Das Ansehen von Versicherungsvermittlern in Deutschland bleibt auf einem alarmierend niedrigen Niveau – und hat sich erneut verschlechtert. Das geht aus der aktuellen Bürgerbefragung des Meinungsforschungsinstituts Forsa hervor, die im Auftrag des dbb beamtenbund und tarifunion durchgeführt wurde.
Lediglich sechs Prozent der Befragten bescheinigen Versicherungsvertretern ein hohes oder sehr hohes gesellschaftliches Ansehen. Im Vorjahr lag dieser Wert noch bei sieben Prozent, bei der ersten Erhebung im Jahr 2007 waren es immerhin elf Prozent. Damit belegt die Berufsgruppe erneut einen der letzten Plätze im bundesweiten Ansehensranking. Schlechter schneiden lediglich Mitarbeiter von Werbeagenturen ab.
An der Spitze des Rankings stehen dagegen weiterhin Feuerwehrleute mit 94 Prozent Zustimmung. Es folgen Krankenpfleger (91 Prozent), Altenpfleger (88 Prozent) und Ärzte (84 Prozent). Selbst Bankmitarbeiter erreichen inzwischen 25 Prozent und liegen damit deutlich vor den Versicherungsvermittlern.
Die Zahlen sollten der Versicherungsbranche zu denken geben. Sie zeigen, dass sich das öffentliche Bild des Berufsstandes trotz höherer Regulierungsstandards, umfangreicher Beratungs- und Dokumentationspflichten sowie einer zunehmenden Professionalisierung offenbar kaum verbessert hat.
Dabei dürfte die Realität deutlich differenzierter sein. Tausende Versicherungsvermittler beraten ihre Kunden über viele Jahre hinweg zuverlässig, begleiten sie im Schadenfall und sorgen dafür, dass existenzielle Risiken abgesichert werden. Diese tägliche Arbeit findet jedoch selten öffentliche Aufmerksamkeit. Stattdessen prägen einzelne Negativbeispiele, historische Vorurteile und die oftmals kritische Diskussion über Provisionen oder Vertrieb das Bild einer gesamten Berufsgruppe.
Die aktuelle Forsa-Studie ist deshalb weniger eine Bewertung der Arbeit jedes einzelnen Vermittlers als vielmehr ein Stimmungsbild über das Image des Berufsstandes. Gerade deshalb sollte sie Versicherern, Vermittlerverbänden und Vermittlern selbst Anlass sein, sich intensiver mit der öffentlichen Wahrnehmung auseinanderzusetzen. Denn Vertrauen ist das wichtigste Kapital der Versicherungsbranche – und genau dieses Vertrauen scheint in den vergangenen Jahren weiter verloren gegangen zu sein.
Mein Kommentar
Sechs Prozent. Das ist kein Wert, den man schönreden muss. Aber es ist auch kein Wert, über den wir wochenlang diskutieren sollten.
Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass Imagekampagnen der Branche kaum etwas verändern. Vertrauen entsteht nicht durch Werbespots oder Slogans, sondern durch Menschen. Deshalb liegt die wichtigste Aufgabe aus meiner Sicht bei jedem einzelnen Versicherungsvermittler.
Zeigt Haltung. Zeigt Fachwissen. Seid sichtbar. Nutzt eure eigene Website, LinkedIn, Instagram oder Podcasts. Schreibt Gastbeiträge für Branchenmedien, erklärt Versicherungen verständlich und zeigt den Menschen, wer ihr wirklich seid. Wer Kompetenz zeigt und Mehrwert liefert, verbessert nicht nur sein eigenes Image, sondern trägt auch dazu bei, das Ansehen unseres gesamten Berufsstandes zu stärken.
Ich kenne persönlich viele hervorragende Makler und Vermittler. Menschen mit einer beeindruckenden fachlichen Expertise, die sich teilweise besser mit Tarifen und rechtlichen Fragestellungen auskennen als mancher Mitarbeiter eines Versicherers. Dieses Wissen sollte viel häufiger sichtbar werden.
Der Sachthemen-Blog selbst ist für mich der beste Beweis dafür, dass so etwas funktioniert. Den Blog gibt es erst seit zwei Jahren. Vor einem Jahr kannten ihn nur vergleichsweise wenige Menschen. Heute erreicht er Monat für Monat viele Tausend Leser und hat sich in der Versicherungsbranche einen Namen gemacht – nicht mit großen Werbebudgets, sondern mit fachlichen Inhalten, Kontinuität und einer klaren Haltung.
Wenn ich das schaffen konnte, dann könnt ihr das auch. Dafür braucht es keine riesigen Marketingbudgets, sondern Ausdauer, Fachwissen und den Mut, sichtbar zu werden.
Ob die sechs Prozent gerechtfertigt sind oder welche Entwicklungen zu diesem schlechten Image geführt haben, darüber kann man lange diskutieren. Das bringt uns heute aber nicht weiter. Entscheidend ist, was wir daraus machen.
Deshalb mein Appell an alle Versicherungsvermittler: Arbeitet nicht gegen Umfragen an – arbeitet für eure Sichtbarkeit. Seid präsent, seid authentisch und repräsentiert unseren Berufsstand mit Überzeugung und Haltung. Jeder einzelne Vermittler, der Kompetenz, Fairness und Engagement zeigt, trägt dazu bei, das Bild der gesamten Branche ein Stück zu verbessern. Und genau dort beginnt echter Imagewandel.

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