Steuerzahlergedenktag

Am 13. Juli 2025 war es wieder so weit: Der Steuerzahlergedenktag markierte den Punkt im Jahr, an dem durchschnittlich gerechnet mehr als die Hälfte des Einkommens bereits an den Staat geflossen ist – durch Steuern, Sozialabgaben und andere Pflichtabgaben. Erst ab diesem Tag arbeitet man für sich selbst, so jedenfalls das Signal des Bundes der […]

Am 13. Juli 2025 war es wieder so weit: Der Steuerzahlergedenktag markierte den Punkt im Jahr, an dem durchschnittlich gerechnet mehr als die Hälfte des Einkommens bereits an den Staat geflossen ist – durch Steuern, Sozialabgaben und andere Pflichtabgaben. Erst ab diesem Tag arbeitet man für sich selbst, so jedenfalls das Signal des Bundes der Steuerzahler. Grundlage für diese Berechnung sind aktuelle Daten des Statistischen Bundesamts. Von einem Euro Einkommen bleiben im Schnitt 47,1 Cent übrig. Die restlichen 52,9 Cent gehen an staatliche Kassen.

Für die Berechnung zieht das Deutsche Steuerzahlerinstitut Daten aus der sogenannten laufenden Wirtschaftsrechnung heran. Dabei werden Lohn- und Einkommensteuer, Mehrwertsteuer, Energiesteuern, Sozialabgaben und weitere verpflichtende Zahlungen berücksichtigt – etwa der Rundfunkbeitrag. Daraus ergibt sich: Der 192. Tag des Jahres, also der 13. Juli, markiert die rechnerische Grenze. Ab da hat man, so das Bild, sein „eigenes“ Geld wieder in der Hand.

Ein Blick auf die Vorjahre zeigt, dass sich dieses Datum seit einiger Zeit kaum noch verändert hat. 2024 lag der Gedenktag auf dem 11. Juli, zwei Tage früher als in diesem Jahr. Das mag nach wenig klingen, steht aber für eine steigende Belastung. Grund dafür sind unter anderem höhere Sozialbeiträge. Der Zusatzbeitrag in der gesetzlichen Krankenversicherung ist auf 2,5 Prozent gestiegen, auch die Pflegeversicherung ist teurer geworden. Gleichzeitig schlagen die CO₂-Abgabe und neue Stromumlagen zusätzlich zu Buche.

Der Bund der Steuerzahler hat diese Entwicklung erneut öffentlichkeitswirksam begleitet. In Pressemitteilungen wurden die aktuellen Zahlen vorgestellt, begleitet von Infografiken, einem Online-Rechner für die persönliche Belastung und einer breit angelegten Kampagne in sozialen Medien. Die Forderungen bleiben dabei seit Jahren ähnlich: Stromsteuer runter, kalte Progression abbauen, Pendler stärker entlasten. In diesem Jahr sprach sich BdSt-Präsident Reiner Holznagel erneut für ein ganzes Entlastungspaket aus. In seiner Stellungnahme sagte er: „Mit Steuern und Abgaben werden wichtige Leistungen finanziert. Zugleich legt der Steuerzahlergedenktag offen, dass immer noch mehr als die Hälfte des von Arbeitnehmern erwirtschafteten Einkommens staatlich umverteilt und verwaltet wird. Das schwächt Arbeitsanreize, belastet die Wirtschaft und stört das Gerechtigkeitsempfinden vieler Menschen.“ Holznagel fordert daher konkrete Schritte: die vollständige Abschaffung der kalten Progression, eine Senkung der Stromsteuer auf EU-Mindestniveau und eine Erhöhung der Entfernungspauschale auf 45 Cent.

Auch aus Hamburg kamen kritische Worte: BdSt-Landesgeschäftsführer Sascha Mummenhoff sprach von einem „klaren Alarmsignal“. In einer Mitteilung betonte er, dass es nicht angehe, wenn Bürgerinnen und Bürger mehr als die Hälfte ihres Einkommens abgeben müssen – während gleichzeitig teure Prestigeprojekte finanziert würden. Die Frage „Wo bleibt die Entlastung?“ werde seiner Meinung nach immer drängender.

Gleichzeitig gibt es viel Kritik am Konzept selbst. Ökonomen wie Stefan Bach vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung halten die Darstellung für verkürzt und irreführend. Vor allem der Umstand, dass Sozialabgaben als Belastung dargestellt werden, obwohl sie für Leistungen wie Rente oder Krankenversicherung stehen, wird als problematisch gesehen. Medien wie die Süddeutsche Zeitung werfen dem Bund der Steuerzahler vor, ein verzerrtes Bild zu zeichnen – eines, das den Staat als übergriffigen Kostentreiber darstellt, ohne die Gegenleistungen ausreichend zu berücksichtigen. Auch der Vergleich mit populistischen Kampagnen aus dem Ausland wurde in diesem Zusammenhang bereits gezogen.

Für die Versicherungsbranche ist der Steuerzahlergedenktag aus mehreren Gründen interessant. Einerseits rückt er die Frage in den Fokus, wie hoch die tatsächliche Belastung durch Steuern und Abgaben ist. Andererseits unterstreicht er die Bedeutung privater Vorsorge. Wenn der Staat bereits mehr als die Hälfte beansprucht, stellt sich die Frage, was vom Nettoeinkommen für die eigene Absicherung noch übrig bleibt. Ob es um betriebliche Altersvorsorge, Pflegezusatz oder private Krankenversicherung geht – der Bedarf an ergänzender Absicherung bleibt hoch. Der Steuerzahlergedenktag liefert dafür einen klaren Anlass, diese Themen auf die Agenda zu setzen.


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