Schaden- und Unfallversicherer – Ergebnisse 2024: Markt erholt sich – aber Herausforderungen bleiben
Im Herbst 2025 erschien die Neuauflage der Branchenmonitore der V. E. R. S. Leipzig GmbH mit einer Datenlage bis einschließlich 2024. Hier eine Zusammenfassung für die wichtigsten Kompositsparten. Die Schaden- und Unfallversicherer in Deutschland konnten im Jahr 2024 an das starke Vorjahreswachstum anknüpfen und ihre Prämieneinnahmen weiter deutlich steigern. Laut aktuellen Daten der V.E.R.S. Leipzig GmbH legten die 50 größten Anbieter um 8,4 Prozent auf insgesamt 1.610,99 Mio. Euro zu. Besonders kräftig fiel das Wachstum in der Kfz- und Wohngebäudeversicherung aus – zwei Sparten, die in den vergangenen Jahren stark unter Kostendruck standen.
Auch auf der Schadenseite zeigt sich eine spürbare Entspannung: Die durchschnittlichen Schadenaufwendungen stiegen lediglich moderat um 2,9 Prozent auf 1.121,94 Mio. Euro. Da insbesondere die Kfz-Versicherung weiterhin den größten Anteil trägt, wirkt sich die Stabilisierung hier besonders positiv auf die Gesamtentwicklung aus. Entsprechend verbesserte sich die Combined Ratio des Gesamtmarkts deutlich – von über 100 Prozent im vergangenen Jahr auf 97,4 Prozent. Erstmals seit 2022 gelang den Versicherern damit wieder ein positives technisches Ergebnis von 29,67 Mio. Euro.
Kfz-Versicherung: Prämienanpassungen zeigen Wirkung, aber CR weiter über 100 %
Nach einem äußerst belastenden Jahr 2023 machen sich die umfassenden Prämienanpassungen nun bemerkbar. Die Bruttobeiträge stiegen kräftig, während sich die Schadenaufwendungen nur noch moderat erhöhten. Hintergrund dieser Verbesserung sind mehrere Entwicklungen im Kfz-Segment: Reparaturen werden durch immer komplexere Fahrzeugtechnik, integrierte Sensorik und steigende Werkstattpreise seit Jahren teurer. Zudem führen zunehmende Verkehrsdichte und Schadeninflation zu einer strukturellen Kostenbelastung. Die Versicherer reagierten mit deutlichen Tarifanpassungen und einer stärkeren Risikoselektion, was erste Erfolge zeigt. Dennoch verbleibt die Combined Ratio mit 106,6 Prozent noch über der kritischen Marke – die Sparte bleibt also trotz Verbesserungen herausfordernd.
Wohngebäudeversicherung: Unter 100 % CR, aber weiter angespannt
Die Wohngebäudeversicherung bleibt trotz der Verbesserungen eine Problemspare. Die Schadenaufwendungen stiegen weiter an, vor allem durch Leitungswasserschäden sowie witterungsbedingte Ereignisse. Dahinter stehen langfristige Kostentreiber wie der Klimawandel, der sowohl die Intensität als auch die Frequenz von Naturgefahren erhöht. Auch die steigenden Preise für Baumaterialien und Handwerksarbeiten wirken belastend. Die deutlichen Beitragssteigerungen konnten die höheren Schadenkosten jedoch kompensieren, sodass die Combined Ratio erstmals seit 2020 unter 100 Prozent sank. Aufgrund struktureller Risiken und einer weiterhin hohen Zahl von Versicherern über der Profitabilitätsschwelle bleibt die Lage aber angespannt.
Hausratversicherung: Gute Combined Ratio trotz steigender Schäden
In der Hausratversicherung erhöhten sich die Schadenaufwendungen erneut deutlich. Dafür verantwortlich sind vor allem teurere Konsumgüter, gestiegene Elektronikwerte sowie Schäden durch Einbruch, Leitungswasser oder Wettereinflüsse. Während die Kosten steigen, sind die Prämien in dieser wettbewerbsintensiven Sparte nicht im gleichen Maße gewachsen. Trotz dieser Entwicklung bleibt die Combined Ratio mit 81,0 Prozent komfortabel im profitablen Bereich, auch weil die Schadenverläufe in dieser Sparte insgesamt weniger volatil sind.
Haftpflichtversicherung: Mehr Schäden, weniger Gewinn
Die Haftpflichtversicherung verzeichnete 2024 einen deutlichen Anstieg der Schadenaufwendungen und damit verbunden eine Verschlechterung der Combined Ratio. Treiber dieser Entwicklung sind vor allem wachsende juristische Komplexität, höhere medizinische Kosten bei Personenschäden sowie steigende Prozess- und Anwaltskosten. Neue Risikobereiche wie digitale und umweltbezogene Haftungsfälle wirken ebenfalls belastend. Obwohl die Combined Ratio weiterhin solide bleibt, führte die Kostenentwicklung zu einem spürbaren Rückgang des versicherungstechnischen Ergebnisses.
Private Unfallversicherung: Erneut profitabelster Zweig
Die private Unfallversicherung bleibt 2024 der Ertragsstar im Bereich Schaden/Unfall. Die Schaden-Kosten-Quote verbesserte sich erneut, da diese Sparte von einer vergleichsweise stabilen Risikostruktur profitiert. Naturgefahren spielen hier keine Rolle, und die Schadenintensität ist aufgrund kalkulierbarer Ereignisse gering. Verbesserte Prävention und höhere Sicherheitsstandards im Alltag tragen ebenfalls dazu bei, dass die Schadenaufwendungen rückläufig sind und die Sparte weiterhin hohe Ergebnisse erzielt.
Rechtsschutzversicherung: Solides Wachstum, bessere Kostenquote
Die Rechtsschutzversicherung entwickelte sich 2024 erneut positiv. Die steigende Nachfrage nach juristischer Absicherung wird durch zunehmend komplexe Rechtslagen und eine höhere Bereitschaft, Ansprüche durchzusetzen, begünstigt. Zwar steigen auch hier die Anwalts- und Gerichtskosten, doch durch effizientere Prozesse, Digitalisierung und verbesserte Kostensteuerung konnten die Versicherer die Combined Ratio weiter senken. Das versicherungstechnische Ergebnis nähert sich damit wieder einem Spitzenwert an.
Starker Aufwärtstrend – doch Risiken bleiben real
Der Markt für Schaden- und Unfallversicherungen hat sich 2024 spürbar erholt. Die Kombination aus Prämienanpassungen, moderaten Schadensteigerungen und einer Entspannung auf der Kostenseite sorgt für deutlich bessere Ergebnisse als im Krisenjahr 2023. Dennoch bleiben strukturelle Risiken bestehen, insbesondere in den Sparten Wohngebäude und Kfz. Der Klimawandel, steigende Reparaturkosten und neue Risikoprofile stellen die Branche langfristig vor Herausforderungen. Gleichzeitig zeigt 2024, dass die Versicherer handlungsfähig sind und konsequent gegensteuern – ein klares Signal für eine stabile, aber weiterhin anspruchsvolle Zukunft.

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