Sternstunden des Finanzjournalismus

September 2026: Die Versicherungsbranche hatte wieder viel zu berichten. Über Regulierung, Übernahmen, Tarife, Schäden und Märkte. Und über Quasselstrippen. Wir haben die besonderen journalistischen Momente des Monats gesammelt.

Es gibt Artikel, die verändern den Blick auf eine Branche.

Es gibt Artikel, die erklären komplizierte Zusammenhänge.

Und dann gibt es Artikel, bei denen man sich fragt, ob die Redaktion kurz unbeaufsichtigt war.

Genau um diese Beiträge geht es künftig einmal im Monat.

Keine Rangliste, kein Pranger, keine Punkte von eins bis zehn. Einfach ein paar journalistische Fundstücke, die uns beim Lesen hängen geblieben sind. Mal wegen einer Erkenntnis, für die man nicht zwingend eine Studie gebraucht hätte. Mal wegen eines Versicherungsbezugs, der nur unter erschwerten Bedingungen auffindbar ist. Und manchmal, weil offenbar noch irgendwo Platz auf der Startseite war.

Willkommen bei den Sternstunden des Finanzjournalismus.

31. August: Endgegner Quasselstrippe

Streng genommen beginnen unsere September-Sternstunden bereits am 31. August. Aber wegen eines Tages wollten wir dieses Stück journalistischer Gefahrenabwehr wirklich nicht liegen lassen.

Das VersicherungsJournal erklärte unter der Überschrift „Wie man Quasselstrippen freundlich ausbremst“, was zu tun ist, wenn ein Gesprächspartner einfach nicht aufhört zu reden.

Die Gegenmaßnahmen: Gesprächszeit begrenzen, weniger nicken, freundlich unterbrechen und klare Signale setzen.

Wenn das alles nichts hilft, bleibt noch die Eskalationsstufe:

Aufstehen.

Damit verfügt die Versicherungsbranche nun endlich über ein belastbares Verfahren für Situationen, in denen Sprache, Körpersprache und menschliche Geduld vollständig versagt haben.

Ob bei besonders schweren Fällen auch das Verlassen des Gebäudes empfohlen wird, blieb offen.

Originalartikel beim VersicherungsJournal:
Wie man Quasselstrippen freundlich ausbremst

2. September: Versicherungen, Eltern und die große Liebe

Der Versicherungsbote beschäftigte sich am 2. September mit finanzieller Unabhängigkeit.

Grundlage war eine Umfrage der Soziallotterie freiheit+. Gefragt wurde unter anderem, wer finanzielle Unterstützung aus der Familie erhält, wofür dieses Geld verwendet wird und welche Rolle finanzielle Abhängigkeit bei der Partnerwahl spielt.

Der Weg zur Versicherungsbranche war vorhanden.

Man musste nur ein Stück laufen.

17 Prozent derjenigen, die Unterstützung erhalten, verwenden das Geld laut Umfrage auch für Versicherungen.

Damit war die Brücke gebaut.

Nicht besonders breit. Aber sie hielt.

Richtig interessant wird es bei der Liebe: 50,4 Prozent der Befragten könnten sich demnach keine Beziehung mit jemandem vorstellen, der regelmäßig Geld von seinen Eltern bekommt.

Wir halten fest:

Wer seine Versicherungen selbst bezahlt, verbessert möglicherweise nicht nur seinen Versicherungsschutz, sondern auch seine Chancen auf dem Partnermarkt.

Ob Tinder künftig neben Alter, Entfernung und Hobbys auch nach finanzieller Unabhängigkeit filtert, ist noch nicht bekannt.

Originalartikel beim Versicherungsboten:
Finanzielle Unabhängigkeit: Viele Deutsche sind auf ihre Familie angewiesen

3. September: Durchbruch bei der E-Mail

Nur einen Tag später gelang dem VersicherungsJournal der nächste große Erkenntnissprung.

Die Frage:

Wie schreibt man E-Mails, die tatsächlich gelesen und beantwortet werden?

Die Antworten haben es in sich.

Eine klare Betreffzeile hilft. Kurze und verständliche Sätze sind sinnvoll. Der Empfänger sollte erkennen können, worum es geht. Und vor dem Absenden darf man die Nachricht sogar noch einmal lesen.

Damit scheint sich ein jahrzehntelanger Verdacht zu bestätigen:

Verständliche E-Mails werden offenbar besser verstanden als unverständliche.

Die Forschung ist also weiter als gedacht.

Bis sich diese Erkenntnis flächendeckend durchsetzt, bleibt allerdings das bewährte deutsche Büroverfahren erhalten:

Betreff: „Info“

Text: 14 Absätze.

Eigentliche Frage: Satz 73.

Anhang: vergessen.

Originalartikel beim VersicherungsJournal:
So verfasst man E-Mails, die auch gelesen und beantwortet werden

11. September: Gemeinsam posten funktioniert gemeinsam

Pfefferminzia widmete sich am 11. September dem sogenannten Collab-Post.

Dabei veröffentlichen mehrere Beteiligte gemeinsam einen Beitrag. Das kann dafür sorgen, dass der Inhalt auf mehreren Profilen sichtbar wird und mehrere Netzwerke erreicht.

Für Social-Media-Einsteiger ist das durchaus nützlich.

Für alle anderen lässt sich die zentrale Erkenntnis etwas kürzen:

Wenn mehrere Menschen etwas zeigen, sehen es möglicherweise mehr Menschen.

Das Internet überrascht uns immer wieder.

Besonders bemerkenswert: Gemeinsame Veröffentlichungen können gemeinsame Reichweite erzeugen.

Wir bleiben an diesem Phänomen dran.

Sollte sich herausstellen, dass ein Beitrag sogar noch mehr Menschen erreicht, wenn er zusätzlich geteilt wird, könnte eine weitere journalistische Aufarbeitung erforderlich werden.

Originalartikel bei Pfefferminzia:
Gemeinsam posten: Was Collab-Posts wirklich bringen

15. September: Sensation – Unternehmer wollen entscheiden

AssCompact sorgte am 15. September für Gewissheit in einer Frage, die die Branche offenbar lange beschäftigt hatte.

Die Überschrift:

„Für Makler ist Unternehmertum der Kern ihrer Unabhängigkeit.“

85 Prozent der Befragten verbinden Unabhängigkeit mit unternehmerischer Entscheidungsfreiheit. 75 Prozent nennen die Unabhängigkeit von Versicherern.

Damit steht fest:

Unternehmer legen Wert darauf, unternehmerische Entscheidungen treffen zu können.

Das muss man erst einmal sacken lassen.

Jahrzehntelang blieb schließlich die Frage offen, ob Selbstständige nicht insgeheim darauf hoffen, möglichst wenig selbst entscheiden zu dürfen.

Die Forschung schafft hier endlich Klarheit.

Als nächste Studienfelder bieten sich an:

Versicherte mit Schaden neigen zur Schadenmeldung.

Unternehmen mit Mitarbeitern haben oft Personalkosten.

Klingelnde Telefone führen bei Versicherern nicht zwingend zur Gesprächsannahme.

Originalartikel bei AssCompact:
Für Makler ist Unternehmertum der Kern ihrer Unabhängigkeit

21. September: Viel Arbeit? Das Wichtige zuerst

Am 21. September wurde es beim VersicherungsJournal noch einmal praktisch.

Zum Jahresende wird es bei Maklern voll. Kfz-Wechselgeschäft, Vertragsverlängerungen, Kundentermine und die Planung fürs neue Jahr konkurrieren um Zeit.

Was also tun?

Priorisieren.

Fristen beachten. Wichtiges zuerst erledigen. Dinge, die bis Januar warten können, bis Januar warten lassen.

Oder anders gesagt:

Wenn zu viel Arbeit da ist, sollte man nicht alles gleichzeitig machen.

Ein Satz mit Sprengkraft.

Sollte sich zusätzlich bestätigen, dass Aufgaben schneller fertig werden, wenn man irgendwann damit anfängt, könnte das Geschäftsmodell ganzer Produktivitätsseminare unter Druck geraten.

Bis dahin gilt:

Wer viel auf dem Tisch hat, sollte zuerst das Wichtige erledigen.

Wer nichts auf dem Tisch hat, hat entweder Urlaub.

Oder ein ganz anderes Problem.

Originalartikel beim VersicherungsJournal:
Zu viel auf dem Tisch: Wie Makler das Jahresendgeschäft sinnvoll priorisieren

Die Erkenntnisse des Monats

Damit wissen wir nach diesem September:

Quasselstrippen lassen sich notfalls durch Aufstehen bekämpfen.

Verständliche E-Mails werden möglicherweise besser verstanden.

Mehrere Menschen können gemeinsam mehr Menschen erreichen.

Unternehmer möchten selbst entscheiden.

Und bei viel Arbeit hilft es, die Arbeit zu sortieren.

Es war ein starker Monat.

Ein Monat voller Erkenntnisse, ohne die wir fachlich vermutlich völlig orientierungslos in den Oktober gestolpert wären.

Ende Oktober schauen wir wieder nach, welche Sternstunden des Versicherungsjournalismus uns bis dahin begegnet sind.


Entdecke mehr von Sachthemen.blog

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Wöchentlicher Newsletter

Einmal pro Woche erhältst du die wichtigsten Artikel und Einordnungen redaktionell zusammengestellt.

Für den Newsletter anmelden
Artikel teilen: LinkedIn · Facebook · WhatsApp · E-Mail

Diskutiere mit

Deine Meinung ist uns wichtig!

Entdecke mehr von Sachthemen.blog

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen