Die Branche 2025

Anhaltender Kostendruck durch Ersatzteile und Werkstätten
Trotz der insgesamt verbesserten Ertragslage bleibt der Kostenblock im Schaden- und Unfallgeschäft ein zentrales Sorgenfeld der Versicherer. Insbesondere die Preisentwicklung bei Handwerkerleistungen, Ersatzteilen und Werkstattaufenthalten wirkt weiterhin stark preistreibend. Nach Angaben des GDV sind die Ersatzteilpreise seit 2015 um mehr als 80 Prozent gestiegen – deutlich schneller als die allgemeine Inflation, die im gleichen Zeitraum bei rund 30 Prozent lag. Hinzu kommen steigende Stundenverrechnungssätze in den Werkstätten sowie komplexere Reparaturen infolge moderner Fahrzeugtechnik. Aus Sicht der Versicherungswirtschaft begrenzen diese strukturellen Kostensteigerungen die Spielräume nachhaltig und machen weitere Beitragsanpassungen auch in den kommenden Jahren wahrscheinlich.

Schwarze Zahlen nach Verlustjahren – Stabilität trotz Herausforderungen

Die deutsche Versicherungswirtschaft hat im Jahr 2025 nach mehreren schwierigen Jahren wieder deutlich an Stärke gewonnen. Nach einer Phase mit teils roten Zahlen zeichnet sich ein deutliches Wachstum ab, getragen von Beitragserhöhungen, positiven Ergebnissen in der Schaden- und Unfallversicherung und anhaltend kräftiger Nachfrage in einzelnen Sparten. Zugleich warnt der Branchenverband GDV jedoch vor strukturellen Risiken und einem verhaltenen Ausblick für 2026.

Deutlicher Beitragsanstieg 2025

Nach den jüngsten Zahlen des GDV stiegen die gesamten Beitragseinnahmen der deutschen Versicherer im Jahr 2025 um 6,6 Prozent auf etwa 254 Milliarden Euro. Damit konnte die Branche trotz konjunktureller Schwächen ein stabiles Wachstum verzeichnen.

GDV-Präsident Norbert Rollinger beschreibt das Jahr als „gut mit spürbarem Beitragswachstum – und das in einem insgesamt schwachen wirtschaftlichen Umfeld.“ Zugleich warnte er, dass die Spielräume kleiner würden, wenn Bau-, Investitions- und Konsumausgaben weiter nachließen.

Kfz-Versicherung wieder profitabel

Ein besonders wichtiges Kapitel im Versicherungsjahr 2025 war die Entwicklung in der Kfz-Versicherung. Nach drei Verlustjahren schrieben die Kfz-Versicherer erstmals wieder schwarze Zahlen – ein Zeichen für stabilere technische Ergebnisse. Die Schaden-Kosten-Quote fiel auf rund 96 Prozent, was operative Gewinne signalisiert.

Hohe Beitragsanpassungen trugen wesentlich zu diesem Ergebnis bei: Die Prämien in der Kraftfahrtversicherung stiegen im vergangenen Jahr um mehr als 13 Prozent. Gleichzeitig spielten geringere Unwetterschäden eine Rolle für die Verbesserung der Schadenbilanz.

Auch außerhalb der Kfz-Versicherung entwickelte sich das Schaden- und Unfallgeschäft 2025 insgesamt stabil. Nach Angaben des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) trugen insbesondere die Haftpflicht-, Unfall-, Hausrat-, Wohngebäude- und Rechtsschutzversicherung zum spartenübergreifenden Beitragswachstum bei. Die Prämieneinnahmen legten in diesen Bereichen moderat bis spürbar zu, vor allem infolge von Beitragsanpassungen an gestiegene Schaden- und Kostenentwicklungen sowie einer weiterhin stabilen Nachfrage.

Bei den technischen Ergebnissen zeigt sich jedoch ein differenziertes Bild: Während Haftpflicht-, Unfall- und Rechtsschutzversicherungen weiterhin vergleichsweise stabile Schaden-Kosten-Quoten aufweisen, bleibt die Wohngebäudeversicherung strukturell belastet. Steigende Bau- und Wiederherstellungskosten sowie witterungsbedingte Großschäden führen dazu, dass diese Sparte trotz steigender Prämien vielerorts noch nicht nachhaltig profitabel ist. In der Hausratversicherung machen sich ebenfalls höhere Schadenaufwendungen bemerkbar, unter anderem durch gestiegene Reparatur- und Ersatzkosten, wenngleich die Sparte insgesamt als vergleichsweise stabil gilt. Insgesamt verdeutlichen die GDV-Zahlen, dass das Wachstum im Schaden- und Unfallbereich 2025 nicht allein auf die Kfz-Versicherung zurückzuführen ist, sondern von einer breiten Entwicklung über mehrere Sparten hinweg getragen wird.

Lebens- und Krankenversicherung

Auch in anderen großen Sparten zeigte sich ein positives Bild:

  • Private Krankenversicherung (PKV): Die PKV wuchs 2025 kräftig, mit einem Beitragsanstieg von rund 7,3 Prozent. Allerdings stiegen parallel auch die Leistungsaufwendungen deutlich – ein Zeichen für den kostspieligen medizinischen Fortschritt und steigende Gesundheitskosten.
  • Lebensversicherung: Hier wirkten insbesondere Einmalbeiträge als Wachstumstreiber. Die Lebensversicherung verzeichnete ein Plus von knapp 5 Prozent, wobei das klassische laufende Beitragsgeschäft eher stagnierte.

Klimarisiken und Naturgefahren im Blick

Ein strukturelles Thema bleibt die wachsende Belastung durch Naturgefahren. Zwar war das Jahr 2025 bei extremen Wetterereignissen im Vergleich zu 2024 unterdurchschnittlich – mit versicherten Schäden von rund 2,6 Mrd. Euro –, doch betonte der GDV, dass der langfristige Trend weiterhin eine Zunahme klimabedingter Schäden signalisiere.

Der Verband fordert deshalb verstärkte Anstrengungen beim Elementarschutz und langfristig tragfähige Konzepte zur Absicherung gegen Naturrisiken. Gleichzeitig betonen Branchenvertreter, dass höhere Ersatzteil- und Werkstattkosten im Kfz-Bereich dauerhaft preistreibend bleiben.

Ausblick auf 2026: Wachstum, aber gedämpft

Für das laufende Jahr 2026 erwartet der GDV weiter steigende Beitragseinnahmen, jedoch mit einem moderateren Tempo. Insgesamt rechnet der Verband mit einem Beitragsplus von etwa 4,7 Prozent.

Rollinger und weitere GDV-Vertreter betonen, dass die Zukunft der Branche stark von der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, der Regulierung sowie von Reformen in der Altersvorsorge abhängt. Insbesondere die Herausforderungen einer alternden Gesellschaft und die Frage nach attraktiven Vorsorgeprodukten bleiben im Fokus.


Im Rückblick hat die Versicherungswirtschaft 2025 einen wichtigen Befreiungsschlag nach schwierigen Jahren geschafft: Die Branche wächst wieder, schreibt in Kerngeschäften wie der Kfz-Versicherung wieder schwarze Zahlen und verzeichnet solide Ergebnisse in Kranken- und Lebensversicherungen. Gleichzeitig mahnen Branchenvertreter zur Vorsicht: Klimarisiken, Kostenbelastungen und wirtschaftliche Unsicherheiten sind Themen, die weiterhin Aufmerksamkeit und politische Antworten erfordern.


Entdecke mehr von Sachthemen.blog

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Wöchentlicher Newsletter

Einmal pro Woche erhältst du die wichtigsten Artikel und Einordnungen redaktionell zusammengestellt.

Für den Newsletter anmelden
Artikel teilen: LinkedIn · Facebook · WhatsApp · E-Mail

Diskutiere mit

Deine Meinung ist uns wichtig!

Entdecke mehr von Sachthemen.blog

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen