AGV-Statistik zeigt Trendwende beim Durchschnittsalter der Beschäftigten
Die deutsche Versicherungswirtschaft wächst nicht nur bei den Beschäftigtenzahlen, sondern erlebt auch eine bemerkenswerte Entwicklung bei ihrer Altersstruktur. Erstmals seit vielen Jahren ist das Durchschnittsalter der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wieder leicht gesunken. Das geht aus den aktuellen „Sozialstatistischen Daten 2025“ des Arbeitgeberverbands der Versicherungsunternehmen in Deutschland (AGV) hervor.
Demnach lag das Durchschnittsalter der Beschäftigten zum Jahresende 2025 bei 44,0 Jahren. Im Vorjahr waren es noch 44,2 Jahre. Damit wurde erstmals seit langer Zeit die kontinuierliche Alterung der Belegschaften unterbrochen. Dennoch zeigt der langfristige Trend weiterhin nach oben: 2012 lag das Durchschnittsalter in der Branche noch bei 42,0 Jahren.
Die Zahlen des AGV verdeutlichen, dass die demografischen Herausforderungen weiterhin präsent sind. Während die Branche insgesamt jünger geworden ist, weist die Altersstruktur nach wie vor deutliche Merkmale einer alternden Belegschaft auf. So ist mittlerweile mehr als jeder zwölfte Beschäftigte 61 Jahre oder älter. Vor gut einem Jahrzehnt traf dies lediglich auf rund jeden fünfzigsten Mitarbeiter zu.
Besonders deutlich wird die Entwicklung im angestellten Außendienst. Laut den vom AGV veröffentlichten Altersstrukturdaten liegt das Durchschnittsalter dort inzwischen bei 44,7 Jahren. Bei den männlichen Außendienstmitarbeitern beträgt es sogar 45,5 Jahre. Gleichzeitig hat sich jedoch der Anteil der Beschäftigten bis 25 Jahre seit 2015 von 5,4 auf 7,2 Prozent erhöht. Dies deutet darauf hin, dass die Unternehmen ihre Nachwuchsgewinnung in diesem Bereich verstärken konnten.
Auch im Innendienst setzt sich die Alterung der Belegschaft fort. Nach Angaben des AGV beträgt das Durchschnittsalter der Innendienstbeschäftigten ohne Auszubildende inzwischen 45,4 Jahre. Besonders auffällig ist der wachsende Anteil älterer Mitarbeiter: Der Anteil der über 61-Jährigen hat sich seit 2011 nahezu versechsfacht und liegt mittlerweile bei 8,7 Prozent.
Unterschiede zeigen sich zudem zwischen den Geschlechtern. Frauen sind im Branchendurchschnitt etwas jünger als Männer. Während weibliche Beschäftigte im Durchschnitt 43,9 Jahre alt sind, liegt das Durchschnittsalter der Männer bei 44,1 Jahren. Deutlich größer fällt die Differenz im Außendienst aus, wo Frauen im Durchschnitt mehr als drei Jahre jünger sind als ihre männlichen Kollegen.
Trotz der demografischen Herausforderungen sendet die Entwicklung ein positives Signal für die Versicherungswirtschaft. Die Branche beschäftigte Ende 2025 insgesamt 215.600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und damit 1,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Neben einem Anstieg im Innendienst nahm auch die Zahl der angestellten Außendienstmitarbeiter erneut zu. Damit scheint es den Unternehmen zunehmend zu gelingen, neue Fachkräfte und Nachwuchskräfte für die Assekuranz zu gewinnen.
Die aktuellen Zahlen stammen aus der Publikation „Sozialstatistische Daten 2025“ des Arbeitgeberverbands der Versicherungsunternehmen in Deutschland (AGV), der jährlich die wichtigsten Personal- und Sozialkennzahlen der Branche veröffentlicht. Grundlage sind die Meldungen der Mitgliedsunternehmen zur Beschäftigtenstruktur, Ausbildung, Fluktuation und Altersentwicklung.
Mein Kommentar:
Die Versicherungsbranche diskutiert seit Jahren über Fachkräftemangel, demografischen Wandel und die Überalterung ihrer Belegschaften. Die aktuellen Zahlen des Arbeitgeberverbandes zeigen, dass die Alterung der Branche zwar vorerst gebremst scheint, das grundlegende Problem aber bestehen bleibt. Fast 40 Prozent der Beschäftigten im angestellten Außendienst sind inzwischen älter als 50 Jahre. Die Frage ist daher nicht mehr, ob die Branche Unterstützung benötigt, sondern woher diese kommen soll.
An dieser Stelle fällt in nahezu jeder Diskussion inzwischen ein Zauberwort: Künstliche Intelligenz.
Kaum eine Podiumsdiskussion, kaum ein Branchenpodcast und kaum eine Pressemitteilung kommt heute ohne den Hinweis aus, dass KI die Mitarbeitenden unterstützen, Prozesse beschleunigen und personelle Engpässe ausgleichen werde. Das mag alles richtig sein. Allerdings bleibt dabei oft ein wesentlicher Teil der Wahrheit unerwähnt.
Denn wer gleichzeitig erklärt, was moderne KI-Systeme bereits heute leisten können und welche Fähigkeiten sie in den kommenden Jahren noch entwickeln werden, kann schwerlich behaupten, dass sich die Auswirkungen ausschließlich auf eine bessere Unterstützung der Beschäftigten beschränken werden.
Es wäre an der Zeit, in dieser Debatte etwas ehrlicher zu werden.
In den Fluren vieler Unternehmen ist die Verunsicherung längst spürbar. Viele Beschäftigte ahnen, dass die aktuellen technologischen Entwicklungen weitreichende Folgen für Aufgabenprofile und Personalbedarf haben könnten. Konkrete Antworten erhalten sie jedoch selten.
Dabei gibt es eigentlich nur zwei Möglichkeiten: Entweder wissen die Unternehmen selbst noch nicht annähernd, wie viele Tätigkeiten und Stellen langfristig von KI betroffen sein werden. Das wäre angesichts der Milliardeninvestitionen in die Technologie durchaus bemerkenswert. Oder die Unternehmen verfügen bereits über deutlich konkretere Szenarien, sprechen darüber aber bewusst nicht öffentlich, um keine unnötige Unruhe entstehen zu lassen.
Beides ist wenig beruhigend.
Besonders heikel ist dabei ein Aspekt, über den kaum gesprochen wird: Damit KI-Systeme produktiv eingesetzt werden können, müssen sie trainiert, getestet und mit Fachwissen versorgt werden. Diese Aufgabe übernehmen häufig genau jene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, deren Tätigkeiten später zumindest teilweise automatisiert werden könnten.
Die Bereitschaft, eine Technologie mit dem eigenen Wissen zu füttern, dürfte naturgemäß sinken, wenn gleichzeitig die Sorge besteht, damit am Ende den eigenen Arbeitsplatz überflüssig zu machen.
Niemand kann heute seriös vorhersagen, wie viele Stellen in der Versicherungswirtschaft tatsächlich wegfallen, sich verändern oder neu entstehen werden. Die Entwicklung wird vermutlich weder so harmlos verlaufen, wie manche Unternehmensvertreter suggerieren, noch so dramatisch, wie manche Kritiker befürchten.
Doch genau deshalb braucht die Branche eine offene Diskussion.
Beschäftigte haben ein Recht darauf zu erfahren, welche Szenarien die Unternehmen intern rechnen, welche Tätigkeiten als besonders automatisierungsgefährdet gelten und welche Qualifikationen künftig gefragt sein werden. Statt allgemeiner Versprechen über „Unterstützung durch KI“ wären konkrete Aussagen über Chancen, Risiken und erwartete Veränderungen deutlich hilfreicher.
Der demografische Wandel liefert der Versicherungsbranche derzeit ein plausibles Argument für den Einsatz künstlicher Intelligenz. Doch KI wird nicht nur helfen, die Folgen der Überalterung abzufedern. Sie wird die Arbeitswelt der Versicherer grundlegend verändern.
Darüber sollte endlich offen gesprochen werden.

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