Stoïk: Cyber-Schutz neu gedacht

Cyberrisiken werden realer Die klassische Cyberversicherung war lange ein Produkt für IT-Abteilungen: Sie griff, wenn Daten gestohlen oder Server verschlüsselt wurden. Doch diese Logik wirkt zunehmend überholt. Cyberangriffe haben sich aus dem Serverraum herausgelöst und treffen heute Lieferketten, Produktionsprozesse und Mitarbeitende selbst. Der europäische Assekuradeur Stoïk reagiert auf diesen Wandel und passt seine Police an […]

Cyberrisiken werden realer

Die klassische Cyberversicherung war lange ein Produkt für IT-Abteilungen: Sie griff, wenn Daten gestohlen oder Server verschlüsselt wurden. Doch diese Logik wirkt zunehmend überholt. Cyberangriffe haben sich aus dem Serverraum herausgelöst und treffen heute Lieferketten, Produktionsprozesse und Mitarbeitende selbst. Der europäische Assekuradeur Stoïk reagiert auf diesen Wandel und passt seine Police an eine Realität an, in der digitale Angriffe sehr reale Schäden verursachen.

Im Zentrum der Überarbeitung steht ein Perspektivwechsel. Cyberrisiken werden nicht mehr isoliert als IT-Probleme betrachtet, sondern als umfassende Betriebsrisiken.

Mit der Überarbeitung weitet Stoïk zunächst den räumlichen Geltungsbereich aus. Der Versicherungsschutz gilt künftig weltweit und nicht mehr nur innerhalb Europas. Neu ist zudem die Einbeziehung von Sachschäden infolge einer Betriebsunterbrechung nach einem Cybervorfall. Mit der sogenannten Verderbsklausel können unter bestimmten Voraussetzungen auch Schäden wie verdorbene Rohstoffe sowie Kosten für Entsorgung und Ersatzbeschaffung berücksichtigt werden, während bislang vor allem Vermögensschäden im Fokus standen.

Auch die Betrugsdeckung wird ausgeweitet. Das Sublimit steigt von 50.000 auf 100.000 Euro. Zusätzlich werden weitere Fallkonstellationen einbezogen, darunter manipulierte Rechnungen ohne direkten IT-Eingriff, Cryptojacking sowie der Missbrauch von Telefonanlagen.

Erstmals werden zudem KI-gestützte Täuschungen ausdrücklich berücksichtigt. Dazu zählen etwa Deepfake-Videos, synthetische Stimmen oder automatisierte Social-Engineering-Angriffe, die gezielt zur Täuschung von Mitarbeitenden eingesetzt werden.

Ergänzt wird die Deckung schließlich um einen erweiterten Drittanspruch-Schutz. Dieser kann auch dann greifen, wenn kein unmittelbarer Angriff auf das eigene System vorliegt, etwa wenn externe Dienstleister oder Partner kompromittiert werden und daraus Ansprüche gegen das versicherte Unternehmen entstehen.

Ein Markt unter Druck

Diese Erweiterung fällt in eine Phase, in der sich der Cyberversicherungsmarkt grundlegend verändert. Was früher als kalkulierbare Deckung galt, entwickelt sich zunehmend zu einem komplexen und teuren Produkt. Für 2026 werden wieder steigende Prämien erwartet – im Schnitt um 15 bis 20 Prozent. Gleichzeitig schrumpft die tatsächliche Deckung. Dies berichtet das Onlinemagazin digital-chiefs.de.

Ein zentrales Problem liegt demnach in der Schadenpraxis: Ein erheblicher Anteil der gemeldeten Schäden wird heute ganz oder teilweise abgelehnt. Bei Datenschutzverletzungen betrifft das rund ein Viertel der Fälle, insgesamt sogar noch mehr.

Für Unternehmen entsteht daraus eine unangenehme Dynamik: Die Kosten steigen, während die Verlässlichkeit der Absicherung sinkt. Cyberversicherung wird damit weniger zu einem Sicherheitsnetz und mehr zu einem streng regulierten Finanzinstrument.

Warum Versicherer strenger werden

Der Grund für diese Entwicklung liegt in der Bedrohungslage. Cyberkriminalität wächst rasant und erreicht inzwischen globale Dimensionen. Würde man sie als Volkswirtschaft betrachten, wäre sie eine der größten der Welt.

Besonders ins Gewicht fallen Ransomware-Angriffe, die einen großen Teil der Versicherungsfälle ausmachen und zunehmend höhere Schäden verursachen. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Versicherungsnehmer deutlich. Versicherer prüfen heute nicht mehr nur formal, ob Sicherheitsmaßnahmen existieren, sondern ob sie tatsächlich umgesetzt sind.

Das führt dazu, dass Cyberversicherung immer stärker an konkrete Bedingungen geknüpft ist. Ohne Maßnahmen wie Multi-Faktor-Authentifizierung, funktionierende Backups oder getestete Notfallpläne gibt es oft gar keinen Versicherungsschutz mehr – oder nur stark eingeschränkt.

KI verändert die Angriffe

Parallel verändert künstliche Intelligenz die Art der Angriffe. Genau hier setzt auch Stoïk mit der neuen Deckung gegen KI-gestützte Täuschungen wie Deepfakes oder Stimmklone an.

Diese Angriffe zielen nicht primär auf Systeme, sondern auf Menschen. Sie nutzen Vertrauen, Hierarchien und Kommunikationsgewohnheiten aus. Mitarbeitende werden etwa durch täuschend echte Sprachnachrichten oder Videos dazu gebracht, Überweisungen auszulösen oder sensible Daten preiszugeben. Klassische Sicherheitsmechanismen greifen hier oft zu spät, weil kein technischer Einbruch im engeren Sinne stattfindet.

Dass Stoïk diese Risiken ausdrücklich benennt, ist bemerkenswert. Viele Versicherer reagieren auf neue Bedrohungen eher mit Ausschlüssen oder Einschränkungen. Hier wird der gegenteilige Weg gewählt: Die Realität wird in die Police integriert.

Mehr Leistung gegen den Trend

Auch bei klassischen Betrugsszenarien geht Stoïk einen ungewöhnlichen Schritt. Während viele Anbieter Leistungen begrenzen, erweitert das Unternehmen seine Deckung und erhöht die finanziellen Limits für bestimmte Schäden.

Das steht im Kontrast zur allgemeinen Marktentwicklung, die von Vorsicht geprägt ist. Neue Ausschlüsse betreffen etwa staatlich unterstützte Angriffe, ungepatchte Systeme oder Compliance-Verstöße. Selbst bei Ransomware greifen zunehmend Begrenzungen, die die tatsächliche Auszahlung reduzieren können.

Stoïk positioniert sich damit bewusst anders: näher an den realen Schadenbildern und mit einem breiteren Leistungsversprechen.

Versicherung wird Teil der Cyberstrategie

Diese Entwicklung zeigt, dass sich die Rolle der Cyberversicherung verändert. Sie ist längst nicht mehr nur ein finanzielles Auffangnetz nach einem Vorfall. Vielmehr wird sie zu einem integralen Bestandteil der Sicherheitsstrategie von Unternehmen.

Das zeigt sich auch daran, dass Versicherer zunehmend Prävention, Monitoring und Unterstützung im Schadensfall in ihre Angebote integrieren. Stoïk folgt diesem Ansatz und verbindet Versicherungsschutz mit technischen und organisatorischen Maßnahmen zur Risikominimierung.

Gleichzeitig bleibt klar: Eine Cyberversicherung ersetzt keine IT-Sicherheit. Genau wie eine Geschäftsinhaltsversicherung keine einbruchhemmenden Türen, kein Sicherheitsglas oder keine Alarmanlage ersetzt. Sie greift erst dann, wenn Schutzmaßnahmen versagen – und selbst dann nur unter bestimmten Bedingungen. Damit ist

Mein Kommentar:

Die Anpassung der Stoïk-Police steht exemplarisch für einen Markt im Wandel. Cyberrisiken werden komplexer, physischer und stärker mit realen Geschäftsprozessen verknüpft. Versicherer reagieren darauf mit strengeren Bedingungen, höheren Preisen und selektiverer Deckung.

Stoïk wählt einen anderen Ansatz und erweitert gezielt den Schutz. Ob sich dieser Weg durchsetzt, wird davon abhängen, ob es gelingt, das zentrale Problem der Branche zu lösen: die Balance zwischen immer größeren Risiken und der Frage, was überhaupt noch versicherbar ist.

Die Cyberpolice gehört inzwischen fest zur ganzheitlichen Risikoabsicherung für Unternehmer. Wegen der teils deutlichen Unterschiede bei Leistungen, Annahmekriterien und Obliegenheiten zwischen den Anbietern ist eine fundierte, fachkundige Beratung aus meiner Sicht unverzichtbar.


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