Vienna Insurance Group baut Kriegsrisikoversicherung in der Ukraine aus

Kriegsschäden gehören zu den klassischen Ausschlüssen in der Sachversicherung. In der Ukraine entstehen dennoch zunehmend Versicherungslösungen für genau diese Risiken. Die Vienna Insurance Group (VIG) beteiligt sich jetzt an einer internationalen Rückversicherungsfazilität, deren Kapazität deutlich ausgeweitet wird. Auch wirtschaftlich scheint das Modell bislang zu funktionieren.

Rückversicherungskapazität steigt auf 150 Millionen Euro

Die Vienna Insurance Group (VIG) baut über ihre ukrainische Tochtergesellschaft USG ihr Engagement bei der Absicherung von Kriegsrisiken aus. Das Unternehmen beteiligt sich an einer Rückversicherungsfazilität, die gemeinsam von Aon und der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) entwickelt wurde.

Die Kapazität der Fazilität wird von bislang 110 Millionen Euro auf 150 Millionen Euro erhöht. Unterstützt wird die Ausweitung durch die Europäische Union. Die bisherige Kapazität ist nach Angaben der EBRD bereits vollständig ausgeschöpft.

Über die Fazilität konnten bislang Rückversicherungsdeckungen von mehr als 500 Millionen Euro für rund 10.000 Versicherungspolicen ermöglicht werden.

Neben der VIG-Tochter USG beteiligt sich künftig auch Universalna, eine Tochtergesellschaft der kanadischen Fairfax Financial Group, an der Fazilität. Bereits vertreten sind die Versicherer INGO, Colonnade und UNIQA.

Auch Gastransporte und Warenlager sollen abgesichert werden

Mit der Erweiterung sollen zusätzliche Risiken versicherbar werden. Dazu gehören insbesondere Transporte und Lagerbestände im Zusammenhang mit der Gasversorgung sowie Waren in Zwischenlagern.

Bereits im Februar 2026 hatte eine weitere ukrainische Tochtergesellschaft der VIG eine Rückversicherungsvereinbarung über 25 Millionen US-Dollar zur Absicherung von Kriegsrisiken abgeschlossen.

Was eine Kriegsrisikoversicherung tatsächlich abdeckt

Welche Schäden versichert sind, hängt vom jeweiligen Vertrag ab. Am ukrainischen Markt gibt es unter anderem Deckungen für Schäden durch Raketen- und Drohnenangriffe sowie herabfallende Trümmerteile abgeschossener Flugkörper. Andere Kriegsereignisse, etwa Artilleriebeschuss, können dagegen ausdrücklich ausgeschlossen sein.

Auch geografisch gelten Einschränkungen. Bei einem von der OECD untersuchten Versicherungsprogramm sind beispielsweise Gebiete innerhalb von 100 Kilometern zur Kriegszone ausgeschlossen. Maßgeblich ist dabei grundsätzlich die Entfernung zur Frontlinie und nicht die Reichweite russischer Raketen. Wie die geografischen Ausschlusszonen in den einzelnen Versicherungsverträgen konkret definiert werden, ist den öffentlich zugänglichen Angaben allerdings nicht eindeutig zu entnehmen.

Hinzu kommen erhebliche Kosten. Nach Angaben des ukrainischen Versicherungsverbandes NASU lagen Rückversicherungsprämiensätze für gewerbliche Sachrisiken im ersten Quartal 2026 zwischen 3,5 und zwölf Prozent der Versicherungssumme.

Bisher übersteigen die Prämien die gemeldeten Schäden

Dass die Absicherung von Kriegsrisiken auch wirtschaftlich funktionieren kann, zeigen die bisherigen Erfahrungen mit der Fazilität. Wie die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) in ihrer Mitteilung vom 13. Oktober 2026 berichtet, übersteigen die bislang vereinnahmten Prämien die gemeldeten Schäden. Der Rückversicherer MS Amlin musste die Garantie der EBRD bisher nicht in Anspruch nehmen.

Eine wichtige Rolle spielt dabei die Risikoverteilung. Nach früheren Angaben der EBRD konnten die beteiligten ukrainischen Erstversicherer 90 Prozent der übernommenen Risiken weitergeben und behielten lediglich zehn Prozent selbst.

Die bislang positive Schadenentwicklung bedeutet allerdings nicht zwangsläufig, dass das Geschäft dauerhaft profitabel ist. Gerade bei Kriegsrisiken können einzelne Großschäden erhebliche Auswirkungen auf die wirtschaftliche Bilanz haben.

Mein Kommentar

Mir persönlich war bislang gar nicht bewusst, dass sich die Vienna Insurance Group auch an solchen Versicherungslösungen beteiligt. Insofern war das für mich eine interessante neue Erkenntnis. Natürlich verfolgt die VIG damit auch wirtschaftliche Interessen. Und selbstverständlich darf sie mit solchen Deckungen Geld verdienen. Nicht zuletzt dürfte es auch darum gehen, sich frühzeitig für den Wiederaufbau der Ukraine zu positionieren und damit langfristig neue Geschäftsmöglichkeiten zu erschließen.

Versicherung bedeutet für mich nicht nur, Risiken zu kalkulieren und Prämien einzunehmen, sondern auch, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen.

Und genau deshalb begrüße ich dieses Engagement ausdrücklich. Die VIG zeigt aus meiner Sicht, dass sich wirtschaftliche Interessen und gesellschaftliche Verantwortung keineswegs ausschließen müssen.


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