Amazon Pay baut Versicherungsgeschäft in Indien aus

Amazon Pay greift in Indien nach dem nächsten Versicherungssegment. Nach Kfz- und Krankenversicherung soll nun die Reiseversicherung folgen. Dahinter steckt ein größerer Plan: Amazon will beim Bezahlen nicht Schluss machen.

Amazon Pay will in Indien künftig auch Reiseversicherungen vermitteln. Das sagte Indien-Chef Vikas Bansal am 11. September gegenüber Reuters. Der Schritt passt ins Bild: Kfz-Versicherungen bietet Amazon Pay bereits an, inzwischen auch Krankenversicherungen. Weitere Sparten sollen folgen. Amazon selbst trägt dabei kein Versicherungsrisiko, sondern vermittelt Produkte von Versicherern. Das reicht allerdings, um an einer entscheidenden Stelle im Geschäft zu sitzen: beim Kunden.

Amazon will mehr als Zahlungen

Amazon Pay begann als Bezahldienst. Dabei soll es nicht bleiben. Zahlungen, Kredite, Versicherungen, Sparen und Geldanlage sollen enger zusammenrücken. Amazon baut in Indien Schritt für Schritt eine Finanzplattform auf. Dazu passt die Übernahme des Finanzdienstleisters Axio, mit der Amazon sein Kreditgeschäft stärkt. Versicherung steht also nicht zufällig nebenbei im Regal. Sie gehört inzwischen zum Konzept.

Amazon muss den Kunden nicht erst suchen

Hier liegt der große Vorteil. Amazon muss Menschen nicht erst mit Werbung zu einem Versicherungsangebot locken. Viele sind längst da. Sie kaufen ein, bezahlen, buchen Reisen oder finanzieren Anschaffungen. Genau an diesen Stellen kann Amazon Versicherung einschieben: Reise gebucht, Reiseversicherung dazu. Auto finanziert, Versicherung gleich mit anbieten.

Das Prinzip nennt sich Embedded Insurance. Der sperrige Begriff beschreibt etwas ziemlich Einfaches: Versicherung taucht dort auf, wo der Bedarf entsteht. Amazon hat dafür eine Ausgangslage, von der klassische Versicherungsvertriebe nur träumen können.

Indien bietet reichlich Platz für Wachstum

Auch der Markt spielt Amazon in die Karten. Nach Zahlen von GlobalData könnte das Prämienvolumen der indischen Schaden- und Unfallversicherung von 43,4 Milliarden US-Dollar im Jahr 2026 auf mehr als 62 Milliarden US-Dollar im Jahr 2030 steigen. Auch in der Krankenversicherung sieht Amazon erhebliches Potenzial. Ganz neu ist der Konzern in der Branche ohnehin nicht: Amazon hält bereits eine Minderheitsbeteiligung am indischen Digitalversicherer Acko. Dessen Produkte werden ebenfalls über Amazon Pay angeboten.

In Großbritannien ging der Versuch schief

Dass ein großer Name allein noch kein Versicherungsgeschäft macht, hat Amazon selbst erlebt. 2022 startete der Konzern in Großbritannien einen Vergleich für Hausrat- und Gebäudeversicherungen. Gut ein Jahr später war Schluss. Anfang 2024 zog Amazon den Stecker. Der Markt war hart umkämpft, etablierte Vergleichsportale saßen fest im Sattel. Amazon konnte seine Größe dort nicht in einen dauerhaften Erfolg übersetzen. Millionen Kunden helfen. Sie garantieren aber nichts.

Diesmal geht Amazon anders vor

Der indische Weg ist breiter angelegt. Amazon stellt dort nicht einfach einen Versicherungsvergleich neben sein übriges Geschäft. Der Konzern verbindet Bezahlen, Kredit, Versicherung und weitere Finanzdienste miteinander. Genau das macht den Ansatz interessant.

Für Versicherer und Vermittler stellt sich damit eine Frage, die weit über Indien hinausgeht: Wer hat künftig den direkten Draht zum Kunden? Der Versicherer, der Vermittler – oder die Plattform, auf der der Kunde ohnehin schon einkauft, bezahlt und finanziert?

Amazon kennt seine Antwort.


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