Zwischen Plüschtierfraktion und Team Gedöns
Über 90 Likes und rund 40 Kommentare hatte mein LinkedIn-Appell bereits nach kurzer Zeit gesammelt. 6 mal wurde der Artikel im eigenem Netzwerk geteilt. Neben deutlicher Zustimmung gab es auch leidenschaftliche Verteidiger klassischer Werbegeschenke.
Besonders die Plüschtiere scheinen eine eingeschworene Fangemeinde zu haben. Die „Plüschis“ wurden vehement verteidigt, sogar eine Petition zu ihrer Rettung stand scherzhaft im Raum. Andere bekannten sich zum „Team Gedöns“. Schließlich freuen sich auch Kinder über kleine Mitbringsel von einer Messe.
Auf der anderen Seite gab es Zustimmung zu meinem Vorschlag, das Geld lieber für sinnvolle Zwecke einzusetzen. Auch die Idee, Messebesucher über einen QR-Code zwischen einem Werbegeschenk und einer Spende wählen zu lassen, wurde in der Diskussion eingebracht.
Natürlich fiel auch der Begriff „Beutelratten“ für jene Besucher, die scheinbar alles einsammeln, was kostenlos angeboten wird. Wobei man fairerweise sagen muss: Wer massenhaft Werbeartikel verteilt, darf sich nicht wundern, wenn sie auch massenhaft mitgenommen werden.
Interessant fand ich dazu die Nachricht eines Ausstellers, der mir schrieb, dass seiner Erfahrung nach die Gespräche mit Messebesuchern, die nicht in erster Linie wegen der Werbegeschenke an den Stand kommen, qualitativ deutlich besser seien. Hinzu kommt, dass es durchaus störend sein kann, wenn man gerade ein gutes Fachgespräch führt und ständig andere Besucher dazwischenfunken, weil sie nach einem Kugelschreiber fragen oder sich etwas aus der Werbeartikelschütte nehmen möchten.
Vielleicht wäre es also auch aus Vertriebssicht die bessere Rechnung: weniger Kontakte, dafür aber die richtigen. Und Gespräche, die man in Ruhe führen kann.
Die legendären Schneeschaufeln
Dass die Versicherungsbranche bei Werbegeschenken durchaus kreativ sein kann, beweist ein Blick in die Vergangenheit.
2010 gab es beim Anbieter ConceptIF (heute WECOYA) Schneeschaufeln, 2011 folgten Kehrbesen. Während der Messe 2010 sollen die sperrigen Geräte im Gedränge für einige unfreiwillige Zusammenstöße gesorgt haben, bei denen Messebesucher mit den Schaufeln versehentlich andere Besucher trafen. Vor allem das Flughafenpersonal dürfte sich gefreut haben. Denn der Legende nach scheiterte der Versuch mancher Messebesucher, ihre Schneeschaufeln im Handgepäck mitzunehmen, an der Sicherheitskontrolle. Dort sollen sich anschließend die zurückgelassenen Schaufeln gestapelt haben. Inzwischen wurden die Teilnahmebedingungen entsprechend angepasst. Sperrige Werbegeschenke wie Schneeschaufeln, Besen oder Klappstühle sind seither ausdrücklich untersagt.
Solche Aktionen bleiben natürlich in Erinnerung. Selbst nach 15 Jahren spricht man noch darüber. Aus Marketingsicht ist das durchaus bemerkenswert.
Aber rechtfertigt ein hoher Erinnerungswert tatsächlich jeden Aufwand?
Nachhaltigkeit beginnt bei der Herstellung
Ein vollständiges Verbot von Werbeartikeln dürfte kaum durchsetzbar sein. Und vielleicht wäre eine solche Forderung auch etwas zu dogmatisch.
Trotzdem sollte man sich vor der Bestellung einige Fragen stellen: Aus welchen Materialien bestehen die Artikel? Unter welchen Arbeitsbedingungen werden sie hergestellt? Wie lang sind die Transportwege? Und vor allem: Wie lange werden sie tatsächlich genutzt?
Der berühmte Billig-Kuli, der nach zwei Wochen nicht mehr schreibt und im Müll landet, ist etwas anderes als ein hochwertiger Kugelschreiber, der jahrelang seinen Dienst verrichtet.
Und natürlich macht es auch die Masse.
Besonders kritisch sehe ich die zahlreichen Artikel aus erdölbasierten, teilweise schwer recycelbaren Kunststoffen. Viele davon werden in Fernost produziert, mit entsprechend langen Transportwegen und teils problematischen Arbeitsbedingungen.
Man kann nicht auf dem Podium über ESG-Kriterien philosophieren und anschließend am Messestand die Besucher mit Kunststoffartikeln überhäufen. Das wirkt auf mich zumindest etwas schräg.
Auch vermeintlich nachhaltige Werbemittel benötigen Rohstoffe und Energie. Entscheidend ist deshalb nicht allein das Material, sondern ebenso die Frage, ob der Gegenstand überhaupt gebraucht wird.
Was macht man mit zehn Kilo Kugelschreibern?
Einen Schreibwarenladen eröffnen?
Natürlich ist das überspitzt. Aber jeder, der regelmäßig Versicherungsmessen besucht, kennt die vollgestopften Messetaschen.
Prospekte, Broschüren, Flyer und allerlei Werbeartikel werden durch die Hallen geschleppt. Vieles davon verschwindet später in Schubladen oder landet irgendwann im Müll.
Dabei lassen sich Produktinformationen längst digital bereitstellen. Ein QR-Code genügt häufig, um Unterlagen abzurufen, die sich bei Bedarf sogar aktualisieren lassen.
Und seien wir ehrlich: Ein gutes Gespräch bleibt eher in Erinnerung als der hundertste Kugelschreiber.
Warum nicht einfach etwas Gutes tun?
Wer auf einen Teil seiner Werbeartikel verzichtet, spart Geld. Geld, das sich auch anders einsetzen ließe.
Denkt an die Tafel in eurer Gemeinde, das nächste Kinderhospiz, das örtliche Tierheim oder an Umweltschutzorganisationen und andere gemeinnützige Vereine.
Warum nicht einen festen Betrag pro Besucher spenden, der sich bewusst gegen ein Werbegeschenk entscheidet? Ein QR-Code am Messestand könnte über das unterstützte Projekt informieren.
Die Idee kam auch in der LinkedIn-Diskussion auf und gefällt mir ausgesprochen gut.
Niemand muss deshalb auf jede kleine Aufmerksamkeit verzichten. Aber vielleicht könnte man zumindest einen Teil des Werbemittelbudgets für etwas verwenden, das einen bleibenden Nutzen hat.
Mein Appell bleibt bestehen
Die DKM ist für mich lediglich der aktuelle Anlass. Mein Appell richtet sich ebenso an die Aussteller anderer Versicherungsmessen, Maklertage, Kongresse und Branchenveranstaltungen.
Ich möchte niemandem seine Werbegeschenke verbieten. Und selbstverständlich darf sich auch die Plüschtierfraktion weiterhin über ihre Lieblinge freuen.
Aber ich wünsche mir, dass wir als Branche etwas bewusster mit unseren Ressourcen umgehen. Weniger Masse, mehr Qualität und vor allem mehr Nachdenken darüber, was wir eigentlich produzieren lassen und verteilen.
Vielleicht stehe ich mit meiner Forderung am Ende ziemlich allein da. Vielleicht entwickelt sich daraus aber auch ein Umdenken.
Ich bin jedenfalls froh, diesen Gedanken öffentlich zur Diskussion gestellt zu haben. Und ich möchte meinen Appell ausdrücklich aufrechterhalten.
Liebe Aussteller, lasst den Werbemüll zu Hause!
Lasst es uns tun. Lasst uns Haltung zeigen!

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