Brancheninitiative bessergrün gründet einen Verein

Der 16. September war für mich und den Sachthemen-Blog ein besonderer Tag. In Neuharlingersiel wurde der bessergrün e. V. gegründet – und ich durfte als Gründungsmitglied dabei sein. Danach ging es raus auf die Nordsee. Zum Geisternetze-Fischen. Zwei Termine, ein gemeinsamer Gedanke: Nicht nur darüber reden, was man tun müsste. Sondern machen.

Tun ist wie Wollen, bloß krasser

Die bessergrün GmbH steht schon seit Jahren für konkrete Umweltprojekte. Dazu gehören vor allem Aufforstungen auf unterschiedlichen Flächen. Mehr als 250.000 Bäume wurden bereits gepflanzt.

Nun kommt der bessergrün e. V. hinzu. Am 16. September haben wir den Verein in Neuharlingersiel gegründet. Ich freue mich, eines der Gründungsmitglieder zu sein. Der Verein schafft eine weitere Möglichkeit, sich ganz unmittelbar einzubringen. Als Mitglied, Fördermitglied, mit Ideen oder mit persönlichem Einsatz. Ein gemeinsamer Raum für Menschen, die etwas bewegen wollen.

Dabei geht es nicht darum, mit großen Worten die Welt zu retten. Umwelt- und Naturschutz beginnen auch vor der eigenen Haustür. Kleine Projekte, regionale Ideen, Menschen, die anpacken. Wenn viele an vielen Orten etwas tun, wird aus vielen kleinen Schritten irgendwann eine ziemlich große Sache.

Und genau dafür wollen wir weitere Menschen gewinnen.

Wenn alte Netze einfach weiterfischen

Auch die Bergung von Geisternetzen in der Nordsee gehört zu den Aktionen von bessergrün.

Geisternetze sind verlorene oder aufgegebene Fischernetze. In der Fischerei können Netze etwa dann verloren gehen, wenn sie sich unter Wasser an Hindernissen festsetzen, bei starkem Seegang beschädigt werden oder Teile der Fanggeräte beim Einholen abreißen.

Das Problem: Viele bestehen aus Kunststoff und bleiben über Jahre im Meer. Sie fangen weiter, obwohl niemand mehr nach ihnen schaut. Fische, Krebse, Seevögel und Meeressäuger können sich darin verfangen und verenden. Gleichzeitig zerfallen die Netze zu Mikroplastik. Das kann von Meerestieren aufgenommen werden und über Fisch und Meeresfrüchte auch in unsere Nahrungskette gelangen. Ist das Mikroplastik erst einmal im Meer, lässt es sich zudem kaum noch gezielt und zuverlässig wieder entfernen.

Die Stars sind die Taucher

Seit 2022 werden im Rahmen des Projekts „Geisternetze Ostfriesland“ verlorene Fischernetze aus der Nordsee geborgen. Partner dabei ist Ghost Diving Germany. Der Verein besteht aus speziell ausgebildeten technischen Taucherinnen und Tauchern, die sich ehrenamtlich der Bergung solcher Netze widmen. Die eigentlichen Stars dieser Aktion sind für mich diese Taucher. Ohne sie läuft nichts. Sie gehen hinunter, arbeiten unter schwierigen Bedingungen und tragen dabei letztlich das Risiko an Leib und Leben. Entsprechend wurde während der gesamten Aktion immer wieder deutlich: Das Taucherteam steht im Mittelpunkt. Und das völlig zu Recht.

Schon die Anreise zum Einsatzgebiet ist herausfordernd. Die Taucher gelangen mit schnellen Schlauchbooten zur Einsatzstelle. Auf den Wellen können die Boote ordentlich springen – für die erfahrenen Taucher durchaus ein Teil des Spaßes, zugleich aber eine ruppige und wenig komfortable Anfahrt. Festhalten gehört dazu. Begleitet werden die Taucher von weiteren Schiffen, etwa dem Fischkutter Möwe. Sie unterstützen den Einsatz vor Ort und nehmen die geborgenen Netze entgegen, um sie anschließend an Land zu bringen.

Was sich zunächst recht einfach anhört, ist unter Wasser harte Arbeit – und alles andere als ungefährlich.

Die südliche Nordsee bietet dafür denkbar schlechte Bedingungen. Wind, Wellengang, starke Strömungen und die Gezeiten bestimmen, wann überhaupt getaucht werden kann. Unter Wasser kommt eine miserable Sicht hinzu. Die Taucher arbeiten an Schiffswracks in gut 20 Metern Tiefe und haben wegen der Tide nur ein begrenztes Zeitfenster.

Allein die Ausrüstung kann dabei bis zu 50 Kilogramm wiegen. Bei anderen, tieferen Einsätzen von Ghost Diving sind es sogar deutlich mehr. Gearbeitet wird grundsätzlich in Teams. Am Wrack müssen die Netze zunächst gefunden werden – was bei schlechter Sicht und Bewuchs schon schwierig genug ist. Anschließend werden sie Stück für Stück mit Messern und Bolzenschneidern gelöst. Einfach daran zu ziehen, ist keine Option. Die Taucher müssen darauf achten, weder sich selbst im Netz zu verfangen noch das Wrack unnötig zu beschädigen.

Sind Teile des Netzes freigeschnitten, kommen Hebesäcke zum Einsatz. Sie werden am Netz befestigt und unter Wasser mit Luft gefüllt. Der Auftrieb bringt das Material an die Oberfläche. Dort übernehmen Helfer und Begleitschiffe die Netze. Anschließend werden sie an Land gebracht, getrocknet und – soweit möglich – recycelt oder anderweitig verwertet.

Das alles leisten die Taucher von Ghost Diving Germany ehrenamtlich.

Und genau dieser Punkt gehört für mich zu dieser Geschichte dazu. Wir standen auf den Begleitschiffen und konnten beobachten, was dort passiert. Die eigentliche Arbeit aber leisten Menschen, die unter Bedingungen abtauchen, unter denen die meisten von uns vermutlich schon beim Blick über die Bordwand dankend abwinken würden.

Nicht immer gleich die ganze Welt retten

Mancher mag darüber lächeln und fragen: Was verändert so eine Aktion schon im großen Ganzen? Ich sage: eine ganze Menge. Denn sie holt das Thema aus der Theorie, schafft Verständnis und vor allem Haltung bei denen, die selbst mit anpacken. Aus Zuschauern werden Beteiligte.

Ausreden, warum man etwas nicht tun kann, gibt es immer. Besser ist, etwas zu tun. Für mich schließt sich an diesem Tag ein Kreis. Bäume pflanzen. Geisternetze bergen. Menschen zusammenbringen, die in ihrer Region etwas bewegen wollen. Nicht jedes Projekt muss riesig sein. Nicht jeder Einzelne muss die Lösung für den weltweiten Klimawandel oder sämtliche Umweltprobleme kennen.

Man kann auch einfach anfangen.

Vielleicht mit einem Baum. Mit einer regionalen Aktion. Mit ein paar Stunden eigener Zeit. Mit einer Idee. Oder mit der Unterstützung derjenigen, die bereits etwas auf die Beine stellen.

Der neu gegründete bessergrün e. V. soll genau dafür eine Plattform sein. Und natürlich freuen wir uns über Menschen, die dabei sein wollen – als Mitglied, Fördermitglied oder einfach mit Lust darauf, etwas Konkretes zu bewegen.

Mein Motto dazu dürfte inzwischen bekannt sein:

Tun ist wie Wollen, bloß krasser.

Du möchtest Mitglied im bessergrün e. V. werden? Hier geht es zum Mitgliedsantrag.


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