WECOYA verliert Risikoträger


SV SparkassenVersicherung beendet Zusammenarbeit in CIF:BIZ-Produktlinien – Branchenüberraschung mit Folgen

Dem Sachthemen.blog liegt ein Schreiben der WECOYA GmbH an ihre Vertriebspartner vor, in dem das Unternehmen die Beendigung der Zusammenarbeit mit der SV SparkassenVersicherung (SV) in den Produktlinien CIF:BIZ company protect und CIF:BIZ property complete bekannt gibt.

In dem Schreiben, das den Vertriebspartnern am 29.09.2025 per Email zuging, heißt es wörtlich:

„Wie wir Ihnen heute mitteilen müssen, hat die SV SparkassenVersicherung die Zusammenarbeit zu den Produkten CIF:BIZ company protect und CIF:BIZ property complete als Risikoträger beendet.“

Mit sofortiger Wirkung seien demnach keine neuen Anträge mehr möglich.
Laufende Verträge blieben jedoch bis zu ihrem jeweiligen Ablauftermin gültig. Laut WECOYA würden diese Verträge „drei Monate vor ihrem jeweiligen Ablauftermin gekündigt“.
Die ersten Kündigungen sollen bereits zum 01. Januar 2026 erfolgen.

Das Schreiben betont weiter:

„Wir sind von dieser Entscheidung ebenso überrascht worden, wie Sie jetzt, und es ist uns trotz intensiver Anstrengungen nicht gelungen, hier eine andere Entscheidung zu erwirken.“

Gleichzeitig arbeitet WECOYA nach eigenen Angaben „mit Hochdruck“ an Ersatzlösungen für die betroffenen Makler und deren Kunden.

Sachthemen.blog hat nachgefragt und eine offizielle Presseanfrage sowohl an WECOYA als auch an die SV SparkassenVersicherung in Stuttgart gerichtet.

Während WECOYA bislang keine Stellungnahme abgegeben hat, antwortete die SV SparkassenVersicherung ausführlich.

Christoph Jag, Leiter Unternehmenskommunikation und Pressesprecher der SV, erläuterte auf Anfrage die Hintergründe der Entscheidung und stellte klar, dass die Maßnahme ausschließlich bestimmte Produktlinien betreffe.


Sachthemen.blog wollte wissen:

Welche Gründe haben zur Beendigung der Zusammenarbeit mit WECOYA in den Produktlinien CIF:BIZ company protect und CIF:BIZ property complete geführt?
Christoph Jag: Im Wesentlichen basiert unsere Entscheidung auf der mangelnden Wirtschaftlichkeit der Konzepte. An dieser Stelle wollen wir jedoch betonen, dass wir nicht die Zusammenarbeit mit WECOYA in Gänze beendet haben, sondern tatsächlich nur in den genannten Produktlinien.

Weshalb erfolgte die Entscheidung offenbar sehr kurzfristig und nach außen hin unerwartet, trotz einer zuvor langjährigen und erfolgreichen Partnerschaft – zunächst mit ConceptIF und später mit WECOYA? Jag: Als SV SparkassenVersicherung sind wir im Markt ein anerkannt verlässlicher Partner. Auch zu diesem Thema haben wir mit WECOYA über einen langen Zeitraum (nicht kurzfristig!) Gespräche geführt. Am Ende kamen wir zu dem Entschluss, die genannten Produktlinien, bei denen wir zum Teil über viele Jahre Risikoträger waren, nicht fortzuführen.
Über die Beweggründe unserer Entscheidung haben wir auf Ebene der Geschäftsleitung von WECOYA ein persönliches Gespräch geführt.
Da sich die Hauptfälligkeiten über das gesamte Jahr verteilen und wir frühzeitig entsprechende Gespräche geführt haben, kann man aus unserer Sicht nicht von „kurzfristig“ sprechen. Die ersten Verträge enden zum 01.01.2026. Wir sind und bleiben in vielen anderen Bereichen auch weiterhin Risikoträger und Partner der WECOYA.

Liegen die Ursachen in der Produktperformance, in auffälligen Schadenquoten oder in anderen Faktoren wie etwa einer strategischen Neuausrichtung Ihres Hauses?

Jag: Die SV SparkassenVersicherung ist nach wie vor ein verlässlicher Partner mit einer langfristigen und nachhaltigen Strategie.
Unsere Entscheidung beruht nicht auf einer strategischen Neuausrichtung auf Seiten der SV, sondern ausschließlich auf der über Jahre hinweg unzureichenden Wirtschaftlichkeit der Produktlinien.

Können Sie ausschließen, dass auch weitere Produktlinien oder Kooperationen betroffen sein werden?

Jag: Wir bewerten Portfolien und Konzepte immer produkt- bzw. konzeptindividuell.
Daher ist dieser Schritt auch keine generelle Überprüfung und Neuordnung unserer Produktlinien und Kooperationen, sondern in diesem Fall auf die genannten Produktlinien (ConceptIF-Konzepte) begrenzt.

Welche Handlungsspielräume haben Versicherungsmakler und deren Kunden nun im Umgang mit den bestehenden Verträgen und deren Kündigungsszenario?

Jag: Die Einzelverträge wurden und werden form- und fristgerecht von uns als Risikoträger zum jeweiligen Ablauf jedes Einzelvertrages gekündigt.
Versicherungsmakler und deren Kunden sollten sich bzgl. ihrer Handlungsspielräume direkt an die WECOYA wenden.
Unser Ziel ist es, den Übergang auf einen anderen Risikoträger so unkompliziert und störungsfrei wie möglich zu gestalten.


Widerspruch in der Kommunikation

Die Beendigung der Zusammenarbeit betrifft zwei zentrale Produktlinien, die ursprünglich aus dem ConceptIF-Konzept hervorgegangen waren – einem langjährigen und in der Maklerschaft anerkannten Spezialangebot für Gewerbekunden.

Während WECOYA in ihrem Schreiben an die Vertriebspartner betont, von der Entscheidung der SV SparkassenVersicherung „überrascht worden zu sein“, widerspricht die SV dieser Darstellung deutlich.
Sie führt aus, dass über die Beendigung der Produktlinien „über einen langen Zeitraum (nicht kurzfristig!) Gespräche geführt“ worden seien – bis hin zu einem persönlichen Gespräch auf Geschäftsleitungsebene.

Damit ergibt sich ein auffälliger Widerspruch zwischen der Kommunikation von WECOYA und der Darstellung der SparkassenVersicherung.
Während WECOYA den Eindruck einer plötzlichen und unerwarteten Entscheidung vermittelt, legt die Antwort der SV nahe, dass die Thematik seit längerem bekannt und intern nicht überraschend war.

Gerade dieser Punkt lässt die Darstellung von WECOYA, man sei „überrascht“ worden, wenig glaubwürdig erscheinen – insbesondere vor dem Hintergrund, dass WECOYA nach eigenen Angaben „intensive Anstrengungen“ unternommen habe, um eine andere Entscheidung zu erwirken.


Konsequenzen für Makler und Vertriebe

Für Makler und deren Kunden bleibt die Situation dennoch komplex.
Zwar betont die SV, dass es sich um eine auf zwei Produktlinien begrenzte Entscheidung handelt, doch das Vertrauensverhältnis zwischen den beteiligten Partnern könnte durch die Diskrepanz in der Kommunikation nachhaltig belastet sein.

Sollte WECOYA nicht zeitnah tragfähige Ersatzlösungen für die betroffenen CIF:BIZ-Bestände präsentieren, besteht das Risiko, dass Makler, Pools und Vertriebe eigenständig mit der Umdeckung ihrer Verträge beginnen.
Ein solcher Schritt könnte den Bestand nachhaltig schwächen und zu einer Erosion des Vertrauens in die operative Stabilität von WECOYA führen – insbesondere, wenn Kunden und Vermittler das Gefühl gewinnen, im Übergang auf neue Risikoträger allein gelassen zu werden.


Hintergründe: WECOYA und die Übernahme von ConceptIF

Die WECOYA GmbH übernahm im Jahr 2022 die Geschäftsaktivitäten der ConceptIF Unternehmensgruppe, einem langjährig etablierten Assekuradeur mit Schwerpunkt auf gewerblichen Speziallösungen. Die Übernahme erfolgte im Zuge einer strategischen Neuausrichtung und Konsolidierung des gewerblichen Versicherungsgeschäfts, um Synergien zwischen digitalem Maklergeschäft, Underwriting-Kompetenz und Produktentwicklung zu nutzen.

WECOYA positionierte sich damit als Nachfolgeorganisation der ConceptIF und übernahm zahlreiche Produktlinien, unter anderem auch die CIF:BIZ-Konzepte, die bis dahin unter der Marke ConceptIF firmierten. Mit der Integration verband WECOYA die Ankündigung, die Produktlandschaft weiterzuentwickeln und bestehende Partnerschaften – wie die mit der SV SparkassenVersicherung – fortzuführen und auszubauen.

Vor diesem Hintergrund wiegt der nun erfolgte Rückzug der SV ausgerechnet bei diesen ehemaligen ConceptIF-Produkten besonders schwer:
Er betrifft einen zentralen Teil des übernommenen Geschäfts und stellt den Erfolg der seinerzeit groß angekündigten Übernahme nachträglich infrage.

Die WECOYA Underwriting GmbH ist eine Tochtergesellschaft der GGW Group GmbH mit Sitz in Hamburg. Sie bildet innerhalb der GGW-Gruppe den zentralen Bestandteil der sogenannten GGW Underwriting Group, die das Assekuradeur-, Pool- und Dienstleistungsgeschäft bündelt. Eigentümerin der WECOYA ist somit vollständig die GGW Group, deren Gesellschafterkreis sich aus den Managing Partnern der GGW Group sowie institutionellen Investoren (u. a. Hg Capital, einem britischen Private-Equity-Haus) zusammensetzt.

Im Dezember 2021 übernahm Hg Capital u.a. auch Mehrheitsanteile am Maklerpool Fonds Finanz von den Gründern Norbert Porazik und Markus Kiener.

WECOYA selbst hält wiederum Anteile an verschiedenen spezialisierten Tochtergesellschaften – etwa WECOYA Private & Commercial, WECOYA Services & Claims und WECOYA Broker Services – die aus der Integration der ehemaligen ConceptIF- und fbs-Gesellschaften hervorgegangen sind.



Artikelfoto: SV SparkassenVersicherung

Entdecke mehr von Sachthemen.blog

Melde dich für den Newsletter an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Published by

Kommentar verfassen

Entdecke mehr von Sachthemen.blog

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen