Swiss Life veröffentlichte am Dienstag, 1. September 2026, seine Halbjahreszahlen. Der Reingewinn stieg um 8 Prozent auf 649 Millionen Schweizer Franken, der Betriebsgewinn erreichte 967 Millionen Franken und legte in lokaler Währung ebenfalls um 8 Prozent zu. Die Prämieneinnahmen erhöhten sich währungsbereinigt um 3 Prozent auf 12,3 Milliarden Franken.
Auch die Kapitalausstattung ist ausgesprochen komfortabel. Die geschätzte SST-Quote liegt bei rund 215 Prozent. SST steht für „Swiss Solvency Test“ und ist vereinfacht gesagt das Schweizer Gegenstück zur aufsichtsrechtlichen Solvenzbetrachtung. Swiss Life selbst hat für sein Unternehmensprogramm „Swiss Life 2027“ einen Zielbereich von 140 bis 190 Prozent definiert.
Parallel kündigte der Konzern ein weiteres Aktienrückkaufprogramm über 250 Millionen Franken an.
Rund 600 Stellen sollen weg
Von einer wirtschaftlichen Schieflage kann also kaum die Rede sein. Trotzdem will Swiss Life bis Ende 2028 rund 600 Stellen abbauen.
Konzernchef Matthias Aellig stellte den Schritt bei der Veröffentlichung der Halbjahreszahlen ausdrücklich in den Zusammenhang mit einer höheren Effizienz. Swiss Life wolle auch über 2027 hinaus nachhaltig wachsen. Dazu gehöre, so Aellig,
„unsere Position und unsere Effizienz – auch mit den Möglichkeiten der fortschreitenden Digitalisierung – stärken“.
Direkt anschließend wird er konkret:
„In diesem Zusammenhang werden wir bis Ende 2028 rund 600 Stellen abbauen.“
Das ist zumindest eine ziemlich klare Verbindung zwischen Digitalisierung, Effizienz und geringerem Personalbedarf. Ob und in welchem Umfang dabei KI oder andere Formen der Automatisierung konkret Arbeitsplätze ersetzen, ist bislang offen.
McKinsey, Backoffice und weniger Mitarbeiter
Überraschend kommt der Stellenabbau allerdings nicht.
Bereits am 13. März 2026 berichtete das Schweizer Finanzportal Inside Paradeplatz unter der Überschrift „Swiss Life setzt Job-Messer an: Vollbremsung im Backoffice“ über ein Sparprogramm. Nach Informationen des Portals hatte Swiss Life die Unternehmensberatung McKinsey ins Haus geholt. Untersucht würden die Abläufe am Hauptsitz am Zürcher Mythenquai und insbesondere im Backoffice im Binz-Quartier.
Ein Unternehmenssprecher erklärte:
„Swiss Life Schweiz hat sich das Ziel gesetzt, ihre starke Marktposition weiter auszubauen und auch in Zukunft profitabel zu wachsen.“
Dazu würden Organisation, Prozesse sowie Ressourcen- und Personaleinsatz regelmäßig überprüft. Noch deutlicher wurde Swiss Life beim Personal. Das Management erwarte, „punktuell weniger Mitarbeitende“ zu beschäftigen, „wobei dies primär den Innendienst betrifft“.
Und:
„Wir besetzen offene Stellen im Innendienst nur noch sehr selektiv.“
Wo und in welchem Umfang über die normale Fluktuation hinaus Stellen abgebaut werden müssten, sei damals noch Gegenstand der Analyse gewesen. Swiss Life kündigte gegenüber Inside Paradeplatz an, im dritten Quartal 2026 Klarheit über konkrete Maßnahmen zu haben.
Diese Klarheit gibt es nun zumindest bei der Größenordnung: rund 600 Stellen.
Die ersten 100 Stellen sind bereits weg
Der Personalabbau beginnt auch nicht erst irgendwann in den kommenden beiden Jahren. Durch eine selektivere Besetzung offener Positionen seien bereits rund 100 Stellen reduziert worden, teilt Swiss Life mit. Nur ein Teil des weiteren Abbaus soll über natürliche Fluktuation erfolgen. Bis Ende 2026 erwartet Swiss Life weitere rund 100 wegfallende Stellen.
Fallen auch in Deutschland Stellen weg?
Für den deutschen Markt ist genau das die entscheidende Frage. Von den 600 Stellen entfallen nach Angaben von Swiss Life ungefähr 300 auf Swiss Life Schweiz. Weitere rund 300 Stellen sollen bei Swiss Life Asset Managers wegfallen – vor allem außerhalb der Schweiz. Swiss Life Deutschland selbst wird in der Mitteilung nicht als vom Stellenabbau betroffene Einheit genannt. Damit ist Deutschland aber noch nicht komplett aus dem Spiel. Swiss Life Asset Managers ist auch hierzulande mit mehreren Gesellschaften und Standorten vertreten.
Ein Stellenabbau in Deutschland ist demnach nicht bestätigt – ausgeschlossen ist er nach den bislang veröffentlichten Angaben aber ebenfalls nicht.
Blick auf das Deutschlandgeschäft
Wirtschaftlich läuft es hierzulande ordentlich. Die Prämieneinnahmen stiegen um 3 Prozent auf 777 Millionen Euro.
Das Fee-Ergebnis erhöhte sich um 6 Prozent auf 85 Millionen Euro. Dahinter steckt das Ergebnis aus dem provisions- und gebührenbasierten Geschäft, beispielsweise aus Beratung und Vermittlung. Swiss Life führt den Anstieg ausdrücklich auf höhere Kommissionserträge zurück.
Das Segmentergebnis stieg um 4 Prozent auf 125 Millionen Euro. Dies ist die Ergebnisgröße, mit der Swiss Life innerhalb seiner Konzernrechnung den wirtschaftlichen Erfolg des gesamten Geschäftssegments Deutschland misst.
Und schließlich erhöhte sich der Cash-Transfer an die Holding von 102 auf 166 Millionen Euro. In den 166 Millionen Euro steckt allerdings eine Sonderdividende von 60 Millionen Euro, die Swiss Life mit einer Optimierung der Rechtsstruktur begründet.
Die zum 1. Juli 2026 abgeschlossene Übernahme der TELIS-Gruppe ist in diesen Halbjahreszahlen noch nicht enthalten.
Mein Kommentar
Eine bemerkenswerte Kombination: 649 Millionen Franken Reingewinn, mehr als 20 Prozent Eigenkapitalrendite, eine Solvenzquote von rund 215 Prozent, weitere 250 Millionen Franken für Aktienrückkäufe – und 600 Stellen, die verschwinden sollen.
Als ich in der Vorgeschichte dann noch den Namen McKinsey las, war für mich das Bild zumindest schon ziemlich rund. Diese Firma macht ihren Job gut und arbeitet gründlich.
Eines muss man Swiss Life allerdings lassen: Der Stellenabbau wurde gemeinsam mit den guten Zahlen ziemlich klar und unmissverständlich auf den Tisch gelegt. Ohne große Umschweife und ohne allzu viel Gefühlslyrik. Das ist dann aber auch schon das einzig Positive, das mir dazu einfällt.
Vielleicht bekommen wir hier gerade einen ziemlich unverstellten Eindruck davon, wohin ein Teil jener Effizienzgewinne führen kann, die uns seit Jahren mit zunehmender Digitalisierung und inzwischen verstärkt mit Künstlicher Intelligenz in Aussicht gestellt werden. Wenn Prozesse immer stärker automatisiert werden und immer weniger menschliche Arbeit benötigen, wird irgendwann eben auch die Frage gestellt, warum man weiterhin genauso viele Menschen beschäftigen sollte.
Noch schluckt man bei einer Meldung wie dieser. 600 Stellen weniger bei einem Konzern, der gleichzeitig hervorragende Zahlen präsentiert, sind schließlich eine Ansage.
Ich fürchte allerdings, dass uns solche Nachrichten in nicht allzu ferner Zukunft deutlich weniger überraschen werden. Nicht weil sie weniger einschneidend wären, sondern weil sie vermutlich häufiger werden. Vielleicht gehören sie irgendwann schlicht zum normalen Begleitprogramm der digitalen Transformation.
Denn Effizienz kennt keine Sentimentalitäten. Und Effizienz hat in der Betriebswirtschaft am Ende immer recht.
Und die Menschen, deren Arbeit dadurch überflüssig wird?
Ach, die werden schon etwas Neues finden. Oder?

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