Sanierungsfall Wohngebäude

Fotos: KI – generiert

Wohngebäudeversicherung unter Druck!

Die private Wohngebäudeversicherung steht aus meiner Sicht an einem kritischen Punkt. Seit Jahren häufen sich die Verluste: Baukostenexplosion, zunehmende Naturgefahren und ein überlasteter Handwerkermarkt treiben die Schadensquoten hoch. Viele Gesellschaften liegen mit Combined Ratios weit über 100 %.

Was aktuell passiert:

Die Gothaer kündigt ab Dezember 2025 eine harte Bestandsbereinigung an, vor allem bei Maklerverträgen in risikoreichen Regionen. Die Continentale stellt ab Oktober 2025 das Neugeschäft über Makler ein. Schon zuvor hatten rhion.digital, HDI Group, ALH Gruppe, Neodigital Versicherung AG oder NÜRNBERGER Versicherung ihre Aktivitäten eingeschränkt. Für mich ist das ein klares Muster: Eigene Vertriebswege werden oft geschont, unabhängige Vermittler stehen unter Druck.

Gefährlicher Sogeffekt

Jede Bestandskündigung schafft einen Präzedenzfall. Je mehr Versicherer diesen Weg gehen, desto leichter wird es für andere, nachzuziehen. Ein Gewöhnungseffekt setzt ein – Kündigungen, die früher als Tabubruch galten, erscheinen plötzlich „normal“. Doch irgendwer muss unsere Häuser am Ende versichern.

Mögliche Lösungen

Ich halte pauschale Kündigungen für den falschen Weg. Stattdessen sollten Versicherer überlegen: Teilfortführungen mit gezielten Risikoausschlüssen statt Totalverlust des Schutzes.

Zukünftig verpflichtende Selbstbehalte für alle Verträge von mindestens 1.000 – 2.000 € je Schaden, um Kleinschäden auszublenden und die Police auf existenzielle Risiken zu konzentrieren.

Klare Mindeststandards: Weg von „vertrieblichen Gimmicks“ wie mitversicherung von Verstößen gegen vertragliche Obliegenheiten, denn dann könnte man sich ja die Obliegenheiten auch gleich sparen. Irrsinn, wenn man bedenkt das auch die Pflicht zur Instandhaltung eine dieser Obliegenheiten ist! Auch Kunden können nicht immer nur die Hand aufhalten, sie müssen ihre Gebäude in ordnungsgemäßem Zustand erhalten. Wichtiger wäre, wieder Grundtarife unterhalb des heutigen Leistungsniveaus anzubieten, um auch Problemfälle versicherbar zu halten.

Stärkere Kooperation mit Maklern und Maklerpools: Sie liefern Datenqualität, Effizienz und Marktkenntnis, die im Ausschließlichkeitsvertrieb oft fehlen.

Naja, für all dies müssten sich dann allerdings alle Anbieter mal einig sein, darauf können wir, denke ich, lange warten!

Der Markt bewegt sich gefährlich schnell in eine Richtung, in der Kündigungen zum Standard werden. Kurzfristig mag das betriebswirtschaftlich nachvollziehbar sein – langfristig führt es zu Vertrauensverlust und möglicherweise zu Versorgungslücken. Ich bin überzeugt: Wer sich jetzt klar zum Maklervertrieb bekennt und tragfähige Modelle anbietet, kann Vertrauen gewinnen und sogar Marktanteile sichern.

Am Ende braucht es nicht den nächsten Aussteiger – sondern Versicherer, die zeigen, dass sie Verantwortung übernehmen.

Ich habe in meinem Blog ausführlich zur aktuellen Situation berichtet: Jetzt auch noch Gothaer!


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