Dieter Kindermann: „Das einzige, was vor uns liegt, ist die Zukunft“

Seit mehr als fünf Jahrzehnten ist Dieter Kindermann in der Versicherungsbranche tätig. Der gebürtige Ostfriese begann seine Laufbahn in der Lebensversicherung, übernahm später Führungsverantwortung in großen Versicherungsunternehmen und gründete schließlich sein eigenes Versicherungshaus.

Doch wer Kindermann kennt, verbindet seinen Namen längst nicht nur mit der Branche. Seit vielen Jahren engagiert er sich in sozialen Projekten, ist mit einem international tätigen Kinderhilfswerk verbunden und setzt sich ebenso für Natur- und Umweltschutz ein. Unternehmertum und gesellschaftliche Verantwortung gehören für ihn untrennbar zusammen. Über diese Themen sprach Kindermann im Podcast „Nachklang“ der Initiative bessergrün.

Dieter F. Kindermann gehört seit Jahrzehnten zu den prägenden Persönlichkeiten der deutschen Versicherungswirtschaft. Nach Stationen in leitenden Funktionen unter anderem bei der Berlinischen Leben, der Nürnberger, der Aachener und Münchener sowie der WWK ist er heute geschäftsführender Gesellschafter des Versicherungshauses RKA in Stadthagen. Darüber hinaus engagierte er sich viele Jahre als Präsident der Kinderhilfsorganisation ICH – International Children Help e.V. und ist als Autor, Berater und Netzwerker in der Branche aktiv.

Die Brancheninitiative bessergrün möchte mit nachhaltigkeitsorientierten Versicherungsmaklern und Versicherern ökologische und gesellschaftliche Verantwortung stärker in der Versicherungsbranche verankern. In dem Gespräch ging es um Werte, Nachhaltigkeit, soziales Engagement und die Frage, welche Verantwortung Unternehmen in einer sich wandelnden Gesellschaft übernehmen sollten.

Im Gespräch mit Dieter Kindermann

Bereits zu Beginn macht Kindermann deutlich, dass für ihn nicht Titel oder Funktionen entscheidend sind, sondern die Haltung dahinter. Auf die Frage, wer Dieter Kindermann sei, wenn er gerade nicht Unternehmer, Stifter oder Initiator ist, antwortet er mit einem einfachen, aber deutlichen Bekenntnis: „Für mich sind alle Menschen wirklich gleich.“

Zur Begründung verweist er auf etwas, das alle Menschen miteinander verbinde: „Jedes Kind auf dieser Welt – wir alle haben die gleiche Farbe des Herzens, die gleiche Farbe des Blutes.“ Seine persönliche Motivation fasst er schließlich in einem Satz zusammen.

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„Meine Hauptaufgabe ist: Ich liebe Menschen.“

— Dieter Kindermann

Diese Haltung habe ihn nach eigener Aussage von Beginn seiner beruflichen Laufbahn begleitet. Einen Wendepunkt, an dem wirtschaftlicher Erfolg plötzlich den Wunsch ausgelöst habe, der Gesellschaft etwas zurückzugeben, habe es nicht gegeben. Verantwortung sei für ihn keine spätere Erkenntnis gewesen, sondern von Anfang an Teil seines Handelns.

Vor 54 Jahren habe er bei der Berlinischen Lebensversicherung in Wiesbaden gelernt, berichtet Kindermann. Später sei er auf Vorstandsebene tätig und für mehrere Tausend Mitarbeiter verantwortlich gewesen. Schließlich habe er sich selbstständig gemacht und ein eigenes Versicherungshaus gegründet. Die Absicherung und Versorgung von Menschen sei dabei stets der Kern seiner beruflichen Tätigkeit geblieben. Auf die Frage nach dem Moment, in dem aus Erfolg gesellschaftliche Verantwortung geworden sei, antwortet Kindermann deshalb knapp: „Es gab jetzt nicht den einen Moment. Das war von Anfang an so.“

Einen breiten Raum nimmt im Gespräch das Thema Nachhaltigkeit ein. Kindermann nähert sich ihm weniger über politische Programme oder theoretische Konzepte als über konkrete Beobachtungen aus dem Alltag. Dabei kritisiert er vor allem den verschwenderischen Umgang mit Ressourcen und die zunehmende Verpackungsflut.

Als Beispiel nennt er eine Lieferung mit rund 100 Keksen, bei der jedes einzelne Stück noch einmal separat verpackt gewesen sei. „Jeder Keks ist einzeln verpackt. Das ist Irrsinn“, sagt Kindermann. Ähnliches beobachte er bei kleinen Produkten, die in unverhältnismäßig großen Paketen geliefert würden.

Gleichzeitig warnt er davor, Nachhaltigkeit gegen wirtschaftliches Handeln auszuspielen. „Wir brauchen Wirtschaft, wir brauchen Wachstum“, betont er. Wachstum dürfe sich allerdings nicht allein auf Produktion und Konsum beziehen: „Wir brauchen vor allen Dingen Wachstum im Bereich der Natur, denn wir rauben ja die Natur jeden Tag aus.“

Immer wieder kehrt Kindermann zu der Überzeugung zurück, dass gesellschaftlicher Wandel beim Einzelnen beginnt. Verantwortung lasse sich nicht allein an Politik, Wirtschaft oder Institutionen delegieren. Jeder Mensch müsse sein eigenes Verhalten überprüfen und sich bewusst machen, welche Folgen seine Entscheidungen haben.

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„Wir sind die Bewahrer dieser Natur.“

— Dieter Kindermann

Die Natur sei den Menschen anvertraut worden und müsse deshalb erhalten werden, erklärt Kindermann. Aufforstung und Renaturierung seien keine abstrakten Aufgaben, sondern Voraussetzungen dafür, das ökologische Gleichgewicht wiederherzustellen. „Die Erde atmet und wir leben von diesem Atem“, sagt er. Bessergrün habe nach seiner Erinnerung inzwischen die Pflanzung von rund 200.000 Bäumen initiiert. Das sei ein Anfang, müsse aber langfristig in die Millionen gehen.

Auch die persönliche Verantwortung bringt Kindermann unmissverständlich auf den Punkt. Wer bei Glatteis losfahre und einen Unfall verursache, könne nicht einfach dem Wetter die Schuld geben. „Es beginnt im Prinzip alles bei uns selbst“, sagt er und wiederholt anschließend viermal dasselbe Wort: „Bewusstsein, Bewusstsein, Bewusstsein, Bewusstsein.“

Dabei grenzt er seine Haltung ausdrücklich von parteipolitischen Zuordnungen ab.

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„Ich bin weder grün noch schwarz noch rot noch gelb – ich denke meine Fehler selbst.“

— Dieter Kindermann

Verantwortung sei für ihn keine Frage politischer Lager, sondern des persönlichen Handelns. bessergrün habe ihn deshalb nicht erst von einer neuen Idee überzeugen müssen. Die Initiative habe vielmehr zu einer Überzeugung gepasst, die ihn bereits seit Jahrzehnten begleite.

Auch Unternehmen sieht Kindermann in der Pflicht. Nachhaltigkeit dürfe nicht bei Imagekampagnen oder Werbebotschaften stehen bleiben, sondern müsse in wirtschaftliche Entscheidungen einfließen. Für ihn ist jedes Produkt mit gesellschaftlichen und ökologischen Kosten verbunden. Papier bezeichnet er bildhaft als einen „in Scheiben geschnittenen Baum“.

Seine Forderung lautet deshalb, einen Beitrag zum Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen fest in Produkte und Dienstleistungen einzupreisen. Das gelte auch für die Versicherungswirtschaft: „Wenn Versicherer eine Versicherung verkaufen, dann darf doch im Prinzip da auch ein Euro abspringen, um einen Setzling zu pflanzen.“

Verantwortung beginnt für Kindermann allerdings schon wesentlich früher – in der Familie. Kinder seien immer auch ein Spiegelbild ihres Zuhauses. Dort müssten sie Respekt lernen: vor den Eltern, vor der Natur, vor Lebensmitteln und vor den Dingen, die nicht einfach weggeworfen werden sollten.

Kindermann vergleicht gesellschaftliche Regeln dabei mit Leitplanken auf einer Autobahn. Ohne sie würden die Menschen nach seiner Einschätzung „achtspurig fahren“. Es brauche Orientierung, Erziehung und Menschen, die glaubwürdige Botschaften vermitteln könnten. „Wir müssen Menschen mitnehmen“, lautet seine wiederkehrende Forderung.

Mit Sorge betrachtet er in diesem Zusammenhang die Entwicklung der sozialen Medien. Vor allem die Verkürzung komplexer Themen auf immer knappere Inhalte und die daraus entstehenden kurzen Aufmerksamkeitsspannen sieht er kritisch.

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„Wenn ich in die neue Welt schaue, die ja TikTok heißt oder wie auch immer, dann wird mir Angst und Bange.“

— Dieter Kindermann

Kindermann kritisiert jedoch nicht nur, sondern formuliert auch einen Anspruch an diejenigen, die über soziale Medien große Reichweiten erzielen. Kurze Inhalte sollten nicht ausschließlich gefährliche oder zweifelhafte Verhaltensweisen verbreiten. Sie könnten ebenso zeigen, „wie ich noch mehr für die Natur machen kann“.

Gerade junge Menschen seien an kurze Impulse gewöhnt. Deshalb müsse es gelingen, sie auch mit kurzen, verständlichen Botschaften über Verantwortung, Natur- und Umweltschutz zu erreichen. „Die Jugend ist heute unsere Zukunft“, sagt Kindermann. „Wir leben in unseren Kindern weiter.“

Im weiteren Verlauf des Podcasts spricht Kindermann auch ausführlicher über sein Verhältnis zu bessergrün. Die Initiative habe ihn gefunden, sagt er, weil deren Ziele zu seiner eigenen Auffassung passten. Besonders begrüßt er, dass aus bessergrün ein eingetragener und gemeinnütziger Verein werden soll.

„Ich finde es so großartig, dass aus bessergrün jetzt ein eingetragener Verein wird“, erklärt er. Durch die Gemeinnützigkeit werde deutlich, dass nicht die Wirtschaftlichkeit für einzelne Personen im Mittelpunkt stehe, „sondern dieser Verein der Menschlichkeit“. Kindermann zeigt sich dankbar, gemeinsam mit weiteren Unterstützern zu den Mitgründern gehören zu dürfen.

Große Überzeugungsarbeit sei dafür nicht notwendig gewesen. Mit den Verantwortlichen bei den NV Versicherungen sei er seit Jahren verbunden. Kindermann beschreibt die Zusammenarbeit mit ostfriesischem Pragmatismus: „Wir Ostfriesen, wir gucken uns an, wir schauen uns in die Augen, wir geben uns die Hand und dann löppt dat.“

Zum Ende des Gesprächs wird der Podcast persönlicher. Auf die Frage, was von seinem Wirken einmal bleiben solle, spricht Dieter Kindermann weder über wirtschaftliche Erfolge noch über die zahlreichen Projekte, an denen er beteiligt war. Sein Wunsch sei vielmehr, dass die Menschen wieder näher zusammenrücken.

Seine Kinder und Kindeskinder sollten etwas von der traditionellen Haltung ihrer Vorfahren mitnehmen und lernen, Verantwortung für die Erde zu übernehmen. Kindermann bezeichnet sie als „Muttererde“: Sie habe den Menschen die Chance gegeben, hier zu leben, und müsse deshalb auch gepflegt werden.

Auch seine künftigen Projekte versteht er in diesem Zusammenhang. Er berichtet von Schulen und Brunnen in Ghana, von geplanten Reisen nach Rumänien und Paraguay und von seinem Wunsch, Menschen dabei zu unterstützen, für ihre Kinder und deren Zukunft zu sorgen. Ein neu gepflanzter Baum sei ebenfalls wie ein Kind: Er wachse, werde grün und helfe dabei, Lebensqualität zu erhalten.

Als Kindermann schließlich gefragt wird, ob ihm zum Abschluss noch etwas auf dem Herzen liege, spricht er über die Hoffnung, die ihm bessergrün und das gemeinsame Engagement vieler Menschen geben. Dann formuliert er den Gedanken, der sich wie ein roter Faden durch das gesamte Gespräch zieht:

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„Das einzige, was vor uns liegt, ist doch die Zukunft.“

— Dieter Kindermann

Es ist zugleich Kindermanns Antwort auf die Frage, was von seinem Wirken bleiben soll: die Überzeugung, dass Verantwortung nicht rückwärtsgewandt ist, sondern immer davon handelt, welche Welt Menschen ihren Kindern und Enkeln hinterlassen.


Den Podcast könnt ihr übrigens hier abrufen:

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