Die Versicherung besteht seit 2022 und war nach Angaben von TNC die erste Korallenriff-Versicherung dieser Art in den USA. Entwickelt wurde das Modell gemeinsam mit dem Versicherungsmakler und Risikoberater WTW. Risikoträger ist Munich Re.
Versichert sind Korallenriffe rund um die acht Hauptinseln Hawaiis. Die Deckung reagiert nicht auf einen nachträglich festgestellten und bezifferten Sachschaden, sondern auf vorher definierte Parameter. Maßgeblich sind insbesondere die Windgeschwindigkeit eines tropischen Wirbelsturms und dessen Entfernung zu den versicherten Riffgebieten.
Lala erreichte rund 80 mph, also etwa 69,5 Knoten beziehungsweise 129 km/h, und lag damit deutlich über dem 50-Knoten-Schwellenwert der Police. Pro Sturm wären maximal eine Million Dollar möglich, insgesamt zwei Millionen Dollar innerhalb der Versicherungsperiode.
Die Auszahlung erfolgte weniger als eine Woche nach dem Sturm, obwohl die Schäden an den Riffen zu diesem Zeitpunkt noch nicht vollständig erfasst waren.
Schäden an 19 Meilen Küstenabschnitt werden untersucht
Nach Angaben von Hawaii News Now untersuchen Teams derzeit einen rund 19 Meilen langen Abschnitt vor der Kona-Küste. Der Bereich reicht vom Old Kona Airport bei Kailua-Kona im Norden bis Kealakekua weiter südlich.
Erste Untersuchungen zeigen erhebliche Schäden in einzelnen Bereichen. Betroffen sind vor allem Abschnitte, die dem durch Lala verursachten starken Wellengang besonders ausgesetzt waren.
Die Versicherungsleistung soll unter anderem für die Beseitigung von Trümmern und die Wiederbefestigung abgebrochener Korallen eingesetzt werden. Über die konkrete Verwendung entscheidet TNC gemeinsam mit dem Hawaiʻi Emergency Reef Restoration Network, in dem staatliche Stellen, Wissenschaftler, gemeinnützige Organisationen und lokale Gruppen zusammenarbeiten.
Abgebrochene Korallen werden wieder befestigt
Die Reparatur beschädigter Korallenriffe ist auf Hawaii bereits erprobt. Noch lebensfähige, durch Wellengang oder Stürme abgebrochene Korallen können von Tauchern geborgen und wieder am Riff befestigt werden.
Nach starkem Wellengang wurden beispielsweise in der Kahuwai Bay auf Hawaii Island Ende 2025 mehrere Hundert abgebrochene oder umgestürzte Korallenkolonien geborgen und wieder befestigt.
Schnelles Handeln ist dabei wichtig. Lose Korallen können absterben, wenn sie längere Zeit ungeschützt auf dem Meeresboden liegen. Zudem können sie bei erneutem starken Wellengang weitere Schäden am Riff verursachen.
Gerade hier zeigt sich der praktische Vorteil der parametrischen Deckung: Mittel für Taucher, Boote und Reparaturmaßnahmen stehen bereits zur Verfügung, während die vollständige Schadenaufnahme noch läuft.
Auch gezüchtete Korallen können eingesetzt werden
Hawaii verfügt darüber hinaus über eigene Programme zur Korallenaufzucht. In der Hawaiʻi Coral Restoration Nursery auf Oʻahu werden kleine Korallen unter kontrollierten Bedingungen herangezogen und später in beschädigte oder degradierte Riffe eingesetzt.
Für die aktuell durch Lala beschädigten Riffbereiche ist bislang allerdings nicht bestätigt, dass die Versicherungsleistung auch für solche Nachpflanzungen verwendet wird.
Parametrische Deckung statt klassischer Schadenregulierung
Bei einer klassischen Schadenversicherung müsste zunächst festgestellt werden, welche Schäden tatsächlich entstanden sind und welche Kosten für die Wiederherstellung anfallen. Bei einem großflächigen Korallenriff wäre eine solche Schadenaufnahme aufwendig und zeitintensiv.
Die parametrische Versicherung setzt deshalb auf vorher festgelegte Schwellenwerte. Werden diese erreicht, wird eine definierte Summe unmittelbar ausgezahlt.
Der Vorteil ist die schnelle Liquidität. Gleichzeitig bleibt das für parametrische Deckungen typische Basisrisiko bestehen: Der tatsächliche Schaden kann höher oder niedriger ausfallen als die aufgrund des Parameters gezahlte Entschädigung.
Versicherung natürlicher Infrastruktur
Korallenriffe erfüllen neben ihrer ökologischen Funktion auch eine wirtschaftliche Schutzfunktion. Sie reduzieren die Energie von Wellen und tragen damit zum Schutz von Küsten, Gebäuden und Infrastruktur bei.
Die Versicherung ersetzt dabei nicht den wirtschaftlichen Gesamtwert des Riffs. Dieser wäre wohl auch schwer zu bemessen. Sie soll kurzfristig Mittel bereitstellen, um nach schweren Sturmereignissen mit der Wiederherstellung beginnen zu können.
Ähnliche Modelle gibt es bereits in anderen Regionen. In Quintana Roo in Mexiko wurde 2019 eine vergleichbare Versicherung für Korallenriffe und Strände eingeführt. Nach Hurrikan Delta kam es dort 2020 zu einer Auszahlung von knapp 850.000 Dollar.
In Hawaii zeigt sich nun erstmals, wie das Modell im Schadenfall funktioniert: Die Schäden werden noch untersucht, die Mittel für erste Maßnahmen stehen bereits zur Verfügung.

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