Mehr Schutz für moderne Immobilien und aktuelle Risiken
Mit ihrem aktuellen Produktupdate reagiert die VHV auf die veränderten Anforderungen moderner Wohngebäude. Photovoltaikanlagen, Wärmepumpen, Smart-Home-Technik und Balkonkraftwerke gehören heute vielerorts zur Standardausstattung und erhöhen zugleich den Bedarf an zeitgemäßem Versicherungsschutz. Entsprechend wurde der Leistungsumfang an zahlreichen Stellen erweitert und um mehrere neue optionale Bausteine ergänzt.
Von den Neuerungen profitieren jedoch nicht alle Versicherungsnehmer gleichermaßen. Während einige Verbesserungen bereits im Tarif Klassik-Garant enthalten sind, bleiben wesentliche Leistungsmerkmale weiterhin dem Exklusiv-Tarif vorbehalten.
Die wichtigsten Leistungsverbesserungen
Eine der bedeutendsten Neuerungen ist die Einführung einer Besitzstandsgarantie. Sie richtet sich an Wechselkunden und stellt sicher, dass im Schadenfall auch weitergehende Leistungen des bisherigen Versicherers berücksichtigt werden können. Damit stärkt die VHV ihre Wettbewerbsfähigkeit, beschränkt den Baustein jedoch auf den Exklusiv-Tarif.
Verbessert wurde außerdem der Schutz für Ableitungsrohre. Im Exklusiv-Tarif besteht künftig nicht nur Versicherungsschutz bei klassischen Rohrbrüchen, sondern auch bei Schäden durch Wurzeleinwuchs oder Muffenversatz. Die Entschädigung ist auf 10.000 Euro begrenzt.
An den heutigen Wohnstandard angepasst wurde auch der Versicherungsschutz bei bestimmungswidrig austretendem Wasser. Neben Aquarien, Wasserbetten und Whirlpools gelten nun ausdrücklich auch Zimmerbrunnen und Wassersäulen als versicherte Wasserquellen. Diese Erweiterung gilt in beiden Tariflinien.
Mehr Sicherheit bietet die VHV künftig auch bei grob fahrlässigen Obliegenheitsverletzungen. Im Exklusiv-Tarif verzichtet der Versicherer bis zu einer Entschädigungsgrenze von 5.000 Euro auf Leistungskürzungen wegen grob fahrlässiger Verstöße gegen Obliegenheiten oder Sicherheitsvorschriften. Im Marktvergleich fällt diese Entschädigungsgrenze allerdings eher niedrig aus. Zahlreiche Wettbewerber sehen hierfür deutlich höhere Sublimits vor oder verzichten inzwischen völlig auf die Anrechnung.
Praxisgerechter ausgestaltet wurde zudem der Versicherungsschutz bei vorübergehendem Leerstand. Gebäude bleiben im Exklusiv-Tarif nun bis zu 180 Tage unbewohnt versichert, ohne dass dadurch der Versicherungsschutz entfällt.
Der wachsenden Bedeutung dezentraler Energieversorgung trägt die VHV ebenfalls Rechnung. Balkonkraftwerke sind künftig ausdrücklich Bestandteil des Versicherungsschutzes und sowohl im Klassik-Garant als auch im Exklusiv-Tarif mitversichert.
Erweitert wurde außerdem der Umfang der versicherten Grundstücksbestandteile. Nebengebäude bis 25 Quadratmeter Grundfläche sind nun in beiden Tarifvarianten eingeschlossen.
Neu ist darüber hinaus die Absicherung von Spechtschäden. Ergänzend zum bisherigen Schutz gegen Tierbissschäden leistet der Exklusiv-Tarif künftig auch für Schäden durch Spechte bis zu einer Entschädigungsgrenze von 5.000 Euro.
Mehr Flexibilität erhalten Versicherungsnehmer nach einem Totalschaden. Die Frist für den Wiederaufbau wurde auf fünf Jahre verlängert und gilt künftig gleichermaßen für beide Tariflinien.
Neue Bausteine für moderne Gebäudetechnik
Neben den Leistungsverbesserungen erweitert die VHV ihr Produkt um mehrere optionale Zusatzbausteine, die den Versicherungsschutz gezielt an moderne Gebäudetechnik und aktuelle Bauvorhaben anpassen.
Neu ist zunächst ein Allgefahrenschutz für Wärmepumpen-, Geothermie- und Solarthermieanlagen.
Ebenfalls neu ist der Baustein Gebäudetechnik & Smart Home. Er umfasst unter anderem Smart-Home-Steuerungen, Netzwerktechnik, elektrische Rollläden, Klingel- und Videosprechanlagen, Kommunikationssysteme, Aufzüge, Treppenlifte sowie Wallboxen und weitere fest mit dem Gebäude verbundene technische Einrichtungen. Auch hier basiert der Versicherungsschutz auf einem Allgefahrenkonzept.
Der bereits bestehende Photovoltaik-Baustein wurde erweitert und schließt nun auch Fassadenanlagen ein. Der Versicherungsschutz umfasst weiterhin einen Allgefahrenschutz einschließlich Elektronikversicherung, Ertragsausfallversicherung sowie Neuwertentschädigung inklusive Bezugs- und Installationskosten.
Ergänzt wird das Angebot durch den Baustein Unbenannte Gefahren, der Versicherungsschutz für unvorhersehbare Schadenereignisse bietet, sowie durch den Baustein ProBau. Dieser kombiniert den Feuerrohbauschutz während der Bauphase mit einer Bauherren-Haftpflicht-, Bauleistungs- und Bauhelfer-Unfallversicherung. Sämtliche neuen Bausteine können sowohl zum Tarif Klassik-Garant als auch zum Exklusiv-Tarif hinzugewählt werden.
Kuriositäten
So überzeugend das Produktupdate insgesamt ausfällt, bleiben bei einzelnen Punkten Fragen offen. Besonders auffällig ist dies beim neuen Baustein ProBau. Weder der Produktübersicht noch den Versicherungsbedingungen lassen sich konkrete Versicherungssummen oder Leistungsgrenzen für die enthaltene Bauherren-Haftpflicht-, Bauleistungs- oder Bauhelfer-Unfallversicherung entnehmen.
Gerade diese Angaben wären für die Bewertung des Leistungsumfangs wichtig gewesen. Offen bleibt beispielsweise, wie hoch die Deckungssumme der Bauherren-Haftpflichtversicherung ausfällt, wie sich die Versicherungssumme der Bauleistungsversicherung bemisst oder welche Leistungen die Bauhelfer-Unfallversicherung – etwa bei Invalidität oder Todesfall – tatsächlich vorsieht. Es liegt daher nahe, dass die Versicherungssummen individuell vereinbart werden müssen.
Auch der Tarifrechner sorgte nicht für Klarheit. Bei einer Angebotsberechnung für einen Neubau war der angekündigte Baustein ProBau weder erwähnt noch auswählbar, noch fanden sich irgendwelche Hinweise auf diesen Baustein.
Maklerservice kennt Baustein ProBau nicht
Nicht sonderlich hilfreich zeigte sich zudem die Maklerhotline der VHV. Mehrere Mitarbeiter konnten den neuen Baustein nicht zuordnen und keine belastbaren Informationen liefern. Nach mehreren ratlosen Servicemitarbeitern, zahlreichen Weiterleitungen und insgesamt rund 30 Minuten Warteschleife meldete sich schließlich lediglich eine Computerstimme mit dem Angebot eines Rückrufs am folgenden Morgen. Eine belastbare Auskunft war bis Redaktionsschluss daher nicht mehr zu erhalten.
Experteneinschätzung
Mit dem aktuellen Produktupdate positioniert die VHV ihre Wohngebäudeversicherung wieder deutlich näher an der Spitzengruppe des Marktes. Der bisherige Tarif war in einigen Bereichen erkennbar in die Jahre gekommen, während viele Wettbewerber ihre Bedingungswerke kontinuierlich weiterentwickelt hatten.
Genau hier setzt das neue Tarifwerk an. Die VHV schließt zahlreiche Leistungslücken und berücksichtigt aktuelle Entwicklungen wie Wärmepumpen, Balkonkraftwerke und moderne Gebäudetechnik deutlich konsequenter als bislang. Hinzu kommen praxisnahe Erweiterungen wie die Besitzstandsgarantie, der Schutz bei Wurzeleinwuchs und Muffenversatz sowie neue Allgefahren-Bausteine für technische Gebäudeausstattung.
Für die Beratungspraxis empfiehlt sich aus meiner Sicht grundsätzlich der Abschluss des Exklusiv-Tarifs. Viele der entscheidenden Mehrleistungen – darunter die Besitzstandsgarantie, der erweiterte Rohrschutz, der Verzicht auf Leistungskürzungen bei grob fahrlässigen Obliegenheitsverletzungen sowie weitere Leistungsverbesserungen – stehen ausschließlich in dieser Tarifvariante zur Verfügung. Gerade unter Haftungsgesichtspunkten bietet sie Maklern ein deutlich höheres Maß an Beratungssicherheit.
Ebenso sinnvoll ist der Einschluss einer Elementardeckung. Positiv hervorzuheben ist dabei die Möglichkeit, zwischen Elementar I und Elementar II zu wählen. Bereits Elementar I deckt unter anderem Starkregen, Rückstau, Schneedruck, Dachlawinen, Lawinen, Erdsenkung, Erdrutsch, Erdbeben und Vulkanausbruch ab. Elementar II erweitert diesen Schutz zusätzlich um Überschwemmungen und Rückstau infolge der Ausuferung oberirdischer Gewässer.
Ein Pluspunkt ist auch der erweiterte Rückstaubegriff der VHV. Dadurch kann – abhängig von den konkreten Versicherungsbedingungen – bereits Versicherungsschutz bestehen, wenn Starkregen zu Nässeschäden führt, ohne dass zuvor eine klassische Überschwemmung des Grundstücks eingetreten sein muss. Für viele Eigentümer ohne unmittelbares Hochwasserrisiko kann daher bereits Elementar I eine wirtschaftlich attraktive Lösung darstellen, während sich Elementar II insbesondere für Gebäude in Gewässernähe empfiehlt.
Fazit
Mit dem aktuellen Update hat die VHV ihre Wohngebäudeversicherung umfassend modernisiert und zahlreiche Leistungen ergänzt, die inzwischen zum Marktstandard gehören oder diesen teilweise sogar übertreffen. Insbesondere der Exklusiv-Tarif bietet einen leistungsstarken Versicherungsschutz, der den Anforderungen moderner Wohngebäude gerecht wird.
Verbesserungspotenzial besteht allerdings weiterhin beim Service. Dass selbst die Maklerhotline über neu eingeführte Produktbausteine keine Auskunft geben konnte, hinterlässt einen vermeidbaren Eindruck. So positiv das Tarifupdate ausfällt, so wünschenswert wäre es, wenn die Qualität der Produktinformationen und die Schulung der Ansprechpartner künftig mit dem Leistungsniveau des Produkts Schritt halten würden.

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