Schweizer Autofahrer gegen Diskriminierung!

Mehrheit der Schweizer fordert fairere Autoversicherungen: Diskriminierende Kriterien sollen abgeschafft werden. Foto: KI-generiert Zürich, 15. April 2025 – Eine neue repräsentative Umfrage von comparis.ch bringt Bewegung in die Debatte um die Prämiengestaltung bei Autoversicherungen in der Schweiz: Mehr als die Hälfte der Bevölkerung spricht sich klar gegen die Nutzung diskriminierender Merkmale wie Nationalität oder Geschlecht […]

Mehrheit der Schweizer fordert fairere Autoversicherungen: Diskriminierende Kriterien sollen abgeschafft werden.

Foto: KI-generiert

Zürich, 15. April 2025 – Eine neue repräsentative Umfrage von comparis.ch bringt Bewegung in die Debatte um die Prämiengestaltung bei Autoversicherungen in der Schweiz: Mehr als die Hälfte der Bevölkerung spricht sich klar gegen die Nutzung diskriminierender Merkmale wie Nationalität oder Geschlecht bei der Berechnung von Versicherungsprämien aus.

Diskriminierende Kriterien auf dem Prüfstand

Während in der EU solche persönliche Merkmale laut Antidiskriminierungsrichtlinie bei der Prämiengestaltung keine Rolle spielen dürfen, ist das in der Schweiz bisher erlaubt. Doch 57,3 % der Befragten fordern nun ein Verbot dieser Praxis – allen voran die junge Generation sowie die französischsprachige Schweiz, wo sich sogar 64,7 % für eine Reform aussprechen.

„Die Schweiz sollte sich fragen, ob sie weiterhin ein Versicherungsmodell mit diskriminierendem Beigeschmack dulden will“, meint Adi Kolecic, Mobilitätsexperte bei comparis.ch.

Kritik an Nationalitäts-Zuschlägen

Besonders heikel erscheint vielen die Rolle der Staatsangehörigkeit: Ganze 79,4 % der ausländischen Befragten empfinden die damit verbundenen Zuschläge als ungerecht. Auch bei der Gesamtbevölkerung ist das Meinungsbild kritisch – 45,4 % lehnen solche Prämienaufschläge ab.

Altersunterschiede und Regionalgefälle

Die Zustimmung zur Reform fällt je nach Altersgruppe deutlich unterschiedlich aus: Während 71,9 % der 18- bis 35-Jährigen ein Verbot diskriminierender Faktoren befürworten, sind es bei den über 56-Jährigen nur noch 43,0 %. Auch die Wohnlage spielt eine Rolle: Städter zeigen sich deutlich kritischer als Menschen aus ländlichen Regionen.

Unfallhistorie wichtiger als Herkunft

Stattdessen wünscht sich die Mehrheit eine stärkere Gewichtung individueller Risikofaktoren: Für 72,4 % ist die unfallfreie Fahrhistorie das wichtigste Kriterium bei der Prämienberechnung, gefolgt vom Fahrzeugtyp (64,9 %) und der Fahrpraxis (62,3 %).

Modernes Telematik-Tracking, das das Fahrverhalten direkt misst, könnte hier neue Möglichkeiten eröffnen. Kolecic fordert: „Versicherer sollten mutiger sein und die Tarifierung neu denken.“

Ein Schritt in Richtung Fairness – mit Preis

Die Umstellung auf ein diskriminierungsfreies Modell würde allerdings auch bedeuten, dass Schweizer Versicherte im Schnitt rund 5 % mehr zahlen müssten. Für ausländische Versicherte könnten die Prämien hingegen um rund 12,5 % sinken. Das Modell käme also einer Solidaritätsumlage gleich.

Bereits bekannte Ungleichheiten

Schon in einer früheren Analyse aus dem August 2024 hatte comparis.ch auf massive Unterschiede hingewiesen: Junge Fahrer aus Ländern wie Kosovo, Nordmazedonien oder der Türkei zahlen bis zu 74 % mehr als ihre Schweizer Altersgenossen – selbst bei unfallfreier Fahrweise.


Persönlicher Kommentar:

Seit wann gilt eigentlich Prämienkalkulation als diskriminierend?
Fragt man einen klassischen Aktuar, dann sind Alter, Geschlecht und Herkunft eben keine „Vorurteile“, sondern schlicht Risikofaktoren, die sich statistisch belegen lassen. Die Ironie: Genau das war auch jahrzehntelang das Argument, zum Beispiel in der Risikolebens- und privaten Krankenversicherung – bis die EU irgendwann beschloss, dass Gleichbehandlung dann doch wichtiger ist als Rechenmodelle.

Am 21. Dezember 2012 trat in der gesamten EU – und somit auch in Deutschland – die sogenannte Unisex-Regelung in Kraft. Seitdem dürfen Versicherer keine geschlechtsspezifischen Prämien mehr verlangen. Ein Mann zahlt also dasselbe wie eine Frau – auch wenn die Lebenserwartung statistisch differiert oder er rein anatomisch eben kaum in der Lage ist, Kinder zu gebären und somit auch weniger gynäkologische Risiken hat. Fairness vor Faktentreue, könnte man sagen.

In Deutschland haben wir uns längst daran gewöhnt und es kommt uns fast befremdlich vor, wenn jemand die Diskussion nach geschlechtsspezifischen oder sonstigen als diskriminierend erachteten subjektiven Risikomerkmalen noch führen möchte. Das Thema ist sozusagen durch. Die Versicherungswirtschaft hat sich arrangiert. Und siehe da – die Systeme funktionieren noch.

Warum also nicht auch in der Schweiz, angefangen bei der Autoversicherung?


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