Beitragssteigerungen 2026 in den CIF4ALL-Tarifen treffen auf Risikoträger-Rückzug bei CIF:BIZ
Hamburg – Mit einem Schreiben vom 15. Dezember 2025, welches Sachthemen.blog vorliegt, hat die WECOYA Private & Commercial GmbH ihre Geschäftspartner über bevorstehende Prämienanpassungen in den CIF4ALL-Tariflinien der Privatsparten Hausrat- und Wohngebäudeversicherung informiert. Betroffen sind damit ausdrücklich die CIF4ALL-Hausrat- und CIF4ALL-Wohngebäudetarife.
Als Gründe nennt WECOYA steigende Kosten sowie eine zunehmende Schadenhäufigkeit in der Versicherungsbranche. Vor diesem Hintergrund sehe man sich gezwungen, neben den vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) vorgegebenen Indexanpassungen zusätzliche Erhöhungen der Tarifprämien in den CIF4ALL-Tarifen vorzunehmen. Die Maßnahmen betreffen Neu- und Bestandsverträge und gehen deutlich über die turnusmäßigen Anpassungen hinaus.
Brisant ist der Zeitpunkt: Die massiven Beitragserhöhungen in den Privatsparten fallen in eine Phase, in der WECOYA parallel mit erheblichen strukturellen Herausforderungen im Gewerbegeschäft konfrontiert ist – ausgelöst durch den Rückzug eines zentralen Risikoträgers aus wichtigen CIF:BIZ-Produktlinien.
Deutliche Beitragserhöhungen in den CIF4ALL-Privatsparten
WECOYA übernimmt für 2026 die vom GDV bekanntgegebenen Anpassungsfaktoren und Indizes, die für Vertragsbeginne und Hauptfälligkeiten ab dem 01.01.2026 gelten.
Die Indexanpassung in Hausrat- und Wohngebäudeversicherungen ist eine automatische Erhöhung von Versicherungssumme und Beitrag, um die Inflation und steigende Wiederaufbaukosten auszugleichen und Unterversicherung zu verhindern. Bei der Wohngebäudeversicherung basiert der Anpassungsfaktor hauptsächlich auf dem Baupreisindex (80 %) und dem Tariflohnindex (20 %), was die gestiegenen Material- und Lohnkosten abbildet. Die Hausratversicherung passt die Summe an den allgemeinen Preisindex für Konsumgüter an, um dem Kaufkraftverlust entgegenzuwirken. Diese Praxis wird von nahezu allen Versichern jährlich angewendet.
Darüber hinaus werden bei WECOYA jedoch zusätzlich deutliche Beitragserhöhungen umgesetzt.
CIF4ALL Hausratversicherung
- VS-Modell: Anpassung der Versicherungssumme um 1,7 % (Indexanpassung)
- QM-Modell: Beitragserhöhung um 1,7 % (Indexanpassung)
- Zusätzlich: pauschale Beitragserhöhung um 30 % für Neu- und Bestandsgeschäft
CIF4ALL Wohngebäudeversicherung
- Anpassungsfaktor (Beitrag): → +4,21 % (Indexanpassung)
- Baupreisindex (Neubaukosten): → +3,29 % (Indexanpassung)
- Zusätzlich zur Indexanpassung:
- Neugeschäft: +25 %
- Bestandsgeschäft: +20 %
WECOYA kündigt an, die Kunden rechtzeitig vor der Hauptfälligkeit zu informieren und dabei transparent auf die vertraglichen Prämienanpassungsklauseln sowie das Sonderkündigungsrecht hinzuweisen. Die neuen Prämien sollen zudem zeitnah in Angebots- und Vergleichsrechnern abgebildet werden.
Für die Privatsparten-Produkte von CIF4ALL ist die Allianz Versicherungs-AG der Risikoträger.
Sachthemen.blog hat zu den dargestellten Sachverhalten sowohl die WECOYA GmbH als auch die Allianz Versicherungs-AG um eine Stellungnahme gebeten.
Die Allianz Versicherungs-AG erklärte auf Anfrage, dass sie die Prämien in der Sachversicherung regelmäßig überprüft und anpasst. Ausschlaggebend seien sowohl individuelle Vertragsmerkmale als auch die derzeit stark steigenden Schadenkosten infolge hoher Inflation, gestiegener Materialpreise und des Fachkräftemangels. Pauschale oder flächendeckende Beitragserhöhungen gebe es nicht, allerdings könnten Anpassungen höher ausfallen als in der Vergangenheit.
Zu möglichen Beitragsänderungen führt die Allianz nach eigenen Angaben frühzeitig Gespräche mit ihren Geschäftspartnern. Wann und mit welchem Vorlauf diese wiederum die Maklerschaft informieren, liege jedoch nicht im Verantwortungsbereich des Unternehmens. Zu konkreten Prämienentwicklungen oder zur Profitabilität einzelner Produkte äußert sich die Allianz nicht. Kundinnen und Kunden hätten bei Beitragserhöhungen grundsätzlich ein vertragliches Sonderkündigungsrecht.
Die WECOYA GmbH antwortete bislang nicht.
Rückzug der SV SparkassenVersicherung aus CIF:BIZ-Produktlinien
Bereits Ende September 2025 war bekannt geworden, dass die SV SparkassenVersicherung ihre Zusammenarbeit mit WECOYA in den Gewerbeproduktlinien CIF:BIZ company protect und CIF:BIZ property complete als Risikoträger beendet. Sachthemen.blog hatte darüber berichtet: Wecoya verliert Risikoträger.
In einem Schreiben an die Vertriebspartner vom 29.09.2025 erklärte WECOYA:
„Wie wir Ihnen heute mitteilen müssen, hat die SV SparkassenVersicherung die Zusammenarbeit zu den Produkten CIF:BIZ company protect und CIF:BIZ property complete als Risikoträger beendet.“
Mit sofortiger Wirkung waren keine Neuanträge mehr möglich. Laufende Verträge bleiben bis zum Ablauf bestehen, werden jedoch jeweils drei Monate vor Hauptfälligkeit gekündigt. Die ersten Kündigungen erfolgen bereits zum 01.01.2026.
WECOYA betonte gegenüber den Vertriebspartnern, man sei von der Entscheidung „überrascht“ worden und habe trotz intensiver Anstrengungen keine Fortsetzung der Zusammenarbeit erreichen können. Parallel arbeite man „mit Hochdruck“ an Ersatzlösungen.
Widerspruch in der Kommunikation
Diese Darstellung steht im deutlichen Gegensatz zu den Aussagen der SV SparkassenVersicherung. Auf Anfrage von Sachthemen.blog erklärte Christoph Jag, Leiter Unternehmenskommunikation der SV, die Entscheidung sei nicht kurzfristig, sondern Ergebnis langer Gespräche gewesen.
Als Hauptgrund nannte die SV die über Jahre unzureichende Wirtschaftlichkeit der betroffenen Produktlinien. Eine strategische Neuausrichtung oder ein genereller Rückzug aus der Zusammenarbeit mit WECOYA sei damit ausdrücklich nicht verbunden. Andere Kooperationen bestünden weiterhin.
Damit ergibt sich ein auffälliger Widerspruch: Während WECOYA den Eindruck einer überraschenden Entscheidung vermittelt, beschreibt die SV einen lange vorbereiteten Prozess bis hin zu Gesprächen auf Geschäftsleitungsebene.
Besonders sensibel: ConceptIF-Erbe unter Druck
Der Rückzug der SV betrifft ausgerechnet Produktlinien, die aus dem ConceptIF-Portfolio stammen. WECOYA hatte die ConceptIF-Gruppe 2022 übernommen und die CIF:BIZ-Konzepte als zentralen Bestandteil des gewerblichen Geschäfts weitergeführt.
ConceptIF galt in der Maklerschaft lange als stabiler Spezialanbieter. Vor diesem Hintergrund wiegt der Verlust eines langjährigen Risikoträgers besonders schwer und wirft Fragen zur wirtschaftlichen Tragfähigkeit eines Kernsegments der damaligen Übernahme auf.
Folgen für Makler und Markt
Für Makler und Vertriebe entsteht eine anspruchsvolle Gemengelage:
- Kündigungen und notwendige Umdeckungen im CIF:BIZ-Gewerbebestand
- gleichzeitig deutlich steigende Beiträge in den CIF4ALL-Privatsparten
Sollte WECOYA keine zeitnahen, belastbaren Ersatzlösungen präsentieren, droht eine eigenständige Abwanderung von Beständen. Dabei dürfte weniger die Anpassung an sich, sondern vor allem die Transparenz und Planbarkeit der Kommunikation über die zukünftige Rolle entscheiden.
WECOYA steht zum Jahreswechsel 2025/2026 vor einer doppelten Belastungsprobe: Einerseits erhebliche Beitragsanpassungen in den CIF4ALL-Tarifen der Privatsparten, andererseits der Verlust eines zentralen Risikoträgers in wichtigen CIF:BIZ-Gewerbeprodukten.
Die kommenden Monate werden zeigen, ob es gelingt, durch neue Partnerschaften, tragfähige Ersatzlösungen und konsistente Kommunikation Vertrauen bei Maklern und Kunden zu sichern. Der Fall entwickelt sich damit zunehmend zu einem Lehrstück über Wirtschaftlichkeit, Risikoträgerabhängigkeiten und Kommunikationsmanagement im Assekuradeursmarkt.
Zusätzliche Belastung für Makler, Pools und Vertriebe
Für Makler, Maklerpools und Vertriebe, die noch in größerem Umfang ehemalige ConceptIF-Produkte in ihren Beständen halten, bedeutet die aktuelle Entwicklung vor allem eines: erheblichen Mehraufwand – organisatorisch, kommunikativ und vertrieblich.
Die angekündigten Kündigungen durch den Risikoträger zwingen Vermittler dazu, betroffene Kunden aktiv anzusprechen, Alternativlösungen zu prüfen, neue Angebote zu erstellen und gegebenenfalls umfangreiche Umdeckungen vorzunehmen. Dieser Prozess bindet Ressourcen, verursacht Kosten und belastet die Kundenbeziehung – insbesondere dann, wenn kurzfristig keine gleichwertigen Ersatzprodukte zur Verfügung stehen.
Am Ende drohen nicht nur operative Mehrarbeit, sondern voraussichtlich auch spürbare Bestandsverluste. Erfahrungsgemäß nutzen Kunden solche Anlässe, um bestehende Geschäftsbeziehungen grundsätzlich zu hinterfragen oder Angebote anderer Marktteilnehmer einzuholen. Für Pools und Vertriebe kann dies zu einer nachhaltigen Schwächung der angebundenen Bestände führen.
Gerade vor dem Hintergrund, dass es sich um Produkte handelt, die ursprünglich aus dem anerkannten ConceptIF-Portfolio stammen und über Jahre hinweg als stabil galten, ist diese Entwicklung für viele Marktteilnehmer mehr als ärgerlich. Sie untergräbt Vertrauen, erschwert die langfristige Bestandsplanung und wirft erneut die Frage auf, wie belastbar die Zukunftsperspektiven der übernommenen Produktlinien tatsächlich sind.
Einordnung: WECOYA als Assekuradeur im Marktumfeld
WECOYA agiert im Markt als Assekuradeur und ist damit Teil eines Segments, das in den vergangenen Jahren stark an Bedeutung gewonnen hat. Assekuradeure übernehmen im Auftrag von Versicherern unter anderem Produktentwicklung, Underwriting, Bestandsführung und Schadenmanagement – tragen jedoch selbst kein oder nur begrenztes versicherungstechnisches Risiko. Gerade diese Rolle macht sie besonders abhängig von der Stabilität und Kontinuität ihrer Risikoträgerpartnerschaften.
Vor diesem Hintergrund lohnt auch ein Blick über den Einzelfall hinaus: Ein weiterer Beitrag beleuchtet aktuell die zunehmenden Herausforderungen für Assekuradeure insgesamt, darunter steigende Schadenquoten, verschärfte Wirtschaftlichkeitsanforderungen der Versicherer sowie wachsende Anforderungen an Transparenz und Kommunikation gegenüber Vertrieb und Kunden. Die dort beschriebenen Entwicklungen liefern einen wichtigen Rahmen, um auch die Situation bei WECOYA sachlich einzuordnen und in den größeren Marktkontext zu stellen.
Dazu habe ich vor kurzem einen entsprechenden Artikel veröffentlicht, den ihr hier lesen könnt: White-Label & Assekuradeure
Artikelfoto: KI – generiert


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