Rekordjahr der Versicherer: viel Selbstlob – und ein bisschen Rückenwind. Dazu ein Meinungsartikel.
Die großen europäischen Versicherer haben das Jahr 2025 mit Ergebnissen abgeschlossen, wie man sie in dieser Breite selten sieht. Die Allianz meldet ein operatives Rekordergebnis von 17,4 Milliarden Euro, AXA kommt auf gut 8,4 Milliarden Euro, Generali spricht bei rund 8 Milliarden Euro selbst vom besten Operating Result ihrer Geschichte, und auch die Zurich Insurance Group mit rund 8,5 Milliarden Euro sowie Talanx mit 5,3 Milliarden Euro liegen auf historisch hohen Niveaus. Egal, welche Kennzahl man nimmt: Die Branche verdient sehr viel Geld.
Wer sich durch die Pressemitteilungen und Quartalsberichte arbeitet, bekommt davon auch genau den Ton vermittelt, den man erwarten würde. Die Allianz spricht von „excellent profitability“ und „very good growth“, CEO Oliver Bäte betont den nachhaltigen Wert für Kunden und Aktionäre. Bei AXA nennt Thomas Buberl das Jahr schlicht eine „very strong performance“ mit „record results“. Generali-Chef Philippe Donnet spricht von einem „very successful“ Start in die neue Strategiephase, und bei Zurich ist von „underwriting discipline“ und „operational excellence“ die Rede. Auch Torsten Leue verweist darauf, dass sich die eigene Strategie einmal mehr ausgezahlt habe.
Das ist die offizielle Erzählung: Die Rekorde sind das Ergebnis guter Steuerung, disziplinierter Zeichnungspolitik und konsequenter Umsetzung der Strategie. Und ganz von der Hand zu weisen ist das nicht. Die Gesellschaften haben in den vergangenen Jahren ihre Preise spürbar angehoben, Risiken selektiver gezeichnet und Kosten im Griff behalten. Das sieht man in praktisch allen Berichten.
Trotzdem wäre es zu kurz gegriffen, die Zahlen allein darauf zurückzuführen. Denn ein zweiter Faktor taucht in den Berichten zwar auf, wird aber deutlich nüchterner formuliert:
— Das Schadenjahr 2025 war ungewöhnlich günstig.
Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft bringt es relativ klar auf den Punkt, wenn er vom Ausbleiben größerer Naturkatastrophen spricht. In den Unternehmensberichten liest sich das technischer: Generali verweist auf einen „lower impact from natural catastrophes“, Zurich spricht von einer „benign natural catastrophe season“, bei AXA lagen die Naturkatastrophenschäden unter dem üblichen Niveau, und Talanx hebt hervor, dass die Großschäden deutlich unter dem eigenen Budget geblieben sind.
Das ist ein zentraler Ergebnistreiber. Wenn weniger Großschäden anfallen, steigt das Ergebnis fast automatisch – selbst dann, wenn sich am eigentlichen Geschäft nichts ändert.
Die Wahrheit liegt damit irgendwo zwischen den beiden Erzählungen. Die Versicherer haben ihre Hausaufgaben gemacht, keine Frage. Pricing, Risikoselektion und Kostenkontrolle funktionieren sichtbar besser als noch vor einigen Jahren. Aber ohne das ruhige Schadenjahr wären die Ergebnisse kaum in dieser Höhe ausgefallen. 2025 war eben eines dieser Jahre, in denen beides zusammenkommt.
Interessant wird das Ganze beim Blick auf die Kundenseite. Denn während die Unternehmen Rekorde melden und gleichzeitig Dividenden erhöhen oder Aktien zurückkaufen, haben viele Verbraucher zuletzt steigende Prämien gesehen, vor allem in der Kfz- und teilweise auch in der Wohngebäudeversicherung.
Die Branche erklärt das konsistent mit den Kosten. Reparaturen werden teurer, Ersatzteile ebenfalls, im Gebäudebereich treiben Baupreise und Löhne die Summen nach oben. Der Punkt ist wichtig: Es geht nicht primär um mehr Schäden, sondern um teurere Schäden. Genau das wird auch so kommuniziert.
Und trotzdem bleibt ein gewisses Spannungsgefühl. Auf der einen Seite Rekordergebnisse und steigende Ausschüttungen, auf der anderen Seite höhere Beiträge. Aus Unternehmenssicht passt das zusammen, weil unterschiedliche Mechanismen wirken. Für Kunden wirkt es erst einmal widersprüchlich.
Man darf dabei nicht vergessen, dass das Versicherungsgeschäft traditionell in Zyklen verläuft. Phasen mit hohen Gewinnen und vergleichsweise geringen Schäden wechseln sich mit Jahren ab, in denen Naturkatastrophen oder Großereignisse die Ergebnisse massiv belasten. In guten Jahren wird Kapital aufgebaut, das in schlechteren Jahren wieder benötigt wird. Genau in so einer Aufbauphase scheint sich die Branche gerade zu befinden.
Unterm Strich bleibt der Eindruck eines sehr starken Jahres, das sich die Versicherer kommunikativ auch entsprechend zurechtlegen. Die Formulierungen in den Pressemitteilungen klingen nach Kontrolle, Strategie und Exzellenz. Die Zahlen erzählen zusätzlich die Geschichte eines günstigen Umfelds. Beides gehört zusammen – und erklärt, warum 2025 und das erste Quartal 2026 für die Branche so außergewöhnlich gut ausgefallen sind.

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