Denkmalschutz bei Wohngebäuden

Die Komplexität bei der Kalkulation von Wohngebäudeversicherungen für denkmalgeschützte Gebäude hat mehrere Gründe, die historisch, technisch und risikobasiert bedingt sind:

Höherer Wiederherstellungsaufwand

  • Denkmalgeschützte Gebäude unterliegen strengen Auflagen, was Materialien und Methoden bei Reparaturen oder Wiederherstellungen angeht. Moderne Baumaterialien und Techniken können oft nicht verwendet werden, was die Kosten signifikant erhöht. Versicherer kalkulieren daher individuelle Wertzuschläge, um diese potenziellen Mehrkosten abzudecken. Schwierig kalkulierbares Risiko
  • Denkmalgeschützte Gebäude unterscheiden sich stark in ihrer Beschaffenheit, ihrem Zustand und den denkmalrechtlichen Vorgaben. Das führt zu einem individuellen Risikoprofil, das schwieriger pauschal zu bewerten ist. Eine falsche Einschätzung kann für den Versicherer hohe Verluste bedeuten.

Traditionelle Bewertungsmethoden

  • Viele Versicherer nutzen noch immer konservative Modelle, bei denen die Wertermittlung auf manuelle Berechnungen oder alte Standards zurückgreift. Ein pauschaler Ansatz, wie ihn beispielweise AXA, DOMCURA oder R+V anbieten, ist zwar modern, wird aber von anderen Versicherern oft als riskant angesehen, da es die spezifischen Besonderheiten eines Denkmals nicht immer genau abbildet.

Fehlende Digitalisierung

  • Manche Versicherer hinken bei der Digitalisierung hinterher und verfügen nicht über automatisierte Systeme, die pauschale Regelungen oder Durchschnittswerte für denkmalgeschützte Objekte einbeziehen könnten. Vergleichsportale leiden daher unter der fehlenden Standardisierung.

Angst vor Risikokonzentration

  • Einige Versicherer möchten vermeiden, dass sie zu viele denkmalgeschützte Gebäude in ihrem Portfolio haben, da diese bei großen Schäden (z. B. Feuer, Hochwasser) höhere Kosten verursachen können. Eine individuelle Zuschlagsberechnung wird oft genutzt, um potenzielle Interessenten mit besonders risikobehafteten Objekten abzuschrecken.

Moderne Ansätze (z.B. AXA / DOMCURA / R+V)

Die pauschalen Lösungen moderner Versicherer basieren auf einem besseren Verständnis von Risikoverteilungen und digitalen Datenmodellen. Diese ermöglichen:

  • Geringere Verwaltungskosten: Ein pauschaler Zuschlag spart aufwendige manuelle Berechnungen.
  • Kundenzufriedenheit: Einfachere Angebote führen zu einer höheren Abschlussrate.
  • Wettbewerbsvorteile: Versicherer, die unkomplizierte Prozesse anbieten, werden auf Vergleichsplattformen bevorzugt.

Warum der Wandel langsam ist

Die Versicherungsbranche ist traditionell eher risikoscheu und reagiert langsam auf Veränderungen. Ein modernerer Ansatz, der individuelle Zuschläge überflüssig macht, erfordert:

  • Vertrauen in neue Datenmodelle.
  • Eine bewusste Abkehr von übertriebenen Vorsichtsmaßnahmen.
  • Den Mut, auch potenzielle Verluste in Kauf zu nehmen, die durch pauschale Lösungen entstehen könnten.

Schwierigkeiten für Vermittler

Für die Versicherungsvermittler, gerade im Maklervertrieb, ist der Aufwand bei individuellen Wertzuschlägen enorm.

Er kann die üblichen Vergleichsplattformen kaum nutzen, da diese meist nicht zu belastbaren Angeboten führen. Er ist gezwungen, bei Kunden deutlich mehr Risikoinformationen zu erfragen. Oft bestehen die einzelnen Produktgeber sogar auf ihren eigenen Dokumenten. So dass bei einer Ausschreibung an mehrere Gesellschaften gleich mehrere Fragebögen mit teilweise deutlich abweichenden Informationen aufgenommen werden müssen. Bei einigen Anbietern werden zudem Fotos des Objektes abverlangt.

Der Wertaufschlag, der letztendlich bei Angebotsabgabe aus all diesen Risikoangaben resultiert, ist ebenfalls keinesfalls identisch und somit sind die Angebote schwer vergleichbar, denn in der Regel bewertet jeder Versicherer den erhöhten Gebäudewert individuell.

Dies alles bedeutet einen relativ hohen Mehraufwand, der oft in keinem Verhältnis zur Courtage steht.

Ausblick und Hoffnung

Insgesamt wird sich der Markt vermutlich langfristig mehr in Richtung Standardisierung bewegen – gerade weil die Anforderungen an Vergleichsportale und Digitalisierung steigen. AXA, DOMCURA und R+V setzen hier bereits ein wichtiges Signal für die Branche. Es mag mehr geben, ich nenne diese Anbieter nur beispielhaft, da sie mir explizit bekannt sind.

Ich ermutige die Wohngebäudeversicherer, Lösungen zu erarbeiten, um auch denkmalgeschützte Wohngebäude einfacher und effizienter über Vergleichsrechner tarifieren zu können. Dies könnte entweder durch die Integration geeigneter Risikoabfragen und die Bereitstellung entsprechender Schnittstellen und Rechenfelder erfolgen oder durch smarte pauschale Zuschläge, die den zusätzlichen Aufwand reduzieren und die Kalkulation transparenter gestalten. Eine solche Vereinfachung würde nicht nur die Vergleichbarkeit für Makler und Endkunden verbessern, sondern auch den Zugang zu fairen Versicherungsangeboten für Eigentümer denkmalgeschützter Immobilien erheblich erleichtern.


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