Auf den ersten Blick scheint das jedoch nur wenig mit der Versicherungswirtschaft zu tun zu haben. Schließlich sind längst nicht alle wirtschaftlichen Folgen von Hitze und Trockenheit versichert. Trotzdem rückt das Thema immer stärker in den Fokus der Branche. Warum eigentlich?
Ein Blick auf aktuelle Veröffentlichungen liefert die Antwort.
Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hat Anfang August darauf hingewiesen, dass Hitze, Niedrigwasser und Trockenheit längst zu einem gesamtwirtschaftlichen Risiko geworden sind. Betroffen seien unter anderem Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Logistik und zahlreiche weitere Wirtschaftszweige. Gleichzeitig verweist der Verband auf die Bedeutung geeigneter Absicherungslösungen – insbesondere im Bereich der landwirtschaftlichen Mehrgefahrenversicherung.
Auch der Rückversicherer Munich Re beschäftigt sich in seiner Ende Juli veröffentlichten Analyse der weltweiten Naturkatastrophenschäden mit den Folgen klimabedingter Extremereignisse. Zwar standen im ersten Halbjahr 2026 vor allem Erdbeben, Überschwemmungen und schwere Unwetter im Mittelpunkt. Gleichzeitig macht der Rückversicherer jedoch deutlich, dass auch langanhaltende Hitze- und Dürreperioden zu den Risiken gehören, die weltweit zunehmend an Bedeutung gewinnen und die Versicherungswirtschaft langfristig beschäftigen werden. Die anhaltende Trockenheit erhöht zudem das Risiko von Wald- und Flächenbränden. Gerade in Südeuropa zeigt sich derzeit, wie eng Hitze, Dürre und Brandgefahr zusammenhängen. Frankreich, Spanien, Portugal und Griechenland kämpfen seit Wochen mit teils verheerenden Bränden, die tausende Menschen zur Evakuierung zwangen und erhebliche Sachschäden verursachten. Für Versicherer und Rückversicherer gehören Waldbrände inzwischen zu den Naturgefahren, deren wirtschaftliche Bedeutung spürbar zunimmt. Während die Schäden früher häufig regional begrenzt blieben, können großflächige Feuer heute ganze Siedlungsgebiete, Betriebe und Infrastrukturen erfassen und entsprechend hohe versicherte Schäden verursachen.
Die wissenschaftliche Grundlage liefern unter anderem aktuelle Untersuchungen der Forschungsgruppe World Weather Attribution. Die Forscher kommen zu dem Ergebnis, dass die zunehmende Trockenheit in Europa nicht allein auf ausbleibende Niederschläge zurückzuführen ist. Ausschlaggebend sei vielmehr die deutlich höhere Verdunstung infolge steigender Temperaturen. Dadurch verlieren Böden erheblich schneller Feuchtigkeit – selbst dann, wenn die Niederschlagsmengen nicht überall außergewöhnlich niedrig ausfallen.
Genau darin unterscheidet sich Trockenheit von vielen anderen Naturgefahren. Während Stürme oder Überschwemmungen meist innerhalb weniger Stunden erhebliche Schäden verursachen, entwickelt sich eine Dürre schleichend. Die Auswirkungen zeigen sich oft erst nach Wochen oder Monaten und betreffen gleichzeitig zahlreiche Bereiche der Wirtschaft.
Relevanz für die Branche
Für die Versicherungsbranche ist das vor allem deshalb relevant, weil verschiedene Versicherungssparten von solchen Entwicklungen berührt werden können. Dazu zählen insbesondere Ernte- und Mehrgefahrenversicherungen in der Landwirtschaft sowie Sach-, Transport- und Feuerversicherungen im Zusammenhang mit klimabedingten Naturgefahren. Hinzu kommt die Rückversicherung, die Naturkatastrophenrisiken weltweit bündelt und deshalb langfristige Entwicklungen besonders genau beobachtet.
Dabei geht es nicht allein um einzelne Schadenereignisse. Für Versicherer und Rückversicherer stellt sich zunehmend die Frage, wie sich häufiger auftretende Hitze- und Trockenheitsperioden künftig auf die Bewertung von Risiken auswirken. Denn mit dem Klimawandel verändern sich nicht nur Wetterlagen, sondern auch die Grundlagen, auf denen Risiken kalkuliert und Versicherungsprodukte entwickelt werden.
Swiss-Re-Chef warnt vor unterschätztem Hitzetod-Risiko
Auch die Swiss-Re richtetet ihren Blick zunehmend auch auf die gesundheitlichen Folgen extremer Temperaturen. Swiss-Re-Chef Andreas Berger warnte gegenüber der „NZZ am Sonntag“ davor, das Risiko hitzebedingter Todesfälle zu unterschätzen.
Berger wörtlich: „Das Risiko von Hitzewellen und den damit verbundenen Todesfällen wurde unterschätzt. Wir müssen das Bewusstsein für die daraus entstehenden Gefahren schärfen.“
Reuters griff die Aussagen am Sonntag international auf. Berger selbst äußerte sich mit Blick auf die wirtschaftlichen Folgen für den Rückversicherer allerdings zurückhaltend. Für eine belastbare Beurteilung, in welchem Umfang sich die erhöhte Sterblichkeit auf die Geschäftszahlen von Swiss Re auswirken könnte, sei es noch zu früh.
Fazit
Trockenheit ist längst mehr als ein Thema für Landwirte. Niedrige Wasserstände beeinträchtigen den Güterverkehr, Hitze belastet Unternehmen und Infrastruktur, und die Landwirtschaft kämpft regional mit erheblichen Ertragseinbußen. Nicht jede dieser Folgen führt unmittelbar zu einem versicherten Schaden.
Eine erhöhte Sterblichkeit kann hingegen insbesondere bei klassischen Lebensversicherungen mit Todesfallschutz zu höheren Leistungsaufwendungen führen, weil die vereinbarten Versicherungssummen häufiger fällig werden. In anderen Bereichen können sich gegenläufige Effekte ergeben: In der Krankenversicherung endet mit dem Tod das zukünftige Krankheitskostenrisiko, bei einer Berufsunfähigkeitsversicherung eine gegebenenfalls laufende BU-Rente. Auch bei privaten Rentenversicherungen kann eine frühere Sterblichkeit die Gesamtleistungsdauer verkürzen. Zwar können Rentengarantiezeiten oder vereinbarte Hinterbliebenenleistungen zu weiteren Zahlungen führen, eine lebenslange Rentenzahlung an den Versicherten selbst entfällt jedoch. Allerdings entfallen in allen Fällen auch die Beiträge, was zu sinkenden Beitragseinnahmen führt.
Welche finanziellen Auswirkungen Hitzewellen unter dem Strich für Versicherer haben, hängt daher auch stark von Versicherungssparte und Vertragsgestaltung ab.

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