Haftpflichtversicherung: Gewinneinbruch von fast 77 Prozent

Die allgemeine Haftpflichtversicherung hat 2025 deutlich an Ertragskraft verloren. Nach dem aktuellen Branchenmonitor von V.E.R.S. Leipzig sank der durchschnittliche versicherungstechnische Gewinn der 50 untersuchten Versicherer rechnerisch um 76,6 Prozent. Gleichzeitig stiegen die Schadenaufwendungen erheblich stärker als die Beiträge. Und die Zahl der Gesellschaften mit einer Schaden-Kosten-Quote über 100 Prozent hat sich verdreifacht.

Allgemeine Haftpflicht – nicht Kfz-Haftpflicht

Vorweg eine wichtige Unterscheidung: Die Zahlen beziehen sich auf die allgemeine Haftpflichtversicherung. Die Kfz-Haftpflichtversicherung gehört ausdrücklich nicht dazu. Sie wird im Versicherungszweig Kraftfahrt erfasst und von V.E.R.S. Leipzig gesondert untersucht. Die zuletzt hohen Verluste in der Kfz-Versicherung haben auf die hier betrachteten Ergebnisse somit keinen Einfluss.

Von 16,6 auf 3,89 Millionen Euro

Die Zahlen des am 15. Oktober 2026 veröffentlichten Branchenmonitors sind deutlich. 2024 lag der durchschnittliche versicherungstechnische Gewinn der untersuchten Haftpflichtversicherer noch bei 16,60 Millionen Euro. Im Geschäftsjahr 2025 waren es nur noch 3,89 Millionen Euro. Das entspricht einem rechnerischen Rückgang von 76,6 Prozent. Die Prozentzahl haben wir aus den von V.E.R.S. Leipzig veröffentlichten Durchschnittswerten errechnet.

Wichtig ist dabei die Bezugsgröße: Es geht um den durchschnittlichen versicherungstechnischen Gewinn der untersuchten Gesellschaften, nicht um deren gesamten Jahresüberschuss.

Die allgemeine Haftpflichtversicherung arbeitet im Durchschnitt also weiterhin profitabel. Allerdings ist von den Vorjahresgewinnen rechnerisch nur noch knapp ein Viertel übrig geblieben.

15 statt fünf Versicherer über der 100-Prozent-Marke

Auch die Schaden-Kosten-Quote, die sogenannte Combined Ratio, hat sich verschlechtert. Sie stieg von durchschnittlich 86,5 Prozent im Jahr 2024 auf 91,3 Prozent im Geschäftsjahr 2025.

Noch auffälliger ist die Zahl der Gesellschaften, deren Combined Ratio über 100 Prozent liegt. Waren es 2024 lediglich fünf der 50 untersuchten Versicherer, sind es inzwischen fünfzehn. Damit weist fast jeder dritte untersuchte Haftpflichtversicherer eine Schaden-Kosten-Quote von mehr als 100 Prozent auf.

Das bedeutet, dass die in dieser Kennzahl berücksichtigten Schaden- und Betriebskosten höher ausfallen als die entsprechenden Beitragseinnahmen.

Schäden steigen um 13,9 Prozent, Beiträge nur um 1,3 Prozent

Ein wesentlicher Grund für die schlechteren Ergebnisse lässt sich unmittelbar aus den Zahlen ablesen: Die Schadenaufwendungen steigen erheblich stärker als die Beitragseinnahmen.

Die durchschnittlichen gebuchten Bruttoprämien der untersuchten Versicherer erhöhten sich 2025 um lediglich 1,3 Prozent auf 176,45 Millionen Euro.

Die durchschnittlichen Schadenaufwendungen legten dagegen um 13,9 Prozent auf 108,94 Millionen Euro zu.

Die wichtigsten Zahlen im Überblick:

Kennzahl20242025
Durchschnittliche gebuchte Bruttoprämien174,22 Mio. €176,45 Mio. €
Durchschnittliche Schadenaufwendungen95,68 Mio. €108,94 Mio. €
Durchschnittliche Combined Ratio86,5 %91,3 %
Durchschnittlicher versicherungstechnischer Gewinn16,60 Mio. €3,89 Mio. €
Versicherer mit Combined Ratio über 100 %515

Quelle: V.E.R.S. Leipzig, Branchenmonitore 2026. Die Vorjahreswerte bei Beiträgen und Schadenaufwendungen sind aus den veröffentlichten Veränderungsraten zurückgerechnet und gerundet.

Bereits 2024 erste Warnsignale

Schon im vorherigen Branchenmonitor hatte sich eine steigende Schadenbelastung abgezeichnet. Für das Geschäftsjahr 2024 berichtete der Versicherungsbote auf Grundlage der Leipziger Untersuchung über einen Anstieg der durchschnittlichen Schadenaufwendungen je Vertrag von 71,34 auf 87,88 Euro. Das entspricht einem Plus von mehr als 23 Prozent.

Gleichzeitig stagnierte die Zahl der Versicherungsverträge weitgehend. Von den 50 untersuchten Gesellschaften konnten 24 ihre Bestände ausbauen, während 26 Rückgänge verzeichneten. Die allgemeine Haftpflichtversicherung blieb zwar ertragreich. Die Schadenentwicklung gab aber bereits damals Anlass, genauer hinzusehen.

Welche Haftpflichtsparten sind besonders betroffen?

Das lässt sich aus den veröffentlichten Zahlen nicht beantworten.

Der Branchenmonitor betrachtet die allgemeine Haftpflichtversicherung insgesamt. Er unterscheidet in der veröffentlichten Zusammenfassung nicht danach, wie sich beispielsweise die Privat-, Betriebs- oder Produkthaftpflichtversicherung jeweils entwickelt haben.

Auch die Ursachen für den deutlichen Anstieg der Schadenaufwendungen lassen sich daraus nicht im Einzelnen bestimmen.

Fest steht lediglich, dass die Schadenaufwendungen 2025 wesentlich stärker gestiegen sind als die Beiträge. Welche Schadenarten oder Teilsparten dafür besonders verantwortlich waren, bleibt offen.

Andere Sparten entwickeln sich besser

Interessant ist der Vergleich mit den übrigen Versicherungszweigen. Während sich die durchschnittliche Combined Ratio in der allgemeinen Haftpflichtversicherung von 86,5 auf 91,3 Prozent verschlechterte, entwickelte sich die Kraftfahrtversicherung in die entgegengesetzte Richtung. Dort sank die Combined Ratio von 106,0 auf 98,9 Prozent. Auch die Wohngebäudeversicherung verbesserte sich deutlich: von 96,5 auf 80,7 Prozent. Die Combined Ratio der Hausratversicherung ging von 81,0 auf 74,7 Prozent zurück. Auch die Rechtsschutzversicherung entwickelte sich positiv. Bei den 25 untersuchten Rechtsschutzversicherern sank die durchschnittliche Combined Ratio von 90,3 auf 89,1 Prozent. Anders verlief die Entwicklung in der privaten Unfallversicherung. Dort stieg die Combined Ratio leicht von 76,7 auf 78,9 Prozent.

Fazit: Noch profitabel, aber deutlich weniger als zuvor

Die allgemeine Haftpflichtversicherung gehört weiterhin zu den Versicherungszweigen, die im Durchschnitt positive versicherungstechnische Ergebnisse erwirtschaften. Der Rückgang ist dennoch erheblich. Innerhalb eines Jahres ist der durchschnittliche versicherungstechnische Gewinn der untersuchten Versicherer rechnerisch um 76,6 Prozent gesunken. Die Schadenaufwendungen steigen zweistellig, während die Beiträge kaum zulegen.

Zugleich hat sich die Zahl der Gesellschaften mit einer Combined Ratio über 100 Prozent von fünf auf fünfzehn verdreifacht.

Die Zahlen zeigen keine insgesamt defizitäre Haftpflichtversicherung. Sie zeigen aber, dass die Ertragslage 2025 erheblich schlechter geworden ist.


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