Wer in den vergangenen Jahren seine Beitragsrechnungen verfolgt hat, dürfte ohnehin eine andere Erfahrung gemacht haben. Nach Berechnungen von Verivox lagen die Preise für Kfz-Versicherungen im April 2025 im Durchschnitt rund 50 Prozent höher als drei Jahre zuvor. Allein gegenüber 2024 ging es noch einmal um 16 Prozent nach oben. In der Vollkasko waren es sogar 17 Prozent.
Der Grund dafür liegt nicht unbedingt auf der Straße. Er steckt inzwischen ziemlich häufig im Auto.
Wenn ein kleiner Rempler plötzlich 5.000 Euro kostet
Der ADAC hat Anfang 2026 untersucht, was typische Reparaturen bei aktuellen Fahrzeugen kosten. Dabei ging es unter anderem um Front- und Heckschäden sowie den Austausch einer Windschutzscheibe.
Beim VW Golf beziffert der ADAC einen Heckschaden auf 4.952,52 Euro. Ein Frontschaden kommt auf 5.311,81 Euro. Selbst der Austausch der Windschutzscheibe schlägt mit 2.473,99 Euro zu Buche.
Und der Golf ist keineswegs ein besonders exotisches Beispiel.
Beim BMW 330e kostet der untersuchte Frontschaden laut ADAC 7.828,72 Euro. Beim Volvo XC60 sind es 5.923,49 Euro, beim Mercedes C200 5.902,40 Euro. Ein Heckschaden am Toyota Corolla kommt auf 5.149,96 Euro.
Das Problem sind längst nicht mehr nur Blech, Lack und Arbeitszeit. In modernen Stoßfängern, Scheiben und anderen Fahrzeugteilen sitzen Kameras, Radar- und Ultraschallsensoren. Nach einer Reparatur reicht es deshalb nicht immer, ein beschädigtes Bauteil auszutauschen. Sensoren müssen geprüft, eingestellt oder neu kalibriert werden. Aus einem eigentlich überschaubaren Parkrempler kann so eine erstaunlich umfangreiche Werkstattrechnung werden.
Und genau diese Rechnungen landen am Ende bei den Kfz-Versicherern.
Zwei ziemlich teure Jahre für die Kfz-Versicherer
2023 lag die Combined Ratio in der Kraftfahrtversicherung bei rund 111 Prozent. Vereinfacht gesagt: Für 100 Euro Beitrag standen mehr als 111 Euro für Schäden und Kosten auf der anderen Seite der Rechnung.
2024 waren es noch 104 Prozent. Erst 2025 schaffte es die Branche wieder unter die 100-Prozent-Marke. Die Kfz-Versicherer verdienten damit versicherungstechnisch erstmals seit mehreren Jahren wieder Geld.
Besonders üppig fällt die Marge allerdings nicht aus. Eine Combined Ratio von rund 96 oder 97 Prozent bedeutet vereinfacht, dass von 100 Euro Beitrag versicherungstechnisch gerade einmal drei bis vier Euro übrig bleiben. Und Versicherer kalkulieren nicht für ein einzelnes gutes Schadenjahr. Sie müssen Schwankungen auffangen, ausreichend Kapital vorhalten und auch Jahre verkraften können, in denen Naturereignisse oder weiter steigende Reparaturkosten die Rechnung wieder verhageln. Nach zwei Jahren mit erheblichen versicherungstechnischen Verlusten wäre es deshalb auch etwas viel verlangt, wenn nach dem ersten wieder profitablen Jahr sofort die große Preissenkungsrunde beginnen würde.
2025 kam den Versicherern zudem ein vergleichsweise günstiger Schadenverlauf bei Naturereignissen entgegen. Der GDV beziffert die versicherten Naturgefahrenschäden an Kraftfahrzeugen für 2025 auf 650 Millionen Euro. 2024 waren es noch 1,2 Milliarden Euro.
Die schwarzen Zahlen sind also zurück. Ob sie bleiben, steht auf einem anderen Blatt.
Das Auto verhindert den Unfall – und verteuert den Schaden
Besonders interessant wird es beim Blick in die Zukunft. Der GDV hat untersucht, wie sich automatisiertes Fahren und moderne Assistenzsysteme bis 2040 auf die Schäden auswirken könnten. Die Zahl der Schäden könnte danach um 9 bis 14 Prozent sinken. Parkassistenten verhindern Rangierschäden. Notbremsassistenten reduzieren Auffahrunfälle. Andere Systeme greifen ein, bevor überhaupt etwas passiert. Nur wird aus weniger Schäden offenbar nicht automatisch eine entsprechend niedrigere Schadenrechnung.
Der GDV rechnet zwar ohne Inflation mit sechs bis zwölf Prozent niedrigeren Schadenleistungen. Gleichzeitig steigen aber die Reparaturkosten erheblich. Ersatzteile und Werkstattstunden sind nach Angaben des Verbandes im vergangenen Jahrzehnt im Durchschnitt um 3,7 Prozent pro Jahr teurer geworden.
Sollte sich diese Entwicklung fortsetzen, könnte der Schadenaufwand bis 2040 allein durch diese Kostenentwicklung um 64 bis 75 Prozent steigen.
Das ist schon eine bemerkenswerte Rechnung: Wir bauen Autos, die Unfälle immer besser verhindern können, und müssen gleichzeitig damit rechnen, dass die verbleibenden Schäden derart teuer werden, dass die Einsparungen wieder aufgefressen werden.
Ersatzteile laufen der allgemeinen Inflation davon
Wie weit sich die Kosten inzwischen von der allgemeinen Preisentwicklung entfernt haben, zeigt ein anderer Vergleich des GDV.
Seit 2015 sind die Preise für Kfz-Ersatzteile demnach um mehr als 80 Prozent gestiegen. Die allgemeinen Verbraucherpreise legten im selben Zeitraum um rund 30 Prozent zu. Natürlich bezahlt ein Versicherer nicht einfach einen Ersatzteilpreis. Zur Reparatur gehören Arbeitszeit, Lackierung, Diagnose, Kalibrierung und weitere Kosten. Aber wenn bereits die Teilepreise deutlich schneller steigen als die allgemeine Inflation, lässt sich das auf Dauer kaum aus den bestehenden Beiträgen auffangen.
Hinzu kommt die Konstruktion moderner Fahrzeuge. Was früher möglicherweise einzeln ausgetauscht oder repariert werden konnte, steckt heute teilweise in kompletten Baugruppen. Das kann die Produktion vereinfachen. Für denjenigen, der nach einem Unfall die Reparatur bezahlen muss, muss das nicht unbedingt von Vorteil sein.
Und dieser Jemand ist bei einem Kaskoschaden ziemlich häufig der Versicherer.
50 Prozent mehr Beitrag sind trotzdem nicht für jeden 50 Prozent mehr
Bei den Zahlen von Verivox sollte man allerdings genauer hinsehen. Die oft zitierte Steigerung von rund 50 Prozent bedeutet nicht, dass jeder Autofahrer innerhalb von drei Jahren tatsächlich 50 Prozent mehr für seinen bestehenden Vertrag bezahlt hat. Der Verivox-Kfz-Versicherungsindex basiert auf anonymisierten Tarifberechnungen von Nutzern des Vergleichsportals und bildet die Preisentwicklung für Versicherungswechsler ab. Dafür werden unter anderem Veränderungen innerhalb der Kundengruppen statistisch berücksichtigt. Die Aussage lautet also nicht: Jede Kfz-Versicherung in Deutschland wurde um 50 Prozent teurer.
An der grundsätzlichen Entwicklung ändert das wenig. Kfz-Versicherung ist deutlich teurer geworden und die Versicherer haben dafür nachvollziehbare Gründe.
Nach den kräftigen Tarifanpassungen der vergangenen Jahre dürfte der Wettbewerb trotzdem wieder eine größere Rolle spielen. Denn sobald einzelne Versicherer glauben, bestimmte Risiken günstiger zeichnen zu können als die Konkurrenz, werden sie versuchen, damit Geschäft zu machen. Kfz war schließlich schon immer eine Sparte, in der Marktanteile hart umkämpft wurden. Ob daraus wieder allgemein sinkende Beiträge werden, ist eine andere Sache. Denn selbst wenn moderne Autos immer häufiger verhindern, dass es überhaupt kracht, bleibt ein Problem bestehen:
Wenn es doch kracht, wird es verdammt teuer.

Deine Meinung ist uns wichtig!