Mit den Mittelstands-Assekuranz-Partnern (MAP) entsteht ein neuer Akteur im deutschen Versicherungsmarkt.
Hinter der Plattform stehen die Branchenmanager Mathias Pahl, Markus Hausberger und Kolja Zweering. MAP positioniert sich als technologiegestützter Multi-Spezialversicherungsmakler für mittelständische Unternehmen, gewerbliche Kunden und vermögende Privatkunden.
Öffentlich gemacht wurde das neue Unternehmen zunächst vor allem über den Bericht des Versicherungsmonitors. MAP beschreibt sich selbst als Plattform, die regionale Kundennähe mit spezialisierter Risiko- und Branchenberatung verbinden will. Im Fokus stehen insbesondere mittelständische Unternehmen, deren Anforderungen an Risikomanagement, Spezialisierung und internationale Versicherungslösungen nach Angaben des Unternehmens zunehmend komplexer werden.
Zum operativen Start gehört die Düsseldorfer Cremer Assekuranzmakler GmbH. Das Unternehmen gilt als etabliertes, mittelständisches Maklerhaus mit langjähriger Präsenz im Firmenkundengeschäft.
Plattformstrategie im fragmentierten Maklermarkt
MAP startet in einem Marktumfeld, das seit einigen Jahren von zunehmender Konsolidierung geprägt ist. Viele kleinere und mittelständische Versicherungsmakler stehen vor Herausforderungen wie Digitalisierungskosten, regulatorischen Anforderungen, Fachkräftemangel und Nachfolgefragen. Gleichzeitig wächst die Nachfrage nach spezialisierten Lösungen für Industrie- und Gewerbekunden.
MAP verfolgt nach eigener Darstellung das Ziel, ausgewählte Maklerhäuser unter einem gemeinsamen organisatorischen und technologischen Dach zusammenzuführen. Dabei sollen Spezialisierungen und Branchenkompetenzen gezielt ausgebaut werden.
Interessant ist dabei die Außendarstellung von MAP. In den bisherigen Veröffentlichungen stellt das Unternehmen weniger klassische Konsolidierungsziele in den Vordergrund, sondern betont vor allem Partnerschaft, Spezialisierung und langfristige Zusammenarbeit mit mittelständischen Maklerhäusern.
Besonders deutlich wird dies in einer englischsprachigen Mitteilung des Investors Inflexion. Dort erklärt Martin Preuss, Partner und DACH-Chef von Inflexion: „Der deutsche Maklermarkt braucht keinen weiteren Konsolidierer, sondern vielmehr einen integrierten, technologie- und KI-gestützten Makler mit Fokus auf den breiten Mittelstand.“
Gleichzeitig zeigt die Struktur des Projekts, dass MAP dennoch auf Wachstum und den Aufbau einer größeren Plattform ausgerichtet ist. Denn mit Inflexion steht ein internationaler Private-Equity-Investor hinter dem Unternehmen, dessen Geschäftsmodell typischerweise auf den Aufbau größerer Unternehmensgruppen und skalierbarer Strukturen durch Zukäufe und Beteiligungen an Maklerunternehmen ausgerichtet ist.
Investor im Hintergrund: Inflexion Private Equity Partners LLP
Finanziell unterstützt wird MAP also von Inflexion, einer internationalen Private-Equity-Gesellschaft mit Sitz in London. Das 1999 gegründete Unternehmen investiert schwerpunktmäßig in mittelständische Firmen und ist in verschiedenen europäischen Märkten aktiv. Die Beteiligung an MAP erfolgt über den Buyout Fund VI von Inflexion.
Inflexion beteiligt sich branchenübergreifend an Unternehmen aus den Bereichen Dienstleistungen, Technologie, Gesundheitswesen und Finanzdienstleistungen. Im Versicherungsmarkt verfügt der Investor bereits über Erfahrung mit Maklerplattformen. In Großbritannien war Inflexion unter anderem an David Roberts & Partners, Bollington Wilson und zuletzt Ascend Broking beteiligt.
In der Mitteilung zum MAP-Start beschreibt Inflexion die Ambition, MAP gemeinsam mit den Gründern zu einer „führenden Versicherungsplattform in Deutschland“ auszubauen. Gleichzeitig sollen angeschlossene Maklerhäuser ihre unternehmerische Identität behalten und Zugang zu zentraler Infrastruktur, Technologie, Spezialwissen und Wachstumsressourcen erhalten.
Öffentlich dokumentierte größere Kontroversen oder regulatorische Auffälligkeiten im Zusammenhang mit Inflexion ließen sich im Rahmen der Recherche nicht feststellen.
Die Gründer und ihre bisherigen Stationen
Mathias Pahl
Mathias Pahl verfügt über langjährige Erfahrung im Industrieversicherungs- und Maklergeschäft. Vor der Gründung von MAP war er unter anderem langjähriger Manager bei Willis Towers Watson. Er leitete das deutsche Maklergeschäft und fungierte unter anderem als CEO Germany. Anfang 2023 wechselte er zum US-Finanzdienstleister und Versicherungsmakler Acrisure und übernahm den Aufbau sowie die Leitung als Chef der deutschen Tochtergesellschaft. Das Ziel des Konsolidierers, auch in Deutschland durch Übernahmen schnell eine starke Position im Markt zu erreichen, schlug jedoch fehl und Pahl verließ deshalb das Unternehmen, woraufhin sich Acrisure wieder aus dem deutschen Markt zurückzog. Anfang 2025 machte er sich mit der Beratungsfirma „Moon“ selbstständig, bevor nun der Aufbau von MAP folgte.
Bei MAP übernimmt Pahl die Funktion des Chief Executive Officer (CEO) und verantwortet damit den strategischen Aufbau und die Weiterentwicklung der neuen Plattform.
Pahl formuliert für MAP einen klaren strategischen Anspruch. Ziel sei es, mittelständischen Kunden Zugang zu spezialisierten Versicherungslösungen zu ermöglichen, „die bislang häufig nur großen Unternehmen vorbehalten waren“, kombiniert mit persönlicher Beratung und moderner Technologie.
Markus Hausberger
Markus Hausberger verfügt ebenfalls über langjährige Erfahrung im Versicherungs- und Maklergeschäft. Öffentlich tritt er bislang vor allem im Zusammenhang mit dem Aufbau der neuen MAP-Plattform in Erscheinung. Er fungiert als Chief Financial Officer (CFO) von MAP. Damit dürfte sein Schwerpunkt insbesondere auf Finanzierung, Beteiligungsstruktur, Wachstum, Integration neuer Partnerunternehmen sowie kaufmännischen Themen liegen.
Kolja Zweering
Kolja Zweering ist Geschäftsführer der Düsseldorfer Cremer Assekuranzmakler GmbH, die das erste Unternehmen innerhalb der MAP-Plattform ist. Die Cremer Assekuranz ist seit vielen Jahren im gewerblichen Versicherungsgeschäft tätig und bildet den operativen Ausgangspunkt von MAP. Er bleibt parallel Geschäftsführer der Cremer Assekuranzmakler GmbH und bringt damit vor allem die operative Perspektive eines etablierten mittelständischen Maklerhauses in die neue Plattform ein. Zugleich gehört er zum Managementteam und Gesellschafterkreis von MAP.
Noch kaum öffentliche Präsenz
Zum Zeitpunkt meiner Recherche war die öffentliche Internetpräsenz von MAP noch vergleichsweise überschaubar und beschränkte sich auf einzelne Medienberichte und die bereits angeführte Veröffentlichung des Investors. Besonders erstaunt hat mich, dass bisher noch keine eigene Unternehmenswebsite von MAP gefunden werden konnte. Vermutlich befinden sich diese noch im Aufbau.
Mit dem Einstieg von Inflexion und der Integration der Cremer Assekuranz positioniert sich MAP dennoch frühzeitig als weiterer Akteur im zunehmend konzentrierten deutschen Maklermarkt. Wie schnell die Plattform wächst und welche weiteren Maklerhäuser sich anschließen, dürfte in den kommenden Monaten zu den entscheidenden Fragen gehören.
Mein Kommentar:
„Der deutsche Maklermarkt braucht keinen weiteren Konsolidierer.“ — Diesen Satz von Martin Preuss, DACH-Chef von Inflexion, nehme ich gerne beim Wort. Allein: Mir fehlt bislang noch ein wenig der Glaube.
Natürlich ist es kommunikativ geschickt aufgebaut. Die angeschlossenen Maklerhäuser sollen ihre unternehmerische Identität behalten, gleichzeitig Zugang zu Infrastruktur, Technologie, Spezialwissen und Wachstumsressourcen erhalten. Das klingt partnerschaftlich, modern und beinahe wie eine reine Unterstützungsplattform für den Mittelstand. Und genau deshalb versteht man sich offenbar auch nicht als klassischer Konsolidierer.
Man muss allerdings kein Zyniker sein, um an dieser Stelle zumindest aufmerksam zu werden. Denn am Ende steht hinter MAP ein internationaler Private-Equity-Investor – und bei solchen Investoren sind Zielrichtung, Geschäftsmodell und Zeithorizont in der Regel nicht völlig überraschend.
Der klassische Private-Equity-Zyklus ist seit Jahren bekannt: Unternehmen werden aufgebaut oder zusammengeführt, skaliert, effizienter organisiert und nach einigen Jahren mit Wertsteigerung wieder veräußert. In der Branche spricht man dabei vom „Exit“. Genau darin liegt letztlich das Geschäftsmodell vieler Beteiligungsgesellschaften.
Das ist zunächst weder verwerflich noch ungewöhnlich. Der deutsche Versicherungsmarkt befindet sich schließlich schon seit Jahren in einem fortlaufenden Konsolidierungsprozess. Gleichzeitig gilt der Markt im internationalen Vergleich weiterhin als stark fragmentiert. Genau deshalb dürfte die Konsolidierung noch längst nicht abgeschlossen sein – im Gegenteil: Es wird weiter kräftig daran gearbeitet.
Und genau in dieses Bild passt letztlich auch MAP. Deshalb fällt es zumindest schwer, zu erkennen, worin der grundlegende Unterschied zu anderen Plattform- und Konsolidierungsmodellen tatsächlich bestehen soll. Die strategische Erzählung ist ohne Frage kreativ und kommunikativ sauber formuliert. Ob daraus am Ende aber wirklich ein grundsätzlich anderes Modell entsteht, wird sich erst noch zeigen müssen.
Jedes Maklerhaus, das sich einer solchen Plattform anschließt beziehungsweise sich beteiligen lässt, wird die entsprechenden Konstruktionen sicherlich sehr genau prüfen. Gerade die versprochene unternehmerische Eigenständigkeit dürfte dabei ein zentraler Punkt sein. Denn die entscheidende Frage lautet am Ende häufig nicht, was zu Beginn versprochen wird – sondern ab welchem Punkt Investoren anfangen, stärker auf operative Entscheidungen, Prozesse oder strategische Ausrichtungen Einfluss zu nehmen. Dass dies irgendwann geschieht, liegt letztlich in der Natur solcher Beteiligungsmodelle und wäre kaum überraschend.
Ein Blick auf frühere Entwicklungen im Markt zeigt zumindest, dass solche Konstellationen nicht immer spannungsfrei verlaufen. Verwiesen sei etwa auf die Entwicklung rund um die Helmsauer Gruppe und die spätere Gründung der RVH Helmsauer Brüder GmbH. Diese entstand nach dem Einstieg eines Private-Equity-Investors und den darauffolgenden Auseinandersetzungen um Einfluss und strategische Ausrichtung – Entwicklungen, infolge derer Steffen und Bastian Helmsauer das ursprüngliche Familienunternehmen verließen und anschließend mit der RVH Helmsauer Brüder GmbH eine neue Gesellschaft gründeten.
Aber wahrscheinlich bin ich am Ende auch einfach nur ein unverbesserlicher Schwarzseher – und selbstverständlich wird vermutlich alles genauso partnerschaftlich, eigenständig und mittelstandsfreundlich funktionieren, wie es die Beteiligten heute offiziell verlautbaren.

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