HUK-Coburg startet Tierkrankenversicherung für Hunde und Katzen

Die HUK-Coburg steigt in die Tierkrankenversicherung ein. Seit dem 1. Oktober können Hunde und Katzen versichert werden. Zur Wahl stehen unterschiedliche Tarifvarianten – vom reinen OP-Schutz bis zur Vollversicherung. Tierarztkosten werden bis zum vierfachen GOT-Satz übernommen.

Die HUK-Coburg erweitert ihr Produktangebot um eine Tierkrankenversicherung für Hunde und Katzen.

Bislang bot die HUK-COBURG Tierkrankenversicherungen über eine Kooperation mit der BarmeniaGothaer an.

Der Sachthemen-Blog hat bei der HUK-COBURG nachgefragt.

Wir wollten wissen, warum der Versicherer nun eigene Tierkrankenversicherungstarife für Hunde und Katzen anbietet und wie es mit der bisherigen Kooperation mit der BarmeniaGothaer weitergeht.

Die HUK teilte uns mit, dass die Nachfrage in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen sei. Mit eigenen Tarifen könne man Produktgestaltung, Preisstruktur und Schadenregulierung selbst steuern und das Angebot stärker an den eigenen Qualitäts- und Preisstandards ausrichten. Die hohe Preissensibilität der Kundschaft spiele dabei grundsätzlich eine Rolle, konkrete Wechselbefürchtungen wegen der bisherigen Barmenia-Produkte seien jedoch nicht ausschlaggebend gewesen.

Die Kooperation mit der BarmeniaGothaer bleibt bei der Pferde-OP-Versicherung bestehen. Eigene HUK-Tarife sind dort derzeit nicht konkret geplant.

Vier Varianten stehen zur Wahl

Zur Auswahl stehen OP-Schutz Basis, OP-Schutz Classic, Voll-Schutz Basis und Voll-Schutz Classic. Alle vier Varianten erstatten versicherte Tierarztkosten bis zum vierfachen Satz der Gebührenordnung für Tierärzte (GOT). Auch die Notdienstgebühr ist eingeschlossen. Eine freie Tierarzt- und Tierklinikwahl gehört ebenfalls zum Konzept.

Der Abschluss erfolgt digital. Auch Tierarztrechnungen können digital eingereicht werden. Die neue Tierkrankenversicherung wird bei HUK-Coburg und HUK24 angeboten.

Basis oder Classic: Das steckt drin

Der OP-Schutz Basis konzentriert sich auf ambulante und stationäre Operationen nach Unfall oder Krankheit. Eingeschlossen sind unter anderem Narkose, Medikamente und Verbrauchsmaterial während des Eingriffs. Notwendige Diagnostik wie Röntgen, Ultraschall, CT, MRT, EKG, Laboruntersuchungen oder Biopsien ist bis zu 14 Tage vor der Operation versichert. Die Nachbehandlung wird im Basis-Tarif bis zu 28 Tage übernommen.

Beim OP-Schutz Classic geht die Deckung weiter. Hier sind zusätzlich bestimmte Zahnoperationen sowie Operationen aufgrund von Fehlentwicklungen eingeschlossen. Die Diagnostik erstreckt sich auch auf Fehlentwicklungen. Die reguläre Nachbehandlung nach einer Operation verlängert sich auf bis zu 42 Tage; für alternative Behandlungsmethoden gelten bis zu 28 Tage.

Auch bei der maximalen Erstattung gibt es einen wesentlichen Unterschied: Im OP-Schutz Basis liegt die Jahreshöchstleistung laut HUK bei 5.000 Euro für Hunde und 3.500 Euro für Katzen. Im Classic-Schutz entfällt eine feste Jahreshöchstgrenze.

Vollschutz übernimmt auch Behandlungen ohne Operation

Wer nicht nur das Kostenrisiko einer Operation absichern möchte, kann den Voll-Schutz wählen. Er enthält die Leistungen des jeweiligen OP-Schutzes und übernimmt zusätzlich allgemeine Heilbehandlungen.

Im Voll-Schutz Basis beträgt die Jahreshöchstleistung für allgemeine Behandlungen 3.000 Euro beim Hund und 2.000 Euro bei der Katze. Für Vorsorge stehen bis zu 75 Euro pro Versicherungsjahr zur Verfügung.

Deutlich umfangreicher ist der Voll-Schutz Classic. Nicht-operative Behandlungen nach Krankheit, Unfall oder aufgrund einer Fehlentwicklung sind eingeschlossen. Dazu zählen beispielsweise Medikamente sowie Chemo- und Strahlentherapie. Für allgemeine Behandlungen gibt es im Classic-Tarif nach Angaben der HUK keine feste Jahreshöchstleistung.

Das jährliche Vorsorgebudget beträgt bis zu 100 Euro. Darüber können beispielsweise Impfungen, Wurmkuren, Zecken- und Flohmittel oder Gesundheitschecks abgerechnet werden. Auch Zahnprophylaxe wie Zahnsteinentfernung und Zahnreinigung sowie medizinisch notwendige Zahnbehandlungen gehören zum Leistungsumfang.

Mitversichert sind außerdem Physiotherapie sowie alternative Behandlungsmethoden. Die HUK nennt hier unter anderem Akupunktur, Osteopathie und Phytotherapie. Voraussetzung ist, dass die Behandlung von einem Tierarzt durchgeführt oder verordnet wird.

Auch im Ausland versichert

Der Versicherungsschutz gilt bei vorübergehenden Auslandsaufenthalten weltweit für bis zu zwölf Monate. Versichert sind akute Krankheiten und Unfälle, nicht jedoch gezielt im Ausland geplante Behandlungen.

Bei einer Operation infolge eines Unfalls übernimmt die HUK außerdem Reiserücktrittskosten und einen veterinärmedizinisch notwendigen Rücktransport mit jeweils bis zu 500 Euro.

Selbstbeteiligung zwischen null und 20 Prozent

Die Tierkrankenversicherung kann grundsätzlich mit 0, 10 oder 20 Prozent Selbstbeteiligung abgeschlossen werden. Auf Vorsorgeleistungen wird keine Selbstbeteiligung angerechnet.

Ganz frei wählbar ist die Null-Prozent-Variante allerdings nicht in jedem Fall. Die HUK weist darauf hin, dass eine Absicherung ohne Selbstbeteiligung möglich ist, wenn das Tier jünger als zwei Jahre ist, erst seit höchstens drei Monaten beim Halter lebt oder ein nahtloser Wechsel aus einer Vorversicherung erfolgt.

Versichert werden privat gehaltene Hunde und Katzen ohne Rassenbeschränkung. Hunde können ab einem Alter von acht Wochen, Katzen ab zwölf Wochen aufgenommen werden. Das Höchstaufnahmealter liegt bei der Vollendung des achten Lebensjahres.

HUK nennt konkrete Preisbeispiele

Für den Voll-Schutz Classic veröffentlicht die HUK-Coburg zwei konkrete Berechnungsbeispiele.

Ein sechs Monate alter Labrador Retriever kostet bei der HUK-Coburg 97 Euro monatlich, bei HUK24 93 Euro. Zugrunde gelegt werden der Voll-Schutz Classic ohne Selbstbeteiligung und ohne Jahreshöchstgrenze.

Für eine sechs Monate alte Europäisch-Kurzhaar-Katze nennt die HUK 46 Euro monatlich, bei HUK24 sind es 44 Euro. Auch hier handelt es sich um den Voll-Schutz Classic ohne Selbstbehalt und ohne Jahreshöchstgrenze.

Bei den auf der Produktseite veröffentlichten HUK-Beispielen liegen den Berechnungen unter anderem die Postleitzahl 96444, monatliche Zahlweise, keine Erkrankungen und keine Vorversicherung zugrunde. Bei der Katze handelt es sich um eine Wohnungskatze. Die HUK weist darauf hin, dass die Beiträge gerundet sind.

Ein Markt mit steigenden Behandlungskosten

Nach Angaben der HUK-Coburg leben rund 16 Millionen Katzen und elf Millionen Hunde in deutschen Haushalten. Insgesamt zählt das Unternehmen rund 33 Millionen Hunde, Katzen, Kleinsäuger und Ziervögel. In 43 Prozent der Haushalte lebt demnach mindestens ein Heimtier.

Gleichzeitig können Tierarztbehandlungen schnell teuer werden. Die HUK nennt als Beispiel eine Kreuzbandoperation beim Hund mit Kosten von bis zu 3.000 Euro. Seit der Neufassung der GOT im Jahr 2022 sind die Behandlungskosten zusätzlich gestiegen.

Mit dem Einstieg in die Tierkrankenversicherung erweitert die HUK-Coburg ihr Angebot damit um einen Bereich, der bislang nicht zum eigenen Produktportfolio gehörte.

Mein Kommentar: Später Einstieg muss kein Nachteil sein

Ich war tatsächlich überrascht, dass die HUK-Coburg erst jetzt mit einer eigenen Tierkrankenversicherung in diesen Markt einsteigt. Das Angebot ist längst groß, zahlreiche Versicherer sind bereits unterwegs und die Tierkrankenversicherung hat in den vergangenen Jahren deutlich an Bedeutung gewonnen.

Aufschlussreich ist auch die Antwort der HUK auf unsere Presseanfrage. Dort heißt es, man sei sich grundsätzlich bewusst, dass die eigene Kundschaft sehr preissensibel ist. Mit eigenen Tarifen könne die HUK Produktgestaltung, Preisstruktur und Schadenregulierung nun selbst steuern. Gerade deshalb erscheint dieser Schritt mir durchaus nachvollziehbar: Die HUK positioniert sich auch in anderen Sparten stark über das Preis-Leistungs-Verhältnis und kann ein eigenes Produkt gezielter an den Erwartungen der eigenen Kundschaft ausrichten.

Der späte Einstieg kann auch Vorteile haben. Die Tarife am Markt sind über Jahre weiterentwickelt worden. Leistungsumfang, Selbstbeteiligungen, Vorsorgebudgets, GOT-Sätze, Zahnleistungen oder alternative Behandlungsmethoden haben sich immer weiter ausdifferenziert. Wer heute neu startet, kann auf einen ziemlich ausgereiften Markt schauen und sehen, was sich etabliert hat und was Kunden erwarten.

Interessant ist für mich bei der HUK daher das Gesamtpaket. Auffällig finde ich insbesondere die Kombination aus Classic ohne feste Jahreshöchstleistung, 4-facher GOT, wählbarer SB bis hin zu 0 Prozent, Vorsorgebudget, Zahnleistungen, Physio und alternativen Behandlungsmethoden, weltweitem Schutz bis zwölf Monate sowie dem von HUK genannten Kündigungsverzicht im Leistungsfall.

Die HUK musste die Tierkrankenversicherung nicht neu erfinden. Sie kommt spät zur Party – kann dafür aber ziemlich genau sehen, was auf dem Buffet noch fehlt.


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