Invers will größere Maklerbestände übernehmen
Hinter der geplanten Transaktion steht unter anderem der zunehmende Bedarf an Nachfolgelösungen im Vermittlermarkt. Nach Angaben von Invers ist die Zahl der Anfragen von Maklern und Finanzanlagenvermittlern, die ihre Bestände abgeben wollen, gestiegen. Größere Bestandsübernahmen benötigen allerdings Kapital und entsprechende personelle Ressourcen.
Mit Max Matthiessen als neuem Mehrheitsgesellschafter soll sich dieser Spielraum vergrößern. Nach der kartellrechtlichen Freigabe will Invers nach eigenen Angaben Bestände in Größenordnungen übernehmen, die bislang nicht darstellbar waren. Zudem soll die technische Abwicklung von Bestandsübertragungen stärker automatisiert werden. Dabei sollen auch Verfahren der künstlichen Intelligenz zum Einsatz kommen.
Ein weiteres Modell richtet sich an Makler, die ihr Unternehmen beziehungsweise ihren Bestand nicht vollständig abgeben und anschließend ausscheiden wollen. Invers will künftig auch Lösungen ermöglichen, bei denen Makler ihren Bestand verkaufen und trotzdem weiterhin beruflich tätig bleiben können.
Führung und Standort sollen bleiben
Für die angeschlossenen Vermittler soll sich im Tagesgeschäft zunächst wenig ändern. Michael Buth bleibt Geschäftsführer der Invers GmbH. Auch Cornelia Fentzahn, Kristin Rockendorf-Dillner und Mathias Weber bleiben als Prokuristen und Bereichsleiter im Unternehmen. Der Unternehmenssitz bleibt Leipzig.
Invers-Gründer Udo Rummelt soll ebenfalls beteiligt bleiben und Max Matthiessen sowie Invers künftig als Investor und strategischer Berater begleiten. Auch Mitglieder des Managements sollen weiterhin Anteile halten.
Gegenüber dem Versicherungsboten beschreibt er seinen Schritt so:
„Ich gehe also nicht, sondern ich trete einen Schritt zur Seite und mache Platz für Mittel, die wir allein nie hätten aufbringen können“.
Zur Invers-Gruppe gehören die Invers Versicherungsvermittlungsgesellschaft mbH, die Patronus GmbH und die FairFiMa GmbH. Über die genaue Höhe der Beteiligung und den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.
Produktgeber-Unabhängigkeit soll erhalten bleiben
Invers betont, dass sich an der Unabhängigkeit von Produktgebern nichts ändern soll. Max Matthiessen ist selbst als Makler tätig und vertreibt nach Angaben von Invers keine eigenen Versicherungsprodukte. Ansprechpartner, Service-Center und bestehende Vereinbarungen sollen ebenfalls bestehen bleiben.
Max Matthiessen baut Deutschlandgeschäft weiter aus
Für Max Matthiessen ist Invers zugleich ein Baustein beim Ausbau des Geschäfts im deutschsprachigen Raum. Martin Vogl, CEO der DACH-Region von Max Matthiessen, bezeichnet Invers laut Bericht des Versicherungsboten als:
„ideale Plattform für das Privatkundengeschäft von Max Matthiessen im deutschsprachigen Raum“.
Die Investoren
Hinter Max Matthiessen stehen mit Nordic Capital und dem kanadischen Ontario Teachers’ Pension Plan zwei institutionelle Investoren. Nordic Capital ist dabei auch im deutschen Maklermarkt kein Unbekannter: Seit 2023 ist der Investor an der heutigen SE Gruppe beteiligt. In ihr sind Maklerunternehmen gebündelt, die zuvor zur Helmsauer Gruppe gehörten. Die Helmsauer Gruppe selbst besteht daneben weiterhin.
Erst wenige Tage zuvor war eine weitere Initiative in Deutschland bekannt geworden. Die Düsseldorfer BEST GRUPPE und Max Matthiessen hatten das Joint Venture Best Matthiessen gegründet.
Best Matthiessen soll Versicherungsmakler in Deutschland erwerben und langfristig entwickeln. Im Fokus stehen dort gewerbliche Versicherungen und betriebliche Versorgungswerke sowie Maklerhäuser mit Branchenexpertise, regionaler Verankerung oder Spezialisierung. Partnerunternehmen sollen ihre Marke, ihre Kundenbeziehungen und ihre unternehmerische Verantwortung behalten und zugleich auf gemeinsame Infrastruktur etwa für IT, Compliance, HR und Rückversicherungszugang zurückgreifen können.
Mit der geplanten Mehrheitsbeteiligung an Invers folgt damit innerhalb weniger Tage ein weiterer Schritt von Max Matthiessen im deutschen Maklermarkt.
Mein Kommentar: Die gallischen Dörfer werden weniger
Damit wird die Landschaft der Maklerpools, die nicht nur inhabergeführt, sondern auch frei von Investoren sind, in Deutschland immer kleiner. Dann ist das so!
Wer mich kennt, weiß: Da schlagen zwei Herzen in meiner Brust. Natürlich braucht ein Maklerpool heute Kapital, wenn er wachsen, in Technik investieren und seinen Maklern entsprechende Mehrwerte bieten will. Und Maklerbestände, die einen Käufer suchen, gibt es genug. Wer sie in größerem Stil übernehmen will, braucht eben auch Geld in größerem Stil.
Auf der anderen Seite stelle ich gerne die etwas altmodische Frage:
„Geht es wirklich immer nur um Kohle? Wie viel ist eigentlich genug?“
Wenn ich meine Mitarbeiter ordentlich bezahlen kann, wirtschaftlich gesund bin und genügend Makler habe, die mit meiner Arbeit zufrieden sind – muss ich dann immer größer werden? Muss jeder Pool die große IT-Plattform bauen, auf der der Makler alles mundgerecht serviert bekommt und sich damit womöglich gleichzeitig in neue Abhängigkeiten begibt? Und müssen Maklerbestände zwingend in immer größeren Stückzahlen gekauft werden? Entscheidend sollte schließlich sein, dass die Kunden anschließend mindestens genauso gut betreut werden wie zuvor von ihrem Makler.
Es ist ein freies Land und jeder Unternehmer entscheidet selbst, welchen Weg er geht. Die kleinen gallischen Dörfer unter den Maklerpools werden jedenfalls weniger. Aber im berühmten Comic gab es schließlich auch nur eines davon. Und genau das machte einen Teil seines Charmes aus.
Mal sehen, welcher Maklerpool am Ende das letzte kleine gallische Dorf ist – und hoffentlich genug Zaubertrank anrührt.

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