Blau Direkt erweitert Management!

Blau Direkt holt umstrittenen Versicherungsmanager Schinnenburg Die Neuaufstellung beim Lübecker Maklerpool Blau Direkt geht weiter: Ab dem 1. Oktober 2025 soll Stephan Schinnenburg Teil der Geschäftsführung werden. Dies geht aus einem Artikel des Branchenmagazins DAS INVESTMENT  hervor. Der vollständige Artikel von Bastian Hebbeln ist im Anschluss verlinkt. Bereits jetzt wirkt Schinnenburg in beratender Funktion im […]

Blau Direkt holt umstrittenen Versicherungsmanager Schinnenburg

Die Neuaufstellung beim Lübecker Maklerpool Blau Direkt geht weiter: Ab dem 1. Oktober 2025 soll Stephan Schinnenburg Teil der Geschäftsführung werden. Dies geht aus einem Artikel des Branchenmagazins DAS INVESTMENT  hervor. Der vollständige Artikel von Bastian Hebbeln ist im Anschluss verlinkt.

Bereits jetzt wirkt Schinnenburg in beratender Funktion im Führungsteam mit. Das Unternehmen betont, dass es sich dabei um eine strategisch neu geschaffene Rolle handelt – nicht um eine Nachfolge früherer Führungskräfte wie Oliver Lang oder der Gründer Oliver Pradetto und Lars Drückhammer.

Schinnenburg, 64 Jahre alt, ist in der Branche kein Unbekannter – im Guten wie im Schlechten. Er bringt über 25 Jahre Branchenerfahrung mit und war unter anderem Vorstand bei der Deutschen Familienversicherung, der Ergo Group und Geschäftsführer der Ratingagentur Morgen & Morgen. Zudem gilt er als Mitbegründer der Vergleichsplattform Comparit, die eng mit dem Ökosystem von Blau Direkt verbunden ist.

Doch seine Karriere ist auch von Kontroversen geprägt.

Ergo-Skandal: Drohungen, Einschüchterung, Abgang

Besonders sein Abgang bei der Ergo im Jahr 2018 sorgte für Aufsehen. Die Vorwürfe gegen Stephan Schinnenburg wurden erstmals 2018 vom Manager Magazin berichtet. Die Redaktion stützte sich dabei auf interne Unterlagen, eidesstattliche Versicherungen und Aussagen von Ergo-Mitarbeitern.

Laut Manager Magazin wurde Schinnenburg damals freigestellt. Schinnenburg soll in seiner Rolle als Vertriebsvorstand eine Kultur der Angst gefördert habe. Er soll Direktoren aufgefordert haben, Kollegen zu benennen, die als „unterdurchschnittlich erfolgreich“ galten oder sich kritisch gegenüber Vertriebszielen äußerten. Die so Genannten habe er, so der Bericht, „symbolisch an den Türrahmen nageln und dort hängen lassen wollen, bis sie stänken“. Auch von der Drohung, „jeden zu erschießen, der Ziele infrage stelle“, war die Rede.

Schinnenburg äußerte sich damals nicht zu den Vorwürfen. Die Ergo leitete eine Untersuchung ein und distanzierte sich scharf: „Der Vorfall ist ganz und gar nicht mit unseren Werten zu vereinbaren. Wer so etwas sagt, für den ist bei der Ergo kein Platz.“

Auch bei der Deutschen Familienversicherung gescheitert

2022 musste sich Schinnenburg auch von der Deutschen Familienversicherung trennen. Die Begründung damals fiel ungewöhnlich deutlich aus: Man habe sich „aufgrund nicht erreichter Vertriebsziele“ getrennt. Die Ziele im Neugeschäft waren um rund 25 Prozent verfehlt worden.

Blau Direkt gibt sich zugeknöpft

Auf Nachfrage, ob die öffentlich bekannten Skandale um Schinnenburg bei der Auswahl berücksichtigt wurden, antwortete Blau Direkt nur ausweichend: „Zum Auswahlprozess von Mitgliedern der Geschäftsführung geben wir keine detaillierte Stellungnahme ab.“ Man betone aber, dass „Fachkompetenz, strategische Klarheit und die Perspektive auf die Herausforderungen unabhängiger Vermittler entscheidend“ seien. Schinnenburg solle helfen, das Unternehmen strategisch weiterzuentwickeln, unter anderem in der Zusammenarbeit mit der Pool Alliance.


Kommentar: Warum der Ruf der Branche leidet

Wenn sich die Versicherungsbranche wieder einmal fragt, warum ihr öffentliches Image so miserabel ist, könnte die Antwort auch in Entscheidungen wie dieser liegen. Es ist nicht förderlich, wenn Persönlichkeiten, die durch dokumentierte Entgleisungen und offensichtliche menschliche Defizite aufgefallen sind, dennoch immer wieder in Spitzenpositionen zurückkehren. Was in anderen Branchen zu einem dauerhaften Karriereknick führen würde, scheint hier oft kein Ausschlusskriterium zu sein.

Zugegeben: Die Versicherungsbranche ist damit kein Einzelfall. Auch anderswo wird problematisches Führungsverhalten nicht immer geahndet. Aber gerade eine Branche, die sich so oft über ihr schlechtes Ansehen beklagt und die auf öffentiches Vertrauen bauen muss, sollte bei der Auswahl ihrer Führungskräfte genauer hinsehen. Sonst braucht man sich über ein dauerhaft ramponiertes Image in der Öffentlichkeit nicht zu wundern.



Entdecke mehr von Sachthemen.blog

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Wöchentlicher Newsletter

Einmal pro Woche erhältst du die wichtigsten Artikel und Einordnungen redaktionell zusammengestellt.

Für den Newsletter anmelden
Artikel teilen: LinkedIn · Facebook · WhatsApp · E-Mail

Diskutiere mit

Deine Meinung ist uns wichtig!