KFZ-Branche kritisiert Versicherer scharf!

Gebrauchtteile im Fokus: Streit um Einfluss der Versicherer auf Kfz-Reparaturen spitzt sich zu

Beim Deutschen Autorechtstag 2026 zeichnet sich ein zunehmender Konflikt im deutschen Kfz-Reparaturmarkt ab: Branchenverbände schlagen Alarm, weil Versicherer immer stärker in die Auswahl von Ersatzteilen eingreifen. Im Zentrum der Kritik steht insbesondere der verstärkte Einsatz gebrauchter Komponenten – ein Trend, der zwar Kostenvorteile verspricht, jedoch aus Sicht der Werkstätten erhebliche Risiken birgt.

Der 19. Deutsche Autorechtstag, der am 16. und 17. März 2026 auf dem Petersberg bei Bonn stattfand, bot den Rahmen für die Debatte. Die hybride Fachveranstaltung versammelte Vertreter aus Rechtsprechung und Kfz-Branche, um neben anderen Themen auch aktuelle Entwicklungen im Reparaturrecht zu diskutieren – mit deutlich erkennbaren Spannungen zwischen Kostendruck und Qualitätsanspruch.

Werkstätten sehen ihre Entscheidungsfreiheit bedroht

Nach Auffassung des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) sowie des Zentralverbands Karosserie- und Fahrzeugtechnik (ZKF) geraten qualifizierte Fachbetriebe zunehmend unter Druck. Versicherer würden verstärkt vorgeben, ob neue oder gebrauchte Ersatzteile verwendet werden sollen – und damit direkt in die technische Entscheidungsfindung eingreifen.

Es darf nicht sein, dass Versicherer faktisch vorgeben, welche Ersatzteile in einer Reparatur verbaut werden“, betont ZDK-Präsident Thomas Peckruhn. Die Entscheidung über geeignete Teile müsse bei den Fachbetrieben liegen, die letztlich auch für Qualität und Sicherheit verantwortlich seien. „Über die Qualität einer Fahrzeugreparatur entscheidet das Kfz-Gewerbe – nicht die Kostenkalkulation der Versicherung“, so Peckruhn weiter.

Allianz betont Vorteile gebrauchter Ersatzteile

Die Versicherungswirtschaft – allen voran die Allianz – betont die Vorteile des Einsatzes gebrauchter Ersatzteile und verweist dabei sowohl auf ökologische als auch auf wirtschaftliche Aspekte. Reparaturen mit wiederverwendeten Komponenten seien nachhaltiger als der Einsatz von Neuteilen, heißt es aus dem Konzern. Intakte Bauteile wie Türen oder Stoßfänger könnten im Sinne der Kreislaufwirtschaft weiterverwendet werden.

Zugleich sieht der Versicherer Potenzial zur Kostendämpfung: Der Einsatz geprüfter Gebrauchtteile könne die Schadenkosten senken und so langfristig zur Stabilisierung der Versicherungsprämien beitragen.

Mit Blick auf die Kritik aus dem Kfz-Gewerbe verweist die Allianz darauf, dass die Entscheidung über den Einsatz gebrauchter Teile im Zusammenspiel von Werkstätten, Sachverständigen und Versicherern getroffen werde. Zudem würden ausschließlich nicht sicherheitsrelevante Bauteile verwendet, die geprüft und dokumentiert seien. Für Kunden bestehe kein Nachteil – sie erhielten die gleiche Garantie wie bei neuen Ersatzteilen.

Gleichzeitig befindet sich der Markt aus Sicht des Versicherers noch im Aufbau. Ziel sei es, die Nutzung gebrauchter Teile im Schadenmanagement perspektivisch noch auszuweiten. Genau hier setzen die Verbände an und warnen vor einer zunehmenden Einflussnahme auf technische Entscheidungen in den Werkstätten.

Gebrauchtteile: Zwischen Nachhaltigkeit und Risiko

Grundsätzlich erkennen die Verbände an, dass gebrauchte Ersatzteile einen Beitrag zur Ressourcenschonung leisten können. Allerdings sei deren Einsatz nur unter klar definierten Voraussetzungen sinnvoll – etwa einer technischen Prüfung, dokumentierter Vorschadensfreiheit und eindeutigen Haftungsregelungen.

Gerade bei Karosserieteilen sieht die Praxis jedoch deutlich mehr Aufwand als häufig angenommen. „Wenn Versicherer behaupten, diese Arbeitsschritte seien entbehrlich, hat das mit der technischen Realität in den Werkstätten wenig zu tun“, erklärte ZKF-Ehrenpräsident Peter Börner. Die fachgerechte Aufbereitung erfordere Zeit, Know-how und Sorgfalt – Faktoren, die im reinen Kostenvergleich oft ausgeblendet würden.

Wertminderung als unterschätztes Problem

Zusätzliche Brisanz erhält das Thema durch mögliche wirtschaftliche Folgen für Fahrzeughalter. Nach der Aufbereitung gebrauchter Teile ist die Lackschicht häufig deutlich dicker als im Originalzustand. Bei späteren Bewertungen – etwa bei Leasingrückgaben oder im Gebrauchtwagenhandel – kann dies zu Fehlinterpretationen führen.

Die Folge: Wertminderungen, Nachforderungen und steigendes Konfliktpotenzial zwischen Kunden, Werkstätten und Versicherern. Aus Sicht der Verbände droht hier ohne einheitliche Standards eine erhebliche Verunsicherung im Markt.

Kritik an „verdeckten Sparmaßnahmen“

Besonders kritisch sehen ZDK und ZKF den Versuch, den verstärkten Einsatz gebrauchter Teile unter Nachhaltigkeitsaspekten zu rechtfertigen. „Nachhaltigkeit darf nicht zum Deckmantel werden, um Qualitäts- und Sicherheitsstandards im Reparaturmarkt auszuhöhlen“, warnte Thomas Peckruhn.

Politik in der Pflicht

Vor diesem Hintergrund fordern die Verbände klare regulatorische Leitplanken. Ziel müsse es sein, die Entscheidungsfreiheit der Werkstätten zu sichern und gleichzeitig verbindliche Qualitäts- und Haftungsstandards zu etablieren.

Der Deutsche Autorechtstag 2026 zeigt damit deutlich: Der Konflikt zwischen Wirtschaftlichkeit und technischer Verantwortung spitzt sich zu. Ohne klare Regeln droht eine Verschiebung der Machtverhältnisse im Reparaturmarkt – mit potenziellen Nachteilen für Werkstätten und Verbraucher gleichermaßen.


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