Vermittlertag am 24.06. in Hannover: Ein Format mit Signalwirkung für die Branche
Ich war vor Ort und habe mir persönlich einen Eindruck verschafft.
Am 24. Juni 2025 fand in Hannover der Vermittlertag Niedersachsen statt – eine Veranstaltung, die sich bewusst von traditionellen Kongressen und Vertriebstagungen abgrenzte. Der Tag war geprägt von einem neuen Selbstverständnis innerhalb der Vermittlerschaft: weg von vorgegebenen Programmen, hin zu aktiver Mitgestaltung und echter inhaltlicher Relevanz. Denn beim Vermittlertag bestimmten die Vermittlerinnen und Vermittler selbst, welche Themen auf die Tagesordnung kamen, wer sprach und welche Aussteller sich präsentieren durften.
Dieses Mitbestimmungsprinzip ist nicht völlig neu. Es wurde bereits am 24. September 2024 im Rahmen eines Pilottages in Sachsen erprobt. Damals noch in kleinerem Kreis getestet, erwies sich das Konzept bereits als tragfähig und zielführend. Die Erfahrungen aus diesem ersten Durchlauf flossen direkt in die Planung des Vermittlertags Niedersachsen ein – mit dem Ergebnis, dass die Veranstaltung nun bereits inhaltlich wie organisatorisch sehr ausgereift wirkte.
Der Vermittlertag war keine beutelrattenlockende Massenveranstaltung mit dem Geräuschpegel einer Bahnhofshalle, sondern bot echte Gespräche in angenehmer Atmosphäre. Es ging um Mehrwerte, nicht um Give-aways – um Inhalte, nicht um Image.
Das Konzept des Vermittlertags setzte auf Inklusion statt Abgrenzung. Es sendete eine klare Botschaft: Versicherungsvermittler lassen sich nicht spalten, sie arbeiten an ihren gemeinsamen Zielen. Ob Maklerin oder Makler, Ausschließlichkeitsvermittlerin oder -vermittler, Mehrfachagentin oder -agent oder im Strukturvertrieb tätig – alle Vertriebswege waren willkommen. Diese Offenheit war keine leere Formel, sondern gelebtes Prinzip. Es ging nicht um Marktpositionen oder Zugehörigkeiten, sondern um die gemeinsame Verantwortung für den Vertrieb und seine Zukunft. Genau darin lag die besondere Stärke dieses Formats.
Inhaltlich überzeugte der Vermittlertag mit hoher Aktualität und Praxisnähe. Ein zentraler Programmpunkt war der Vortrag von Michael H. Heinz, Präsident des Bundesverbands Deutscher Versicherungskaufleute e. V. (BVK). Er ordnete die aktuellen politischen und regulatorischen Entwicklungen ein und betonte die Bedeutung eines starken Berufsbildes in einer zunehmend komplexen Versicherungslandschaft. Besonders deutlich wurde dabei: Die Vermittlerschaft braucht eine gemeinsame Stimme – und eine Plattform, auf der sie gehört wird.
Einen weiteren inhaltlichen Schwerpunkt setzte René Jansen mit seinem Beitrag zur Rolle von Künstlicher Intelligenz und Digitalisierung im Versicherungsvertrieb. Er zeigte auf, wie technologische Entwicklungen sowohl Risiken als auch Chancen für Vermittlerinnen und Vermittler mit sich bringen – und dass es entscheidend ist, diese aktiv zu gestalten statt sie passiv zu erdulden. Seine Impulse machten klar, dass technologische Kompetenz längst zu einer unternehmerischen Kernfähigkeit geworden ist.
Einen motivierenden, anwendungsorientierten Impuls lieferte Jens Löser, bekannt als „derLÖSER“. Als erfahrener Vertriebstrainer brachte er praxistaugliche Strategien für erfolgreiches Verkaufen und nachhaltige Kundenbindung mit. Seine klare Sprache, seine Nähe zum Vertriebsalltag und sein direkter Stil fanden bei den Teilnehmenden breite Zustimmung – ein Vortrag, der nicht nur informierte, sondern auch unmittelbar aktivierte.
Ein besonderes Highlight war das Exklusivinterview mit Christopher Kluwe, Geschäftsführer der aruna GmbH. In einem offenen Gespräch beleuchtete er die strategische Ausrichtung seines Hauses, die Rolle von Private-Equity-Investoren in der Poollandschaft und die Auswirkungen solcher Entwicklungen auf die Vermittlerinnen und Vermittler. Seine Kernaussage war klar: Jede Partnerschaft, jede Strukturentscheidung hat ihren Preis – finanziell, strategisch und nicht zuletzt im Hinblick auf unternehmerische Selbstbestimmung. Diese Einblicke sorgten für intensive Gespräche im Anschluss und zeigten, wie wichtig transparente Diskussionen auf Augenhöhe sind.
Der Vermittlertag hat in vielerlei Hinsicht Maßstäbe gesetzt. Er zeigte, dass die Vermittlerschaft bereit ist, neue Wege zu gehen, wenn ihr die nötige Verantwortung und Gestaltungshoheit gegeben wird. Gleichzeitig wurde aber auch deutlich, dass die Wirkung solcher Formate maßgeblich von der Beteiligung lebt. Denn der Vermittlertag ist keine Veranstaltung von außen – er ist ein Angebot an die Vermittlerschaft, ihre Interessen selbstbewusst und gemeinschaftlich zu vertreten.
Deshalb richtet sich ein klarer Appell an alle Kolleginnen und Kollegen im Vertrieb: Nutzt diese Plattform, bringt euch ein und gestaltet mit. Es geht nicht um die Interessen Dritter – es geht um eure eigenen. Wer möchte, dass sich die Rahmenbedingungen für Beratung, Vermittlung und Unternehmertum positiv entwickeln, muss bereit sein, Position zu beziehen. Der nächste Vermittlertag kommt. Und er braucht euch.

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