Afori und Comparit wollen die Kfz-Wechselsaison für ganze Bestände automatisieren

Die Kfz-Wechselsaison gehört für viele Versicherungsmakler zu den arbeitsintensivsten Zeiten des Jahres. Hoher Verwaltungsaufwand, zahlreiche Tarifvergleiche und vergleichsweise geringe Erträge prägen das Jahresendgeschäft. Das Insurtech Afori und der Vergleichssoftwareanbieter Comparit wollen diesen Prozess nun weitgehend automatisieren. Mithilfe künstlicher Intelligenz sollen künftig ganze Kfz-Bestände überprüft, alternative Angebote berechnet und Kunden individuell angesprochen werden können. Afori-Mitgründer Fabian Wesemann erläutert gegenüber dem Sachthemen-Blog, welche Chancen er darin für Makler sieht.

KI und Vergleichsrechner arbeiten künftig zusammen

Pünktlich zur Kfz-Wechselsaison 2026 haben Afori und Comparit eine strategische Partnerschaft vereinbart. Ziel ist es, die bislang häufig manuell durchgeführte Überprüfung und Optimierung von Kfz-Versicherungsverträgen weitgehend zu automatisieren.

Dafür verbindet Afori seine spezialisierten KI-Agenten über eine Programmierschnittstelle (API) direkt mit der Vergleichssoftware von Comparit. Die Besonderheit: Statt einzelne Kundenverträge nacheinander zu bearbeiten, sollen Makler künftig ihren gesamten Kfz-Bestand parallel überprüfen lassen können.

Gerade angesichts der in den vergangenen Jahren erheblich gestiegenen Kfz-Versicherungsprämien könnte dies für Makler interessant sein. Denn Beitragserhöhungen führen regelmäßig zu einem hohen Beratungs- und Betreuungsbedarf, während die wirtschaftlichen Erträge aus dem Kfz-Geschäft häufig überschaubar bleiben.

Vom Bestandscheck bis zum neuen Versicherungsangebot

Nach Angaben der beiden Unternehmen soll der Prozess weitgehend ohne manuelle Datenübertragung funktionieren.

Zunächst erfasst Afori die neuen Kfz-Versicherungsbeiträge über BiPRO-Schnittstellen oder durch den Import entsprechender Daten aus den Versichererportalen. Anschließend identifiziert die KI diejenigen Kunden, bei denen eine deutliche Beitragssteigerung vorliegt. Als mögliches Auswahlkriterium nennen die Unternehmen beispielsweise eine Erhöhung um mindestens zehn Prozent.

Im nächsten Schritt greift Afori auf die bereits im Maklerverwaltungsprogramm vorhandenen Dokumente zurück. Dazu gehören Versicherungsscheine, Nachträge, frühere Anträge oder Beitragsrechnungen.

Aus diesen Unterlagen werden die für einen Tarifvergleich erforderlichen Informationen ausgelesen, darunter Fahrzeugdaten, Schadenfreiheitsklassen, Fahrerkreis und bisheriger Deckungsumfang.

Die ermittelten Daten werden anschließend an Comparit übergeben. Dort erfolgt die Berechnung alternativer Versicherungsangebote.

Auf Grundlage zuvor vom Makler festgelegter Beratungskriterien wählt Afori drei passende Tarife aus und erstellt eine persönliche E-Mail an den jeweiligen Kunden.

Auch die weitere Bearbeitung soll durch KI unterstützt werden. Dazu gehören Rückfragen, die Nachverfolgung von Angeboten, die Antragstellung und die anschließende Policenprüfung.

Ein Wechselantrag kann direkt aus Afori über Comparit übermittelt werden.

Der Makler behält die Kontrolle

Trotz der umfangreichen Automatisierung soll die Entscheidungshoheit beim Versicherungsmakler verbleiben. Nach Unternehmensangaben kann dieser nachvollziehen, aus welchem Dokument die KI die jeweiligen Risikodaten übernommen hat. Fehlen Informationen, sollen diese gezielt beim Kunden angefordert werden. Auch die Kundenansprache erfolgt nicht vollständig eigenständig. Vielmehr muss der Makler die Kommunikation jeweils freigeben.

Die Auswahl der vorgeschlagenen Tarife orientiert sich an den vom Makler festgelegten Beratungskriterien. Damit soll verhindert werden, dass ausschließlich der günstigste Beitrag über die Empfehlung entscheidet.

Ob und in welchem Umfang die Automatisierung tatsächlich zu einer spürbaren Arbeitsentlastung führt, dürfte allerdings auch von der Qualität und Vollständigkeit der vorhandenen Bestandsdaten abhängen.

Ebenso bleibt die fachliche Prüfung entscheidend. Ein niedrigerer Versicherungsbeitrag bedeutet schließlich nicht automatisch, dass ein neuer Tarif hinsichtlich Deckungsumfang, Selbstbeteiligungen und Versicherungsbedingungen die bessere Wahl darstellt.

Fabian Wesemann: „Die KI übernimmt die Arbeit, der Makler gewinnt Zeit“

Fabian Wesemann, Mitgründer und CEO von Afori, sieht in der Zusammenarbeit mit Comparit vor allem die Möglichkeit, Makler von wiederkehrenden Verwaltungsaufgaben zu entlasten.

Gegenüber dem Sachthemen-Blog erklärte Wesemann:

„Die Kfz-Wechselsaison ist für Makler jedes Jahr ein Kraftakt mit wenig Ertrag. Wenn die KI diese Arbeit übernimmt, bleibt Zeit für das, was Makler wirklich voranbringt: Beratung und neue Kunden. Genau dafür sind wir angetreten.“

Damit beschreibt Wesemann zugleich die grundsätzliche Ausrichtung von Afori. Künstliche Intelligenz soll nicht die persönliche Beratung ersetzen, sondern insbesondere diejenigen Tätigkeiten übernehmen, die im Maklerbetrieb erhebliche personelle Ressourcen beanspruchen.

Gerade im Kfz-Geschäft könnte das interessant werden. Denn während die Betreuung bestehender Kunden auch bei vergleichsweise geringen Provisionserträgen notwendig bleibt, bindet die jährliche Wechselsaison regelmäßig erhebliche Kapazitäten.

Hinter Afori stehen ehemalige Wefox-Gründer

Fabian Wesemann ist in der deutschen Insurtech-Szene kein Unbekannter.

Bereits 2015 gehörte er gemeinsam mit Julian Teicke und Dario Fazlic zu den Gründern von Wefox. Das Unternehmen entwickelte sich in den folgenden Jahren zu einem der bekanntesten europäischen Insurtechs. Wesemann war dort unter anderem als Chief Financial Officer (CFO) tätig. Mit Afori hat er nun ein weiteres Unternehmen gegründet, das sich auf den Einsatz künstlicher Intelligenz in der Versicherungsvermittlung konzentriert.

Zweiter Mitgründer ist Sergi Baños, der zuvor als Chief Technology Officer (CTO) bei Wefox tätig war. Bei Afori verantwortet er den technologischen Aufbau und entwickelt mit einem Team von mehr als 20 Ingenieuren die KI-Infrastruktur des Unternehmens. Afori versteht sich dabei nicht ausschließlich als Softwareanbieter, sondern als Wachstumspartner für Maklerunternehmen. Das Geschäftsmodell verbindet versicherungsspezifische KI-Anwendungen mit operativer Unterstützung und Wachstumskapital.

Nach eigenen Angaben wird die Plattform bereits täglich in mehr als 40 Maklerhäusern eingesetzt. Sie verfügt über Anbindungen an Outlook, Gmail, WhatsApp, BiPRO, gängige Maklerverwaltungsprogramme und Vergleichsrechner. Darüber hinaus kann die Technologie auf mehr als 20.000 Versicherungsbedingungen zugreifen.

Zu den auf der Unternehmenswebseite genannten Investoren gehören General Catalyst, Future Present, yellow und booom.

Comparit setzt auf eine offene Vergleichsplattform

Auch Comparit verfolgt mit der Partnerschaft eine strategische Weiterentwicklung seiner Vergleichstechnologie. Die cpit comparit GmbH entwickelt Vergleichs- und Analysesoftware für die Versicherungswirtschaft. Das Unternehmen setzt nach eigenen Angaben auf eine offene Plattform, die den gesamten Prozess vom Tarifvergleich bis zur elektronischen Antragstellung abbilden soll.

Comparit befindet sich mehrheitlich im Eigentum seiner Mitarbeiter. Zu den Partnern zählen 14 Maklerorganisationen und Maklerpools, darunter blau direkt, BCA, Netfonds und MLP. Zusammen repräsentieren diese Organisationen nach Unternehmensangaben mehr als 35.000 angeschlossene Vermittler.

Durch die direkte technische Verbindung mit Afori wird der klassische Vergleichsrechner nun in einen umfassenderen, KI-gestützten Arbeitsprozess eingebunden.

Automatisierung könnte das Kfz-Geschäft für Makler verändern

Die Kooperation zeigt, wohin sich die technische Unterstützung im Maklergeschäft entwickeln könnte. Bislang beschränkt sich die Digitalisierung vieler Arbeitsabläufe darauf, einzelne Tätigkeiten zu erleichtern. Vergleichsrechner beschleunigen die Angebotserstellung, Maklerverwaltungsprogramme organisieren Vertragsdaten und Kommunikationssysteme unterstützen die Kundenbetreuung. Afori und Comparit wollen diese bislang häufig getrennten Arbeitsschritte miteinander verbinden.

Der entscheidende Unterschied liegt dabei weniger im einzelnen Tarifvergleich als in der Möglichkeit, große Bestände systematisch zu überprüfen und daraus konkrete Bearbeitungsvorgänge abzuleiten. Für Makler könnte dies insbesondere während der Kfz-Wechselsaison eine erhebliche Entlastung bedeuten.

Allerdings wird sich in der praktischen Anwendung zeigen müssen, wie zuverlässig die KI unterschiedliche Vertragsunterlagen verarbeitet, wie gut sich individuelle Kundenanforderungen berücksichtigen lassen und wie hoch der verbleibende Kontrollaufwand tatsächlich ist.

Wenn sich das neue System bewährt, könnte ausgerechnet das bislang häufig wenig rentable Kfz-Jahresendgeschäft zu einem wichtigen Anwendungsfall für künstliche Intelligenz in Maklerbetrieben werden.


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