Frankreichs Waldbrände: 25.000 Schäden und knapp 500 Millionen Euro

Die schweren Waldbrände in Frankreich haben nach ersten Berechnungen der Versicherungswirtschaft rund 25.000 Schadenfälle verursacht. Der französische Versicherungsverband France Assureurs beziffert den bislang geschätzten versicherten Schaden auf knapp 500 Millionen Euro

Die am 28. August veröffentlichten Zahlen beruhen auf Schadenmeldungen, die den Versicherern bis Mitte August vorlagen. France Assureurs weist deshalb ausdrücklich darauf hin, dass sich sowohl die Zahl der Fälle als auch das Schadenvolumen noch verändern können.

Vor allem Privatkunden betroffen

Den größten Teil der bislang registrierten Schäden tragen die Sachversicherer im Privatkundengeschäft. Rund 21.000 Schadenfälle entfallen nach Angaben des Verbandes auf Schäden am Eigentum von Privatpersonen. In dieser Zahl sind allerdings auch Fälle enthalten, bei denen Versicherer Kosten für eine vorübergehende Unterbringung übernommen haben.

Weitere knapp 3.000 Fälle betreffen Handwerker, Gewerbetreibende, Unternehmen, landwirtschaftliche Betriebe und Gebietskörperschaften. Besonders interessant ist dabei der Blick auf die Betriebsunterbrechung: Mehr als 1.800 Schadenmeldungen wurden nach Angaben des Dachverbandes der französischen Versicherungswirtschaft wegen Betriebsunterbrechungen beziehungsweise Ertragsausfällen eröffnet. Das hierfür bislang geschätzte Volumen liegt bei knapp 30 Millionen Euro.

Diese Betriebsunterbrechungsschäden seien ganz überwiegend ohne unmittelbaren Sachschaden entstanden. Die Feuer hatten schließlich nicht nur Gebäude zerstört. Evakuierungen, behördliche Sperrungen und die teilweise tagelang nicht mögliche Erreichbarkeit ganzer Gebiete trafen auch Unternehmen, deren eigene Betriebsstätten von den Flammen verschont blieben. Welche konkreten Deckungstatbestände im jeweiligen Einzelfall greifen, hängt allerdings vom jeweiligen Versicherungsvertrag ab.

Ein Feuer von bislang kaum gekannter Größenordnung

Wie außergewöhnlich die Ereignisse waren, zeigt insbesondere der Brand von Saumos in der Gironde. Das Feuer hatte sich am 22. Juli entwickelt. Nach Angaben der Präfektur wurden schließlich 42.000 Hektar Fläche von den Flammen erfasst. Die Feuerfront beziehungsweise die zu sichernden Ränder erreichten insgesamt rund 240 Kilometer. Die Behörden sprachen ausdrücklich von einem in Frankreich bislang beispiellosen Ereignis. Als entscheidende Faktoren nannten sie starken Wind, hohe Temperaturen und massive Trockenheit nach drei aufeinanderfolgenden Hitzewellen.

Zeitweise mussten allein in der Gironde mehr als 220.000 Menschen vorsorglich evakuiert werden. Am 29. Juli lag die Zahl nach Angaben der Präfektur sogar bei mehr als 224.000. Anfang August war der Brand weitgehend fixiert, einzelne Brandherde und Glutnester waren aber weiterhin aktiv.

Auch bei Biscarrosse im Département Landes entwickelte sich ein Großbrand. Dort waren nach Angaben der französischen Regierung rund 3.600 Hektar betroffen; auf dem Höhepunkt mussten etwa 36.000 Menschen ihre Aufenthaltsorte verlassen.

Im südostfranzösischen Var brach am 21. Juli der Brand am Gros Bessillon aus. Nach Angaben der Präfektur wurden rund 6.300 Hektar vom Feuer erfasst, davon etwa 5.700 Hektar tatsächlich verbrannt. Erst am 18. August wurde das Feuer offiziell für gelöscht erklärt. Im Verlauf des fast einmonatigen Einsatzes wurden mehr als 11.000 Feuerwehrkräfte eingesetzt und rund 3.800 Löschwasserabwürfe durchgeführt.

Allein diese drei Großbrände erreichten damit eine Fläche von annähernd 52.000 Hektar, die zumindest teilweise von den Flammen erfasst wurde.

2022 wird bei den Versicherungsschäden klar übertroffen

Besonders deutlich wird die Dimension beim Vergleich mit dem bislang extremen Waldbrandsommer 2022. Damals brannten in Frankreich insgesamt rund 72.000 Hektar Wald, Vegetations- und landwirtschaftliche Flächen. Allein in der Gironde gab es drei außergewöhnlich große Feuer.

Aus Versicherungssicht fällt der Unterschied noch drastischer aus. Zwischen Anfang Juni und Ende September 2022 registrierten die französischen Versicherer nachträglich rund 2.000 Schadenfälle mit einem Schadenvolumen von etwa 80 Millionen Euro.

2026 stehen nun allein für die aktuellen Brände in Gironde, Landes und Var rund 25.000 Fälle und knapp 500 Millionen Euro im Raum. Damit liegt die Zahl der gemeldeten Schäden etwa beim Zwölfeinhalbfachen, das bisher geschätzte Schadenvolumen bei mehr als dem Sechsfachen des Waldbrandsommers 2022.

Die Fallzahlen sind allerdings nur bedingt direkt miteinander vergleichbar. 2026 umfassen sie beispielsweise auch zahlreiche Kosten für die vorübergehende Unterbringung evakuierter Versicherter. Trotzdem zeigt der Vergleich, wie breit die diesjährigen Feuer besiedelte und wirtschaftlich genutzte Gebiete getroffen haben.

Waldbrand ist in Frankreich kein „Cat-Nat“-Schaden

Versicherungstechnisch gibt es noch eine Besonderheit: Obwohl es sich zweifellos um ein Naturereignis mit katastrophalem Ausmaß handelt, fallen Waldbrände in Frankreich nicht unter das staatlich geregelte Entschädigungssystem für Naturkatastrophen – den sogenannten Cat-Nat-Regime.

Die Schäden werden vielmehr über die normalen Feuerversicherungsdeckungen reguliert. Die Branddeckung gehört nach Angaben der französischen Regierung zur großen Mehrheit der Multirisk-Wohngebäude- beziehungsweise Hausratverträge und Gewerbe-Sachversicherungen. Bei Fahrzeugen muss dagegen eine entsprechende Feuerdeckung im Kfz-Vertrag vorhanden sein.

Damit ist zugleich klar: Die jetzt genannten knapp 500 Millionen Euro dürfen nicht mit dem gesamten volkswirtschaftlichen Schaden der Waldbrände verwechselt werden. Die Zahl beschreibt den bislang geschätzten versicherten Schaden. Umwelt- und Waldschäden, staatliche Kosten für Brandbekämpfung und Wiederaufbau, nicht versicherte Vermögenswerte sowie weitergehende wirtschaftliche Folgen etwa für Tourismus oder Forstwirtschaft sind darin nicht automatisch vollständig enthalten.

Versicherer verlängerten Meldefrist und übernahmen Unterbringungskosten

Bereits am 27. Juli hatte France Assureurs angesichts der dramatischen Situation Sondermaßnahmen angekündigt. Normalerweise muss ein Feuerschaden in Frankreich innerhalb von fünf Arbeitstagen gemeldet werden. Für die betroffenen Gebiete wurde diese Frist bis zum 31. August 2026 verlängert.

Darüber hinaus erklärten sich die Versicherer bereit, bei einer behördlich angeordneten Evakuierung einer Hauptwohnung Kosten für eine Ersatzunterkunft zu übernehmen – selbst dann, wenn die Wohnung selbst überhaupt keinen Brandschaden erlitten hatte. Erstattet werden konnten gegen Nachweis bis zu drei Wochen, maximal jedoch für die Dauer des behördlichen Betretungsverbots und im Rahmen der jeweiligen Vertragsbedingungen. Rund 30.000 Menschen haben nach Angaben von France Assureurs von dieser Regelung Gebrauch gemacht.

Auch die Schadenaufnahme ist inzwischen weit vorangeschritten. Bei nahezu allen Wohnungs- und Unternehmensschäden, für die eine Begutachtung erforderlich ist, sei ein Sachverständiger bereits vor Ort gewesen oder ein Termin für die nächsten Tage vorgesehen, erklärte der Verband.

Eine halbe Milliarde dürfte noch nicht das letzte Wort sein

Knapp 500 Millionen Euro sind lediglich eine Zwischenbilanz. Sie beruhen auf Daten bis Mitte August, während Schadenmeldungen noch bis Ende August möglich sind und bei größeren Gebäude- und Gewerbeschäden die endgültige Schadenhöhe teilweise erst nach Abschluss der Begutachtung feststehen dürfte.


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