Wachstumsmarkt Tierversicherungen

Das französische Tierversicherungs-Start-up Dalma hat in einer Series-B-Finanzierungsrunde im März 2025 20 Millionen Euro eingesammelt. Mit diesem Kapital plant Dalma, sowohl auf dem Heimatmarkt als auch in Deutschland zu wachsen und in weitere Länder zu expandieren. Dies berichtete heute unter anderem das Fachmagazin Versicherungmonitor. Für mich bietet sich damit die Gelegenheit, mich mal wieder etwas […]

Das französische Tierversicherungs-Start-up Dalma hat in einer Series-B-Finanzierungsrunde im März 2025 20 Millionen Euro eingesammelt. Mit diesem Kapital plant Dalma, sowohl auf dem Heimatmarkt als auch in Deutschland zu wachsen und in weitere Länder zu expandieren. Dies berichtete heute unter anderem das Fachmagazin Versicherungmonitor. Für mich bietet sich damit die Gelegenheit, mich mal wieder etwas genereller über das Thema der Tierversicherungen zu äußern. Ich werde oft gefragt, wie ich selbst zu dem ganzen Thema stehe. Bisher habe ich mich zu meiner ganz persönlichen Meinung eher zurückgehalten und mich mehr über die fachliche Betrachtung einzelner Tarife ausgetauscht. Vielleicht ist es tatsächlich einmal Zeit für ein Statement, als Hundehalter, der ich ja auch bin.

Tierversicherungen sind in der heutigen Zeit ein unverzichtbarer Bestandteil, um die Verantwortung als Tierhalter finanziell abzusichern. Gerade in einer Gesellschaft, in der Tiere zunehmend als vollwertige Familienmitglieder betrachtet werden, ist es entscheidend, dass die Gesundheit und das Wohlbefinden des Tieres nicht von finanziellen Aspekten abhängen. Es dürfen keine Kompromisse bei der tierärztlichen Versorgung gemacht werden, nur weil der Geldbeutel des Tierhalters leer ist. Die Entscheidung, ein Tier zu halten, bedeutet Verantwortung – und diese Verantwortung umfasst auch die Sicherstellung einer optimalen medizinischen Versorgung.

Das Wohl des Tieres sollte nicht gegen mögliche finanzielle Kosten abgewogen werden. Niemand sollte in der Situation sein, eine notwendige Behandlung aufgrund von hohen Tierarztkosten abzulehnen oder zu verzögern. Hier bietet die Tierkrankenversicherung eine wertvolle Unterstützung, da sie die finanziellen Belastungen im Ernstfall abmildert und den Tierhaltern die Gewissheit gibt, dass ihre Tiere die nötige medizinische Versorgung erhalten, die sie brauchen. Insofern trägt die Tierkrankenversicherung nicht nur zur finanziellen Absicherung bei, sondern sorgt auch dafür, dass das Wohl des Tieres an erster Stelle steht – und das ist es, was verantwortungsbewusste Tierhaltung ausmacht.

Wachstum, Herausforderungen und Verbraucherhinweise

In den letzten zehn Jahren hat der Markt für Tierversicherungen in Deutschland ein signifikantes Wachstum erfahren. Dieses Wachstum wurde durch verschiedene Faktoren beeinflusst, darunter steigende Tierarztkosten, ein erhöhtes Bewusstsein für die Gesundheitsvorsorge von Haustieren und neue gesetzliche Rahmenbedingungen. Die gesellschaftliche Wahrnehmung von Tieren hat sich ebenfalls stark verändert. Haustiere werden zunehmend als Familienmitglieder betrachtet, was sich in einer gesteigerten Bereitschaft zeigt, in ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden zu investieren. Trotz dieser positiven Entwicklung stehen Verbraucher vor Herausforderungen, insbesondere hinsichtlich der finanziellen Stabilität der Anbieter und der Transparenz der Prämienkalkulation.

Wachstum und Entwicklung des Marktes

Laut einer Marktanalyse von Nordlight Research aus dem Jahr 2022 verfügten 43 Prozent der deutschen Tierbesitzer über mindestens eine Tierversicherung. Haftpflichtversicherungen für Hunde und Pferde waren besonders verbreitet, wobei 74 Prozent der Hundebesitzer und 85 Prozent der Pferdebesitzer eine solche Police abgeschlossen hatten. Tierkrankenversicherungen waren weniger verbreitet: 42 Prozent der Pferdehalter, 30 Prozent der Hundebesitzer und 23 Prozent der Katzenhalter hatten eine solche Versicherung abgeschlossen.

Eine Umfrage des Marktforschungsinstituts Statista aus dem Jahr 2023 ergab, dass nur 23 Prozent der Haustierbesitzer eine Krankenversicherung für ihr Tier abgeschlossen hatten, was auf ein weiterhin bestehendes Wachstumspotenzial hinweist.

Die veränderte Rolle von Haustieren in der Gesellschaft

Haustiere spielen heute eine weit größere Rolle als noch vor einigen Jahrzehnten. Während Tiere früher oft als Nutztiere oder einfache Begleiter betrachtet wurden, gelten sie heute für viele Menschen als vollwertige Familienmitglieder. Dies zeigt sich nicht nur in einer gestiegenen Ausgabebereitschaft für hochwertige Tiernahrung und medizinische Versorgung, sondern auch in der zunehmenden Emotionalisierung der Mensch-Tier-Beziehung. Insbesondere in urbanen Gebieten sind Haustiere oft wichtige soziale Begleiter, und ihr Wohlergehen wird zunehmend mit dem von Menschen gleichgesetzt. Diese Entwicklung führt dazu, dass mehr Tierhalter in langfristige Absicherung investieren, um eine optimale medizinische Versorgung für ihre Tiere sicherzustellen.

Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Tierhaltung

Die Corona-Pandemie hat diesen Trend zusätzlich verstärkt. Während der Lockdowns und der zunehmenden Homeoffice-Kultur suchten viele Menschen emotionale Unterstützung durch Haustiere. Studien zeigen, dass die Zahl der Haustieranschaffungen während der Pandemie signifikant gestiegen ist. Laut dem Industrieverband Heimtierbedarf (IVH) gab es 2021 allein in Deutschland rund eine Million mehr Haustiere als vor der Pandemie. Besonders Hunde und Katzen waren gefragt, aber auch Kleintiere wie Kaninchen oder Meerschweinchen wurden häufiger angeschafft.

Dieser Boom hatte direkte Auswirkungen auf den Tierversicherungsmarkt. Viele neue Tierhalter erkannten die hohen Kosten für Tierarztbesuche und begannen, sich für Krankenversicherungen und OP-Versicherungen zu interessieren. Gleichzeitig führte die gestiegene Nachfrage zu höheren Preisen für tierärztliche Behandlungen, was die Bedeutung einer guten Absicherung weiter verstärkte.

Allerdings zeigte sich nach dem Ende der Lockdowns auch eine Kehrseite dieser Entwicklung: Viele Menschen, die sich während der Pandemie spontan ein Haustier anschafften, waren später nicht mehr in der Lage, sich angemessen um das Tier zu kümmern. Tierheime meldeten 2022 einen signifikanten Anstieg an abgegebenen Tieren, da Besitzer die Verantwortung unterschätzt hatten. Dies zeigt, dass die Entscheidung für ein Haustier nicht nur aus emotionalen Gründen getroffen werden sollte, sondern auch eine langfristige Planung erfordert – einschließlich einer finanziellen Absicherung durch geeignete Versicherungen.

Einflussfaktoren auf den Markt

Ein weiterer Treiber für das wachsende Interesse an Tierversicherungen war die neue Gebührenordnung für Tierärzte (GOT), die Ende November 2022 in Kraft trat und zu deutlich höheren Behandlungskosten führte. Dies veranlasste viele Tierbesitzer, über eine Krankenversicherung für ihre Tiere nachzudenken.

Herausforderungen: Finanzielle Stabilität der Anbieter

Die Verbraucherzentrale warnte vor den Folgen der Insolvenz für Kunden, die auf eine Erstattung ihrer Tierarztkosten angewiesen waren. Durch die Insolvenz wurde die Schadensregulierung zunächst vollständig eingestellt, was Tierbesitzern große finanzielle Probleme bereitete.

Trotz des Wachstums gibt es Risiken für Verbraucher. Ein prominentes Beispiel ist die Insolvenz der Element Insurance AG im März 2025. Das Unternehmen konnte seine finanziellen Verpflichtungen nicht mehr erfüllen, was dazu führte, dass zahlreiche Versicherungskunden plötzlich ohne Schutz dastanden.

Element war in diesem Fall für Kunden nicht immer direkt als Versicherer erkennbar, da das Geschäft über den Assekuradeur PANDA abgewickelt wurde, der die Tierversicherungen unter eigenem Namen anbot.

Panda hat mittlerweile einen neuen Risikoträger gefunden. Künftig übernimmt die zur Vienna Insurance Group gehörende InterRisk diese Rolle. Für bestehende Kunden soll sich durch den Wechsel nichts ändern – sofern sie sich dafür entscheiden. Eine erneute Gesundheitsprüfung ist nicht erforderlich, und sowohl die Prämien als auch der Leistungskatalog bleiben unverändert. Zudem werden bereits absolvierte Wartezeiten angerechnet. In den kommenden Tagen erhalten die Kunden ein Angebot zur Vertragsübernahme.

Die Deutsche Familienversicherung (DFV) zog sich vor kurzem mit ihrer Tierkrankenversicherung komplett aus dem Maklermarkt zurück und veröffentlichte dazu folgende Mitteilung:

Im Zuge der Fokussierung auf digitale Vertriebskanäle wird der Vertrieb der
Tierkrankenversicherung ab dem 10. März 2025 ausschließlich über den Online- und den Direktvertrieb erfolgen. Dies bedeutet, dass Versicherungsmakler oder
Kooperationspartner diese Produktlinie in Deutschland künftig nicht mehr vertreiben können.

Ich gehe davon aus, dass diese Maßnahme alleine der Kostenreduzierung dient, da der Vertrieb über Versicherungsmakler bedingt durch die Maklercourtage höhere Abschlusskosten verursacht.

Vorausgegangen waren dieser Maßnahme deutliche Prämienerhöhungen und eine drastische Limitierung der Höchstentschädigungssummen.

Dies verdeutlicht, wie hoch der Kostendruck bei einigen Anbietern mittlerweile ist.

Worauf Verbraucher achten sollten

Bei der Auswahl einer Tierversicherung sollten Verbraucher nicht nur auf die Prämienhöhe und die versprochenen Leistungen achten, sondern auch auf die Kapitalstärke des Versicherers. Ein finanziell stabiler Anbieter ist entscheidend, da Tierversicherungen oft über viele Jahre hinweg bestehen und Tierbesitzer sicherstellen müssen, dass ihr Vertragspartner im Ernstfall zahlungsfähig bleibt.

Transparente Vertragsbedingungen, klare Ausschlusskriterien und eine faire Erstattungsquote sind ebenfalls wichtig. Verbraucher sollten prüfen, ob der Anbieter über eine solide Rückversicherung verfügt, um finanzielle Engpässe zu vermeiden. Besonders bei Insurtech-Start-ups gibt es Unsicherheiten hinsichtlich der langfristigen Beständigkeit der Geschäftsmodelle.

Der Tierversicherungsmarkt in Deutschland hat in den letzten zehn Jahren ein starkes Wachstum verzeichnet, getrieben durch steigende Tierarztkosten, ein zunehmendes Bewusstsein für die Gesundheit von Haustieren und die veränderte gesellschaftliche Wahrnehmung von Tieren. Die Corona-Pandemie hat diesen Trend zusätzlich verstärkt, indem sie zu einem Haustier-Boom führte und die Bedeutung von Tieren als emotionale Begleiter verdeutlichte. Dennoch gibt es kritische Aspekte, insbesondere in Bezug auf die finanzielle Stabilität der Anbieter. Fälle wie die Insolvenz der Element Insurance AG zeigen, dass Verbraucher genau prüfen sollten, welchem Unternehmen sie ihr Vertrauen schenken. Neben den Leistungsversprechen ist die wirtschaftliche Stärke des Versicherers ein zentraler Faktor, um eine langfristige Absicherung für das eigene Haustier zu gewährleisten.


Entdecke mehr von Sachthemen.blog

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Wöchentlicher Newsletter

Einmal pro Woche erhältst du die wichtigsten Artikel und Einordnungen redaktionell zusammengestellt.

Für den Newsletter anmelden
Artikel teilen: LinkedIn · Facebook · WhatsApp · E-Mail

Diskutiere mit

Deine Meinung ist uns wichtig!

Entdecke mehr von Sachthemen.blog

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen