Wenn das Schnäppchenhaus zur Kostenfalle wird – Wohngebäudeversicherung auf dem Land wird oft zum Luxus
Ein alter Bauernhof, ein Vierseithof oder ein großzügiges Landhaus mit Nebengebäuden – was auf dem Papier wie ein wahr gewordener Wohntraum aussieht, entwickelt sich für viele Käufer schnell zur finanziellen Herausforderung. Besonders die Wohngebäudeversicherung für solche Objekte ist komplex und teuer. Die Ursachen liegen in der Größe, dem Alter, der technischen Ausstattung – und nicht zuletzt in der oft unüberschaubaren Anzahl an Nebengebäuden.
Große Wohn- und Nutzflächen – großer Beitrag
Alte Höfe bringen meist deutlich mehr Fläche mit als moderne Häuser: 250 m² Wohnraum sind keine Seltenheit, hinzu kommen teils mehrere Hundert Quadratmeter Nutzfläche in Form von Stallungen, Scheunen, Garagen, Gästehäuser oder Werkstätten. Genau diese Größe wird in der Versicherung oft zum Kostenfaktor.
Technisch veraltet = versicherungstechnisch risikoreich
Besonders kritisch sehen Versicherungen alte Wasserleitungen, Heizungsrohre und Elektroleitungen. Rohrbrüche, Leckagen oder Wasserschäden durch poröse Leitungen gehören zu den häufigsten und teuersten Schadensfällen. Deshalb gilt:
Diese Investition verbessert nicht nur die Sicherheit, sondern senkt auch die Versicherungsprämie deutlich, da das Risiko für Leitungswasserschäden erheblich reduziert wird.
Viele Versicherer gewähren Sanierungsnachlässe bereits bei umfassender Sanierung von Teilbereichen wie z. B. des Leitungswassersystems oder der Elektrik.
Vorsicht mit dem Begriff der Kernsanierung. Eine umfassende Sanierung ist nicht immer auch eine Kernsanierung im Sinne der Versicherung.
Viele Versicherer fragen in Zusammenhang mit erfolgten Sanierungen nach einer sogenannten Kernsanierung. Diese Antragsfrage ist ernst zu nehmen, da sie maßgeblichen Einfluss auf die Risikobewertung und den Versicherungsschutz hat. Wird die Frage zur Kernsanierung im Antrag mit „Ja“ beantwortet, obwohl nicht alle dafür erforderlichen Maßnahmen tatsächlich durchgeführt wurden, kann das erhebliche versicherungsrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen.
Versicherungen verstehen unter einer Kernsanierung in der Regel eine umfassende Erneuerung aller wesentlicher Gebäudebestandteile wie Dach, Fenster, Elektrik, Heizung sowie Sanitär- und Wasserleitungen. Sind diese Maßnahmen nicht vollständig und fachgerecht umgesetzt worden, liegt definitionsgemäß meist keine vollständige Kernsanierung vor.
Eine unzutreffende Angabe im Antrag kann eine Verletzung der vorvertraglichen Anzeigepflicht gemäß § 19 Versicherungsvertragsgesetz (VVG) darstellen. In der Folge kann der Versicherer je nach Einzelfall vom Vertrag zurücktreten, eine rückwirkende Vertragsanpassung vornehmen oder im Schadenfall die Leistung ganz oder teilweise verweigern. Besonders schwerwiegend ist eine vorsätzliche Falschangabe, die dem Versicherer das Recht zur Anfechtung des Vertrags wegen arglistiger Täuschung gibt.
Daher ist es von zentraler Bedeutung, solche Antragsfragen wahrheitsgemäß und vollständig zu beantworten. Wenn nicht alle Merkmale einer Kernsanierung erfüllt sind, sollte dies offen und transparent kommuniziert werden, idealerweise mit einer genauen Darstellung der durchgeführten Maßnahmen. Nur so kann sichergestellt werden, dass der Versicherungsschutz im Schadenfall nicht gefährdet ist.
Nebengebäude: Nicht immer gleitender Neuwert nötig
Nicht jedes Nebengebäude muss zum gleitenden Neuwert versichert werden. Gerade bei leerstehenden oder wenig genutzten Gebäuden wie alten Scheunen, Schuppen oder Garagen ist es oft wirtschaftlich unsinnig, sie umfassend gegen alle Schäden und Wiederaufbau abzusichern. Wer diese Gebäude nur eingeschränkt nutzt, kann stattdessen eine günstigere Versicherung zum Zeitwert wählen oder sie ganz vom Versicherungsschutz ausnehmen.
Wichtig dabei: Auch wenn ein vollständiger Wiederaufbau nicht vorgesehen ist, sollte zumindest der Abriss im Schadensfall – etwa nach Brand oder Sturmschäden – abgesichert sein. Abriss- und Entsorgungskosten können mehrere zehntausend Euro betragen und sollten in jedem Fall gedeckt sein, um keine bösen Überraschungen zu erleben.
Leitungswasserdeckung gezielt einsetzen
Viele Nebengebäude besitzen keinen Wasseranschluss – in diesen Fällen kann auf die teure Leitungswasserdeckung verzichtet werden. Diese macht bis zu 40 % der Gesamtprämie aus und sollte nur dort abgeschlossen werden, wo ein reales Risiko für Wasserschäden besteht. Eine individuelle Einschätzung mit einem Versicherungsexperten lohnt sich.
Selbstbeteiligung: Mehr Risiko, weniger Beitrag
Ein bewährtes Mittel zur Reduzierung der laufenden Prämien ist die Vereinbarung einer Selbstbeteiligung. Bereits 1.000 Euro Selbstbehalt können die Beiträge deutlich senken – ideal für Eigentümer, die im Schadensfall kleinere Reparaturen auch selbst tragen könnten oder wollen.
Richtigen Versicherer wählen
Nicht alle Wohngebäudeversicherer sind auf Gebäude der ehemaligen Landwirtschaft spezialisiert. Viele zeichnen diese Risiken nicht oder nur unzureichend. Durch fehlendes Know-how in diesem Bereich können die angebotenen Prämien zu hoch und der Versicherungsschutz nicht passgenau und somit lückenhaft sein. Versicherungsmakler mit dem Zugriff auf die richtigen Policen können hier helfen.
Beim Schnäppchenkauf Hirn einschalten!
Die Entscheidung für einen alten Hof oder ein ländliches Anwesen sollte nicht allein auf dem günstigen Kaufpreis basieren. Kosten für notwendige Sanierungen sollten von unabhängigen Fachleuten realistisch bewertet werden und in die Kaufentscheidung einfließen. Die laufenden Kosten – allen voran die Versicherung – müssen realistisch kalkuliert werden. Mit gezielten Maßnahmen wie der Sanierung kritischer Installationen, einer differenzierten Bewertung von Nebengebäuden und durchdachtem Versicherungsschutz lässt sich jedoch viel sparen. So wird aus dem potenziellen Kostenrisiko ein dauerhaft lebenswertes Zuhause – auch für Normalverdiener.

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