Anzeichen für steigende PV-Brände in Großbritannien

Photovoltaikanlagen gelten grundsätzlich als sichere Technik. Doch neue Zahlen aus Großbritannien lassen dennoch aufhorchen.

Der Ausbau der Photovoltaik schreitet in Europa mit hohem Tempo voran. Doch zumindest in Großbritannien wächst offenbar auch die Zahl der Brände, bei denen Solaranlagen beteiligt sind, deutlich. Der Industrieversicherer QBE hat dazu Daten britischer Feuerwehren ausgewertet und am heutigen 10. August 2026 veröffentlicht.

Er kommt dabei zu einem bemerkenswerten Ergebnis. QBE ist ein großer international tätiger Versicherungs- und Rückversicherungskonzern mit Hauptsitz in Sydney. Die Gruppe ist in 26 Ländern aktiv, beschäftigt rund 13.200 Menschen und verbuchte 2025 Bruttoprämien von knapp 24 Milliarden US-Dollar.

Nach den von QBE im Februar 2026 über behördliche Auskunftsanfragen bei britischen Feuerwehren erhobenen Daten wurden britische Feuerwehren im Jahr 2025 zu 212 Bränden mit Beteiligung einer Photovoltaikanlage gerufen. 2022 waren es noch 91 Fälle. Das entspricht einem Anstieg von 133 Prozent. Die Zahl der installierten Anlagen erhöhte sich im gleichen Zeitraum von knapp 1,27 auf rund 1,93 Millionen und damit um 52 Prozent. Die Zahl der registrierten Brände nahm folglich deutlich schneller zu als die Zahl der Anlagen.

Zur Systematik

Die QBE-Auswertung erfasst Brände, bei denen Photovoltaikanlagen eine Rolle spielten. Dabei enthalten die Angaben der Feuerwehren teilweise auch Informationen darüber, welche Komponenten mit dem Brandgeschehen in Verbindung standen. Eine einheitliche technische Untersuchung sämtlicher Fälle, mit der die jeweilige Brandursache zweifelsfrei festgestellt wurde, liegt der Erhebung jedoch nicht zugrunde. Die QBE-Zahlen sind keine amtliche Vollerhebung des britischen Brandgeschehens. Der Versicherer hat die Daten über behördliche Auskunftsanfragen bei britischen Feuerwehren zusammengetragen. Hinzu kommt, dass Brände mit Beteiligung von Photovoltaikanlagen zumindest bei einzelnen Feuerwehren nicht als eigene standardisierte Einsatzkategorie erfasst werden und entsprechende Fälle teilweise erst über Freitextangaben identifiziert werden mussten. Die Zahlen eignen sich deshalb vor allem als Hinweis auf eine auffällige Entwicklung, nicht als vollständige Statistik sämtlicher britischer PV-Brände.

Adrian Simmonds, Risk Manager bei QBE Insurance, sagte:

„Solarenergie ist ein zentraler Baustein für die Zukunft sauberer Energie im Vereinigten Königreich, und QBE unterstützt ihren schnellen Ausbau ausdrücklich. Sicherheit und Risikominimierung müssen dabei jedoch oberste Priorität haben. Unsere Untersuchungen zeigen, dass die Zahl der Brände mehr als doppelt so schnell steigt wie die Zahl der installierten Anlagen. Gleichstromverkabelungen und Steckverbindungen sind dabei die häufigste Ursache. Zudem greifen die Brände häufig auf weitere Teile des Gebäudes über. Es ist offensichtlich, dass die Qualität der Installation und der Brandschutz mit dem Tempo des Ausbaus nicht Schritt halten. Eine fachgerechte Installation und Wartung von Solaranlagen sind entscheidend, um die Zahl der Brände zu reduzieren.“

Was bedeutet dies für deutsche Photovoltaikanlagen?

Ob möglicherweise Unterschiede bei Installationsqualität, Ausbildung oder Kontrolle den auffälligen britischen Anstieg mit erklären, lässt sich derzeit nicht belegen. Großbritannien verfügt ebenfalls über technische Standards und Zertifizierungssysteme für PV-Installationen. Auffällig ist allerdings, dass bereits eine von der britischen Regierung bereits im Jahr 2017 beauftragte Untersuchung Installationsfehler als wichtige Ursache von PV-Bränden identifizierte und Verbesserungen der Installationspraxis empfahl. Auch QBE nennt Installationsfehler als häufige Ursache. Ob solche Mängel in Großbritannien häufiger auftreten als in Deutschland, geben die verfügbaren Daten jedoch nicht her. Denn anders als in Großbritannien fehlt es hierzulande offensichtlich an entsprechenden Erhebungen.

Bemerkenswert im Blick auf Deutschland

Der deutsche PV-Markt ist wesentlich größer. Ende 2025 waren nach Angaben des Statistischen Bundesamtes knapp 4,8 Millionen Anlagen installiert; die Bundesnetzagentur beziffert die installierte Solarleistung auf rund 117 Gigawatt. Während QBE für Großbritannien bei knapp zwei Millionen Photovoltaikanlagen über behördliche Auskunftsanfragen bei Feuerwehren zumindest Anhaltspunkte dafür gewonnen hat, wie sich die Zahl der Brände mit Beteiligung von Photovoltaikanlagen entwickelt und welche Komponenten dabei auffällig werden, fehlt für Deutschland eine vergleichbare aktuelle Untersuchung. Ob auch hier die Zahl der PV-bezogenen Brände überproportional wächst, lässt sich deshalb derzeit nicht belastbar beantworten.

Kabel und Steckverbindungen besonders auffällig

Interessant für Versicherer und Schadenverhüter ist vor allem, welche Teile der Anlagen in den von QBE ausgewerteten Feuerwehrdaten besonders häufig im Zusammenhang mit den Bränden genannt werden. Für 2025 waren dies in 49 Fällen DC-Verkabelungen oder Steckverbinder, gegenüber 26 Fällen im Vorjahr. Solarmodule wurden in 36 Fällen genannt, Batteriespeicher in 23 und Wechselrichter in 19 Fällen.

Auch die Entwicklung bei Gewerbe- und Industriegebäuden ist für Versicherer interessant. Bei gewerblich genutzten Immobilien stieg die Zahl der von QBE erfassten Fälle innerhalb eines Jahres von 33 auf 48, bei Industriegebäuden von 6 auf 14. Gleichzeitig nahm die Zahl der Brände, die sich über die eigentliche Solaranlage hinaus ausbreiteten, zwischen 2022 und 2025 von 33 auf 88 zu.

Damit geht es aus Versicherungssicht nicht nur um den möglichen Schaden an einigen Solarmodulen. Greift ein Feuer auf Dach, Gebäude oder Betriebseinrichtung über, können aus einem zunächst begrenzten technischen Defekt erhebliche Sach- und gegebenenfalls Betriebsunterbrechungsschäden entstehen.

Wenn eine Steckverbindung zum Brandherd wird

Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei der Gleichstromseite einer Photovoltaikanlage. Die Deutsche Kommission Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (DKE) wies bereits im Jahr 2018 ausdrücklich darauf hin, dass beschädigte Steckverbindungen, erhöhte Übergangswiderstände oder miteinander verbundene, aber inkompatible Steckverbinder zur Entstehung von Lichtbögen und Bränden führen können

Bemerkenswert deutlich formuliert die DKE, dass das Zusammenstecken von DC-Steckverbindern unterschiedlicher Hersteller bereits „eine Vielzahl von Schäden und Bränden“ bei Photovoltaikanlagen verursacht habe. Nach den entsprechenden technischen Vorgaben sollen deshalb nur zueinander gehörende Steckverbinder desselben Herstellers miteinander verbunden werden.

Wie banal die Ursache eines größeren Schadens manchmal sein kann, zeigt ein erst im April 2026 veröffentlichter Fall des Instituts für Schadenverhütung und Schadenforschung der öffentlichen Versicherer (IFS). Eine erst wenige Wochen zuvor in Betrieb genommene PV-Anlage fiel zunächst aus, zwei Tage später entwickelte sich Rauch im Keller.

Die Untersuchung des IFS lokalisierte den Brandschwerpunkt im Anschlussbereich eines Wechselrichters. Besonders starke Schäden fanden sich an den Anschlussklemmen eines Überspannungsschutzes. Der Fall zeigt beispielhaft, welche Folgen Fehler bei elektrischen Verbindungen haben können.

Batteriespeicher bringen ein zusätzliches Risiko

Hinzu kommt eine Entwicklung, die ältere Untersuchungen nur eingeschränkt abbilden konnten: Photovoltaikanlagen werden heute zunehmend mit Batteriespeichern kombiniert.

In der britischen QBE-Auswertung wurden 2025 immerhin 23 Brände Batteriespeichern zugeordnet. Bei Lithium-Ionen-Batterien kann es infolge von Beschädigungen, technischen Fehlern oder Überhitzung zu einem sogenannten thermischen Durchgehen kommen. QBE sieht deshalb mit der zunehmenden Verbreitung von Speichern ein zusätzliches Feld für die Schadenprävention.

Das bedeutet allerdings nicht, dass ein Batteriespeicher grundsätzlich eine besondere Brandgefahr darstellt. Entscheidend sind Konstruktion, Installation, Betriebsbedingungen und technische Schutzmaßnahmen. Auch das IFS betont, dass von Lithium-Ionen-Akkus bei sachgerechtem Umgang grundsätzlich kein außergewöhnliches Brandrisiko ausgeht.

Versicherungswirtschaft reagiert mit neuen Empfehlungen

Dass das Thema auch für deutsche Versicherer aktuell ist, zeigt eine Veröffentlichung aus diesem Frühjahr. Die VdS Schadenverhütung GmbH hat im Mai 2026 die überarbeitete Richtlinie VdS 6023 „Photovoltaik-Anlagen auf Dächern – Möglichkeiten zur Minimierung eines Brandrisikos“ veröffentlicht.

Die Richtlinie richtet sich ausdrücklich nicht nur an Planer, Errichter und Betreiber, sondern auch an Versicherer. Sie soll ihnen bei der Risikobeurteilung und Schadenprävention helfen. VdS weist unter anderem auf nicht fachgerecht verlegte DC-Leitungen und auf der Dachhaut liegende Steckverbinder als Sicherheitsrisiken hin und empfiehlt regelmäßige Inspektionen beziehungsweise Prüfungen.

Gerade bei großen Dachanlagen auf Gewerbe- und Industriegebäuden erhält die Frage zusätzliche Bedeutung. Hier kann sich das Schadenpotenzial erheblich von einer kleinen Anlage auf einem Einfamilienhaus unterscheiden. Nicht nur der Wert der Anlage selbst, sondern auch Gebäude, Waren, Maschinen und mögliche Betriebsunterbrechungen können betroffen sein.

Kein Grund zur Panik – aber Anlass, genauer hinzusehen

Aus den britischen Zahlen lässt sich derzeit keine zunehmende Brandhäufigkeit deutscher Photovoltaikanlagen ableiten. Dafür fehlt eine vergleichbare aktuelle Datengrundlage. Ebenso falsch wäre es, aus einzelnen Schadenfällen den Eindruck abzuleiten, Photovoltaikanlagen seien grundsätzlich brandgefährlich.

Die neuen QBE-Daten liefern dennoch einen interessanten Hinweis. Wenn die Zahl der Anlagen stark wächst, immer mehr große Dachflächen genutzt werden, bestehende Anlagen altern und gleichzeitig Batteriespeicher hinzukommen, gewinnt die Qualität von Planung, Installation, Wartung und Brandschutz an Bedeutung.

Bemerkenswert ist vor allem die Übereinstimmung bei den technischen Schwachstellen: Was QBE heute in Großbritannien insbesondere bei DC-Verkabelungen und Steckverbindungen beobachtet, kennen deutsche Schadenforscher und Elektrotechniker bereits seit Jahren.

Für Versicherer dürfte dies Grund genug sein, die Entwicklung aufmerksam zu verfolgen – und insbesondere bei gewerblichen und industriellen Dachanlagen genauer hinzusehen.


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