Metzler-Rating 2026: Neun Lebensversicherer mit negativer Sicherheitsmittelquote

Metzler Ratings hat die 30 größten deutschen Lebensversicherer auf Basis ihrer Jahresabschlüsse 2025 untersucht. Die Unterschiede sind erheblich.

92 Milliarden Euro stille Lasten

Die stillen Lasten der 30 untersuchten Lebensversicherer summierten sich zum 31. Dezember 2025 netto auf 92,04 Milliarden Euro. Ende 2024 waren es noch 65,37 Milliarden Euro. Bezogen auf den Kapitalanlagenbestand der klassischen Lebensversicherung stieg die Quote damit von minus 7,43 auf minus 10,26 Prozent.

Metzler rundet im Text der Studie auf rund 92 Milliarden Euro und spricht von etwa zehn Prozent des von den 30 Gesellschaften verwalteten Kapitalanlagenbestands von rund 897 Milliarden Euro.

Nur WWK und Hannoversche weisen zum Bilanzstichtag noch stille Reserven aus. Stille Reserven können zusätzlichen finanziellen Spielraum schaffen, sind aber für sich allein kein Qualitätsmerkmal. Sie hängen von der Entwicklung der Kapitalmärkte ab und können sich entsprechend verändern. Zudem bedeutet eine vorhandene Bewertungsreserve nicht automatisch, dass sie vollständig den einzelnen Versicherungsnehmern zugutekommt.

Bei zehn Gesellschaften übersteigen die stillen Lasten dagegen 15 Prozent des jeweiligen Kapitalanlagenbestands der klassischen Lebensversicherung. Die Spanne reicht von 15,60 Prozent bei Generali Deutschland bis 28,82 Prozent bei LPV, vormals PB Leben.

Was Metzler unter Sicherheitsmitteln versteht

Für sein Qualitätsrating bildet Metzler eine eigene Sicherheitsquote. In die Berechnung fließen Eigenkapital, freie Rückstellung für Beitragsrückerstattung, Schlussüberschussanteilsfonds, Bewertungsreserven beziehungsweise stille Lasten sowie die Zinszusatzreserve ein. Die Summe dieser Positionen wird ins Verhältnis zu den Deckungsrückstellungen gesetzt.

Genau diese Methodik ist für die Einordnung wichtig. Es handelt sich nicht um die Solvency-II-Quote eines Versicherers, sondern um eine von Metzler auf Basis veröffentlichter Jahresabschlussdaten gebildete Kennzahl.

Neun Versicherer unter null

Bei neun der 30 untersuchten Gesellschaften fällt die Sicherheitsmittelquote zum 31. Dezember 2025 negativ aus. Im Vorjahr waren es sechs.

Zurich: −9,1 Prozent

Cosmos: −7,9 Prozent

LPV: −7,7 Prozent

LVM: −6,3 Prozent

Generali Deutschland: −3,8 Prozent

Gothaer: −3,7 Prozent

Württembergische: −2,6 Prozent

Alte Leipziger: −2,1 Prozent

Proxalto: −2,1 Prozent

Nach der Definition von Metzler bedeutet eine Sicherheitsmittelquote unter null, dass die stillen Lasten durch die in die Berechnung einbezogenen Sicherheitsmittel rechnerisch nicht vollständig ausgeglichen werden können.

Das ist eine deutliche Kennzahl, sie muss aber richtig eingeordnet werden. Metzler weist selbst darauf hin, dass sein Qualitätsrating kein Bonitätsrating im Sinne der EU-Ratingverordnung ist. Die Bewertung stützt sich auf wenige öffentlich zugängliche Bilanzzahlen. Die Bewertung stützt sich auf wenige öffentlich zugängliche Bilanzzahlen. Sie sagt nichts über die Kreditwürdigkeit eines Unternehmens oder die Sicherheit einzelner Kapitalanlagen aus.

WWK vor Hannoversche und SV Leben

Im Gesamtrating liegt die WWK mit der Note 1,0 und AAA auf Platz eins. Ihre Sicherheitsmittelquote beträgt 17,1 Prozent, die Nettoverzinsung für 2025 liegt bei 3,4 Prozent.

Die Hannoversche folgt mit AA+ und der Gesamtnote 1,5. Sie weist mit 19,3 Prozent sogar die höchste Sicherheitsmittelquote im Teilnehmerfeld aus. Die Nettoverzinsung beträgt 2,4 Prozent.

Auf Platz drei folgt SV Leben mit AA und der Gesamtnote 2,3. Die Sicherheitsmittelquote beträgt 10,5 Prozent, die Nettoverzinsung 2,6 Prozent.

Nürnberger, Signal Iduna, Continentale und Baloise erhalten jeweils A+. ERGO und Allianz erreichen jeweils A. Damit kommen neun der 30 untersuchten Gesellschaften im Gesamtrating auf mindestens A.

Auffällig ist Proxalto. Trotz einer Sicherheitsmittelquote von minus 2,1 Prozent erreicht die Gesellschaft aufgrund einer Nettoverzinsung von 2,6 Prozent im Gesamtergebnis noch BBB mit der Note 4,3. Die übrigen acht Gesellschaften mit negativer Sicherheitsmittelquote erhalten BB+.

Große Unterschiede auch bei der Nettoverzinsung

Die durchschnittliche Nettoverzinsung der 30 untersuchten Lebensversicherer lag 2025 laut Metzler bei rund 2,2 Prozent.

Auch hier ist die Spannweite groß. WWK erreicht 3,4 Prozent. Allianz kommt auf 2,8 Prozent, Swiss Life auf 2,7 Prozent und SV Leben sowie Proxalto auf jeweils 2,6 Prozent. Am unteren Ende der Tabelle stehen Baloise mit 1,1 Prozent, Gothaer mit 1,5 Prozent sowie LVM mit 1,6 Prozent.

127 Milliarden Euro sind eine Schätzung

Neben den Bilanzzahlen nennt Metzler noch eine deutlich höhere Zahl. Hier ist die Unterscheidung wichtig.

Die 92,04 Milliarden Euro beziehen sich auf den Bilanzstichtag 31. Dezember 2025. Seitdem ist die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen nach Angaben von Metzler von rund 2,9 auf mehr als 3,5 Prozent gestiegen.

Dr. Marco Metzler rechnet diese Zinsbewegung auf die Bestände hoch und schätzt die aktuellen stillen Lasten auf rund 127 Milliarden Euro. Metzler setzt diesen Wert mit rund 14 Prozent des Kapitalanlagenbestands an.

Die 127 Milliarden Euro sind damit ausdrücklich keine Bilanzzahl der Versicherer, sondern eine von Metzler vorgenommene Hochrechnung.

Warum steigende Zinsen zunächst stille Lasten erzeugen

Der Zusammenhang ist grundsätzlich einfach: Steigen die Zinsen neu ausgegebener Anleihen, sinken die Marktwerte älterer Anleihen mit niedrigeren Zinsen. Genau darauf führt Metzler einen wesentlichen Teil der stillen Lasten zurück, die nach der Zinswende in den Kapitalanlagen der Lebensversicherer entstanden sind. Solange solche Anleihen bis zur Endfälligkeit gehalten werden können, müssen die zinsbedingten stillen Lasten allerdings nicht realisiert werden.

Gleichzeitig sind höhere Zinsen für Lebensversicherer nicht grundsätzlich negativ. Neu anzulegendes Kapital kann wieder zu höheren Renditen investiert werden. Das Problem liegt vor allem in den niedrig verzinsten Altbeständen und dem damit verbundenen eingeschränkten Spielraum bei deren Umschichtung.

Das Rating zeigt vor allem große Unterschiede

Das Metzler-Rating liefert damit keine einfache Aussage nach dem Muster „gut“ oder „schlecht“. Es zeigt vielmehr, wie weit die bilanziellen Ausgangslagen der 30 größten Lebensversicherer inzwischen auseinanderliegen.

Auf der einen Seite stehen WWK und Hannoversche mit stillen Reserven. Auf der anderen Seite weisen neun Gesellschaften nach der Metzler-Methodik negative Sicherheitsmittelquoten auf. Gleichzeitig unterscheiden sich auch die Nettoverzinsungen deutlich.

Bemerkenswert bleibt vor allem die Entwicklung der stillen Lasten: von 65,37 Milliarden Euro Ende 2024 auf 92,04 Milliarden Euro Ende 2025. Das sind rund 26,7 Milliarden Euro mehr innerhalb eines Jahres.

Bei der Bewertung dieser Zahlen sollte allerdings immer klar bleiben, was hier gemessen wird: Das Qualitätsrating von Metzler ist ein aus veröffentlichten HGB-Bilanzdaten abgeleitetes Modell. Es ist weder eine Solvency-II-Betrachtung noch ein Bonitätsrating.

Gerade deshalb lohnt sich der Blick hinter die Gesamtnote. Denn erst die Methodik zeigt, was ein Rating tatsächlich aussagt – und was nicht.


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