Neues Altersvorsorgedepot stößt auf großes Interesse
Mit dem geplanten Altersvorsorgedepot (AVD) steht die größte Reform der staatlich geförderten privaten Altersvorsorge seit Einführung der Riester-Rente bevor. Ab dem 1. Januar 2027 soll das neue Modell für Neuverträge die klassische Riester-Rente ablösen und erstmals eine staatlich geförderte, kapitalmarktbasierte Altersvorsorge ermöglichen. Eine aktuelle Umfrage des digitalen Vermögensverwalters quirion AG zeigt nun: Das Interesse in der Bevölkerung ist bereits vor dem offiziellen Start überraschend hoch.
Mehr als jeder Zweite zeigt Interesse
Laut der repräsentativen Befragung, die vom Marktforschungsinstitut puls im Auftrag von quirion durchgeführt wurde, können sich 52 Prozent der förderberechtigten Personen zwischen 16 und 60 Jahren vorstellen, ein Altersvorsorgedepot zu eröffnen. Für die Studie wurden 1.004 Menschen in Deutschland befragt.
Besonders bemerkenswert ist dabei, dass sich bislang lediglich acht Prozent der Teilnehmer nach eigener Aussage über das neue Depot und dessen staatliche Förderlogik gut informiert fühlen. Trotzdem liegt die aktuelle Abschlussbereitschaft deutlich über den Anfangswerten der Riester-Rente Anfang der 2000er-Jahre. Damals wollte laut Bertelsmann-Stiftung zunächst nur etwa jeder Sechste eine Riester-Rente abschließen.
Vor allem jüngere Menschen zwischen 16 und 40 Jahren stehen dem neuen Vorsorgemodell offen gegenüber. Auch Personen, die bereits privat vorsorgen, zeigen ein erhöhtes Interesse.
Viele wollen direkt 2027 starten
Unter den Interessierten plant knapp die Hälfte, bereits zum Start des neuen Systems Anfang 2027 einzusteigen. Die andere Hälfte möchte zunächst Erfahrungen anderer Anleger abwarten.
Als Vertragspartner werden Banken sowie Neobroker und digitale Vermögensverwalter von 46 Prozent der Befragten leicht bevorzugt – vor staatlichen Trägern mit 44 Prozent und Versicherungen mit 40 Prozent (hier waren Mehrfachnennungen möglich).
Transparenz wichtiger als hohe Renditen
Die Umfrage zeigt außerdem deutlich, worauf Verbraucher bei einem Altersvorsorgedepot besonderen Wert legen. An erster Stelle stehen verständliche und transparente Produktinformationen. Danach folgen niedrige Gebühren und klare Regeln für die spätere Auszahlung. Erst auf Platz vier nennen die Befragten eine möglichst hohe Rendite.
Nachhaltigkeitsaspekte spielen dagegen bislang nur eine untergeordnete Rolle.
Matthias Lamberti, Chief Innovation & Product Manager bei quirion, sieht darin einen klaren Auftrag an die Branche. Viele Verbraucher wollten vor allem einfache, nachvollziehbare und kostengünstige Produkte statt komplizierter Vertragsmodelle.
Durchschnittlich 181 Euro Sparrate geplant
Wer sich ein Altersvorsorgedepot vorstellen kann, plant laut Umfrage durchschnittlich 181 Euro pro Monat einzuzahlen. Dabei zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen Männern und Frauen. Männer möchten im Schnitt 223 Euro monatlich investieren, Frauen dagegen 124 Euro.
Besonders hohe Sparbeträge planen Menschen mit einem monatlichen Nettoeinkommen von über 4.000 Euro. In dieser Gruppe liegt die durchschnittliche geplante Einzahlung bei 273 Euro pro Monat.
Mit einer jährlichen Eigenleistung von bis zu 1.800 Euro könnten Sparer die maximale staatliche Förderung von 540 Euro pro Jahr erhalten. Hinzu kommen mögliche Kinderzulagen sowie ein Berufseinsteigerbonus für junge Erwachsene unter 25 Jahren.
Wechselbereitschaft bei Riester-Sparern
Auch bestehende Riester-Kunden beschäftigen sich offenbar intensiv mit dem neuen Modell. Ein Teil der Befragten möchte den bisherigen Vertrag ruhen lassen und zusätzlich ein Altersvorsorgedepot eröffnen. Andere planen sogar einen vollständigen Wechsel in das neue System.
Das Altersvorsorgedepot unterscheidet sich grundsätzlich von der klassischen Riester-Rente. Während Riester-Produkte bislang strengen Garantievorgaben unterlagen, soll das neue Modell stärker auf langfristige Kapitalmarktinvestitionen setzen – etwa über ETF-Sparpläne. Dadurch erhoffen sich Anbieter und Politik höhere Renditechancen bei gleichzeitig geringeren Kosten.
Karl Matthäus Schmidt, Vorstandsvorsitzender der Muttergesellschaft , fordert dabei möglichst faire und transparente Produkte ohne versteckte Gebühren. Entscheidend sei eine breite Diversifikation und ein langfristiger Anlageansatz.
Große Erwartungen an die Reform
Die Ergebnisse der Umfrage deuten darauf hin, dass die geplante Reform der privaten Altersvorsorge auf deutlich mehr Zustimmung stößt als einst die Einführung der Riester-Rente. Gleichzeitig bleibt der Informationsbedarf hoch. Viele konkrete Details zur Ausgestaltung der neuen Produkte müssen in den kommenden Monaten noch festgelegt werden. Für Verbraucher dürfte daher entscheidend sein, wie transparent, verständlich und kostengünstig die neuen Altersvorsorgedepots tatsächlich angeboten werden.
Mein Kommentar
Die aktuelle Umfrage zum neuen Altersvorsorgedepot zeigt vor allem eines: Das Interesse der Menschen an einer modernen, staatlich geförderten Altersvorsorge ist groß. Schon heute signalisiert mehr als die Hälfte der Befragten Bereitschaft zum Abschluss eines neuen Vorsorgedepots ab 2027. Gleichzeitig macht die Studie deutlich, worauf Verbraucher jetzt besonders achten: Transparenz, verständliche Produkte und faire Kosten.
Wer Transparenz fordert, spricht letztlich auch über Vertrauen. Genau dieses Vertrauen wird in den kommenden Monaten entscheidend sein. Denn viele Riester-Sparer stehen aktuell vor grundlegenden Fragen: Alten Vertrag unter neuer Förderlogik weiterführen? Beitragsfrei stellen? Kapital übertragen? Oder parallel ein neues Produkt aufbauen? Gerade Kunden mit langjährig besparten Riester-Verträgen suchen jetzt Orientierung und verständliche Beratung.
Die Umfrage zeigt außerdem eine bemerkenswert hohe Wechselbereitschaft. Viele Kunden denken bereits darüber nach, bestehende Verträge ruhen zu lassen und ein neues Vorsorgedepot zu eröffnen. Genau darin liegt aber auch eine große Chance für Beraterinnen und Berater. Denn jetzt ist noch Zeit, in Ruhe über Fördermöglichkeiten, rechtliche Rahmenbedingungen und individuelle Lösungen zu sprechen — bevor im Herbst möglicherweise Hektik entsteht und Kunden ihre Entscheidungen allein, über Banken, Broker oder Internetplattformen treffen.
Wichtig wird dabei vor allem die individuelle Beratung sein. Denn die neuen Förderregelungen sind komplex und nicht jede Lösung passt zu jedem Kunden. Es braucht Fachleute, die genau einschätzen können, wann ein bestehender Riester-Vertrag sinnvoll weitergeführt werden sollte, wann eine Beitragsfreistellung infrage kommt oder wann eine Übertragung in neue Produkte sinnvoll sein kann. Ebenso entscheidend ist die Frage, welches neue Vorsorgeprodukt überhaupt zur jeweiligen Lebenssituation des Kunden passt.
Genau hier kommt der Vermittler ins Spiel. Viele Verbraucher werden weder die Zeit noch das Fachwissen haben, sich intensiv mit allen Details der neuen Altersvorsorge auseinanderzusetzen. Natürlich gibt es Kunden, die sich eigenständig informieren möchten. Gleichzeitig dürfte aber auch der Wunsch nach persönlicher Orientierung und individueller Beratung groß sein. Darin liegt für Vermittler eine enorme Chance, Vertrauen aufzubauen und sich frühzeitig als kompetenter Ansprechpartner zu positionieren.
Auch die Versicherer sind nun gefordert. Wer beim Start des neuen Altersvorsorgedepots Anfang 2027 eine relevante Rolle spielen möchte, sollte zeitnah erste Produktkonzepte und konkrete Lösungsansätze präsentieren. Denn nur wenn frühzeitig Transparenz über Kosten, Förderstruktur und Produktgestaltung geschaffen wird, kann mittelfristig auch fundiert und praxisnah beraten werden.
Eines zeigt die Umfrage ganz klar: Der Informationsbedarf ist enorm — und der Wunsch nach persönlicher Orientierung größer denn je.


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