereffekte aus dem Vorjahr ergibt sich ein zugrunde liegendes Wachstum von 10 Prozent. Die Bruttoprämien legten auf vergleichbarer Basis um 7 Prozent zu, begleitet von einem neuen Rekordwert bei der vertraglichen Servicemarge.
Der Geschäftsbereich Farmers verzeichnete mit 2,4 Milliarden US-Dollar den höchsten Betriebsgewinn seiner Geschichte, ein Plus von 4 Prozent. Die Bruttoprämien der Farmers Exchanges wuchsen um 4 Prozent, wobei sich das Neugeschäft im Jahresverlauf beschleunigte. Die Überschussquote lag bei 52,9 Prozent. Zugleich unterstreicht die starke Liquiditäts- und Kapitalposition die finanzielle Robustheit des Konzerns: Mittelzuflüsse von 7,4 Milliarden US-Dollar sowie eine Quote des Schweizer Solvenztests von 259 Prozent dokumentieren die solide Kapitalausstattung.
Diese finanzielle Stärke bildet die Grundlage für die strategischen Investitionen in Zukunftsfelder wie künstliche Intelligenz und unterstützt den Anspruch des Managements, die Ziele für 2027 zu erreichen oder zu übertreffen.
CEO Mario Greco hob im Zuge der Veröffentlichung der Jahreszahlen die geschlossene Leistung des Konzerns hervor. „Ich bin sehr stolz darauf, dass sämtliche Geschäftsbereiche zu diesem Rekordergebnis beigetragen haben. Das Resultat verdeutlicht, dass wir auf sehr gutem Weg sind, unsere Ziele für 2027 zu erreichen oder sogar zu übertreffen und wir bestens positioniert sind, um zukünftige Wachstumschancen zu nutzen“, erklärte Greco. Zugleich dankte er den Kundinnen und Kunden für ihre wachsende Treue sowie den Mitarbeitenden für ihren Beitrag zu der herausragenden Leistung.
Das Zurich AI Lab als strategischer Anker
Ein sichtbares Zeichen dieser Ausrichtung ist das im Oktober 2025 gestartete „Zurich AI Lab“. Mit dieser Initiative institutionalisiert der Konzern seine KI-Aktivitäten und verknüpft Forschung, operative Anwendung und strategische Weiterentwicklung enger miteinander. Kooperationspartner sind unter anderem die ETH Zürich und die Universität St. Gallen.
Ziel ist es, wissenschaftliche Expertise mit konkreten Anwendungsfällen aus dem Versicherungsgeschäft zu verbinden. Dabei geht es nicht nur um Effizienzsteigerungen, sondern um neue datenbasierte Geschäftsmodelle, personalisierte Kundenlösungen und präzisere Risikobewertung. Das Lab ist in den Strategiezyklus 2025–2027 eingebettet und wird auf Top-Management-Ebene begleitet.
KI als Geschäftsmodell-Thema
In der Unternehmenskommunikation wird deutlich, dass künstliche Intelligenz über klassische Automatisierung hinausreichen soll. Anwendungen in der Schadenbearbeitung, im Underwriting und in der Kundeninteraktion gelten als zentrale Felder, in denen KI Prozesse beschleunigen und Entscheidungsgrundlagen verbessern kann. Zugleich wird das Thema Qualifizierung betont. Die Weiterentwicklung digitaler Kompetenzen innerhalb der Belegschaft ist ausdrücklich Teil der strategischen Agenda.
Damit positioniert sich Zurich als Versicherer, der KI nicht nur als technisches Hilfsmittel versteht, sondern als integralen Bestandteil der künftigen Wertschöpfung.
Auswirkungen auf Arbeitsplätze: Offizielle Linie und Branchenrealität
Mit der strategischen Aufladung des Themas rückt zwangsläufig die Frage nach möglichen Beschäftigungseffekten in den Mittelpunkt. Nach derzeitigem Stand gibt es keine offiziell bestätigten Programme zum Stellenabbau, die direkt mit der KI-Strategie oder dem AI Lab verknüpft sind. Mario Greco erklärte im Zusammenhang mit den Jahreszahlen, KI solle Tätigkeiten verändern und Mitarbeitende entlasten, nicht systematisch ersetzen. Im Vordergrund stehe die Transformation von Rollenprofilen sowie der Aufbau neuer Fähigkeiten.
Im Branchenkontext ist die Debatte allerdings komplexer. Versicherer weltweit prüfen, in welchem Umfang sich Routinetätigkeiten automatisieren lassen und Prozesse neu organisieren. Teilweise werden Strukturen verschlankt oder Aufgabenbereiche angepasst. Auch bei Zurich gab es in der Vergangenheit Berichte über Effizienzüberlegungen und mögliche Auslagerungen einzelner Funktionen. Ein direkter Zusammenhang zwischen diesen Diskussionen und der aktuellen KI-Offensive ist jedoch bislang nicht belegt.
Strategische Stoßrichtung klar erkennbar
Die Linie des Konzerns ist dennoch eindeutig. Zurich verfolgt das Ziel, künstliche Intelligenz tief in Kernprozesse zu integrieren und sich technologisch als Vorreiter im europäischen Versicherungsmarkt zu positionieren. Kurzfristig steht dabei die Innovations- und Transformationsagenda im Vordergrund. Ob sich daraus langfristig strukturelle Veränderungen der Beschäftigung ergeben, dürfte weniger von einzelnen Projekten abhängen als von der Geschwindigkeit, mit der sich KI-Anwendungen im operativen Alltag durchsetzen.

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