Württembergische bricht IT-Projekt ab

Adcubum und Württembergische Versicherung brechen Softwareprojekt ab – Hintergründe und Einordnung Die Württembergische Versicherung AG und der Schweizer Softwareanbieter Adcubum haben ihr gemeinsames IT-Großprojekt zur Einführung des Bestandsführungssystems Adcubum Syrius vorzeitig beendet. Wie das Fachportal Inside-IT am 13. Mai 2025 berichtete, wurde die mehrjährige Zusammenarbeit zwischen den beiden Unternehmen ohne Abschluss des Projekts beendet. Hintergrund […]

Adcubum und Württembergische Versicherung brechen Softwareprojekt ab – Hintergründe und Einordnung

Die Württembergische Versicherung AG und der Schweizer Softwareanbieter Adcubum haben ihr gemeinsames IT-Großprojekt zur Einführung des Bestandsführungssystems Adcubum Syrius vorzeitig beendet. Wie das Fachportal Inside-IT am 13. Mai 2025 berichtete, wurde die mehrjährige Zusammenarbeit zwischen den beiden Unternehmen ohne Abschluss des Projekts beendet.

Hintergrund und Projektverlauf

Bereits im Jahr 2021 hatte die Württembergische angekündigt, ihre bestehenden, zum Teil veralteten IT-Systeme durch die Standardsoftware Adcubum Syrius zu ersetzen. Ziel war es, das System zunächst im Bereich der Kfz-Versicherungen einzuführen, später auch bei Privat- und Firmenkunden. Das bestätigte die W&W-Gruppe damals in einer offiziellen Mitteilung auf presseportal.de.

Adcubum Syrius war zu diesem Zeitpunkt bereits beim digitalen Versicherer Adam Riese – ebenfalls Teil der W&W-Gruppe – erfolgreich im Einsatz. Die Software versprach eine konsistente Abbildung aller Kernprozesse sowie die Möglichkeit, moderne Betriebsmodelle zu integrieren, wie aus der damaligen Projektankündigung hervorging.

Gründe für das Scheitern

Auch wenn keine offiziellen Angaben zu den genauen Ursachen des Projektabbruchs vorliegen, lassen sich anhand von Experteneinschätzungen und Branchentrends mögliche Hintergründe benennen. So berichtet das Fachmagazin IT Finanzmagazin, dass viele Versicherer mit der Komplexität von Migrationen von Altsystemen auf moderne Plattformen wie Syrius zu kämpfen haben. Dazu komme der branchenweite Fachkräftemangel im IT-Bereich, der große Transformationsprojekte zusätzlich erschwere.

Wie das Portal procontra-online.de analysiert, zählen außerdem Budgetüberschreitungen, unrealistische Zeitpläne und mangelhafte Projektsteuerung zu den typischen Risikofaktoren solcher Vorhaben. Diese könnten auch beim Abbruch des Syrius-Projekts bei der Württembergischen eine Rolle gespielt haben.

Dr. Immo Dehnert, Pressesprecher der Wüstenrot & Württembergische AG, gab dazu gegenüber Sachthemen.blog lediglich folgendes Statement ab:

Die Württembergische Versicherung AG und der Schweizer IT-Dienstleister Adcubum beenden das gemeinsame Projekt zur Entwicklung eines Standard-Kernsystems für Kfz- und Sachversicherungen für den deutschen Markt. Die Zusammenarbeit für die Adam Riese AG, dem Online-Versicherer der Württembergischen Versicherung, wird fortgesetzt. Adam Riese verwaltet zwischenzeitlich mehr als 400.000 Verträge.

Die Württembergische Versicherung AG wird jetzt den Einsatz einer neuen IT-Lösung auf der Grundlage von mittlerweile am Markt entstehenden Standardkomponenten prüfen. Der stabile Betrieb der Hostanwendung für das Kompositgeschäft ist in der Zwischenzeit sichergestellt.

Dr. Steven Neubauer, CEO der Adcumbum AG, äußerte sich auf Anfrage von Sachthemen.blog dazu wie folgt:

Die Württembergische Versicherung AG und der Schweizer IT-Dienstleister Adcubum beenden einvernehmlich das gemeinsame Projekt zur Entwicklung eines Standard-Kernsystems für Kfz- und Sachversicherungen für den deutschen Markt. Die Zusammenarbeit für die Adam Riese AG, dem Online-Versicherer der Württembergischen Versicherung, wird fortgesetzt. Adcubum wird sich zukünftig ganz auf den Markt für Kranken- und Unfallversicherungen im deutschsprachigen Raum fokussieren. 

Leider sind von der Entscheidung, den Sachversicherungsbereich zu verlassen, nahezu alle Mitarbeitenden dieses Bereichs betroffen. Wir versuchen, den Wegfall der Positionen möglichst sozialverträglich zu gestalten. 

Nach dem Zusammenhang zwischen den Entlassungen und dem Projekt mit der Württembergischen gefragt, antwortete mir Neubauer ergänzend:

Adcubum ist Marktführer für Kernsysteme für Kranken- und Unfallversicherer in der Schweiz. Vor einigen Jahren hat Adcubum eine strategische Expansion in den Sachversicherungsbereich beschlossen und hierfür einen eigenen Geschäftsbereich aufgebaut. Ziel war es gemeinsam mit der Württembergischen Versicherung, ein neues Software-Produkt spezifisch für Sachversicherungen zu entwickeln. Dieses Projekt haben wir im Einvernehmen mit der Württembergischen Versicherung eingestellt und den Geschäftsbereich geschlossen. Im Zuge der Schliessung haben wir rund 70 Mitarbeitenden betriebsbedingt gekündigt. 

Branchenweite Relevanz

Dass dieses Projekt gescheitert ist, passt in ein größeres Bild: Laut einer gemeinsamen Studie von Adcubum und der Beratungsgesellschaft EY, über die adcubum.com berichtet, stufen über zwei Drittel der deutschen Kompositversicherer ihre Kernsysteme als nicht zukunftsfähig ein. Besonders hoch ist der Handlungsdruck demnach im Bereich der Kfz-Versicherungen: Dort sehen 92 % der Befragten akuten Modernisierungsbedarf.

Wie IT Finanzmagazin ergänzt, beklagen viele Versicherer insbesondere die mangelnde Cloud-Fähigkeit ihrer Systeme, lange Entwicklungszeiten für neue Produkte sowie die technische Alterung ihrer IT-Landschaften. Gleichzeitig hemmen hohe Investitionskosten und der Mangel an erfahrenem Fachpersonal die Umsetzung notwendiger Maßnahmen.

Der Projektabbruch bei der Württembergischen Versicherung zeigt exemplarisch, wie herausfordernd die digitale Transformation im Versicherungswesen ist. Neben der Wahl eines geeigneten Systems spielen Ressourcenverfügbarkeit, realistisches Projektmanagement und eine klare Digitalstrategie eine zentrale Rolle. Für die Württembergische bedeutet dieser Rückschritt, sich nun nach alternativen Wegen zur IT-Modernisierung umzusehen – in einem Marktumfeld, das durch technologischen Wandel und wachsende Kundenerwartungen geprägt ist.


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