Anwälte kritisieren Versicherer

BRAK-Umfrage: Anwälte sehen zunehmende Einflussnahme durch Rechtsschutzversicherer

Rechtsschutzversicherer greifen nach Wahrnehmung vieler Rechtsanwälte stärker in die Rechtsverfolgung ihrer Kunden ein. Darauf deutet eine aktuelle Umfrage der Bundesrechtsanwaltskammer (BRAK) hin, deren Ergebnisse Ende Januar veröffentlicht wurden.

An der Online-Befragung, die zwischen dem 30. Oktober 2025 und dem 5. Januar 2026 lief, beteiligten sich zahlreiche Juristen. Insgesamt wurde die Umfrage 7.070-mal aufgerufen, 5.935 Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte beantworteten sie vollständig.

Mandantenkontakt vor Anwaltseinschaltung

Ein zentrales Ergebnis der Erhebung: 42,03 Prozent der teilnehmenden Anwälte berichteten, dass Mandanten bereits vor der Beauftragung eines Rechtsanwalts durch ihre Rechtsschutzversicherung beraten oder vertreten worden seien.

Aus Sicht der BRAK ist das problematisch. Versicherer dürften keine unabhängige Rechtsberatung erteilen, betont die Kammer. „Die rechtliche Beratung und Vertretung ist den Versicherern aus gutem Grund verboten. Versicherte können von ihnen keinen unabhängigen Rechtsrat erwarten. Das Interesse der Versicherer liegt auf der Vermeidung von Kosten, nicht auf der Durchsetzung der Rechte der Bürger“, erklärte BRAK-Vizepräsident Christian Lemke.

Berichte über Abstandszahlungen

Darüber hinaus berichten Anwälte von Fällen, in denen Versicherer versuchen sollen, Verfahren bereits im Vorfeld zu vermeiden. 12,58 Prozent der Befragten gaben an, entsprechende Situationen zu kennen, in denen Rechtsschutzversicherer Mandanten eine Zahlung angeboten hätten, wenn diese auf eine anwaltliche Beauftragung oder die weitere Rechtsverfolgung verzichten.

Teilweise hätten Versicherer dabei auch eigene Einschätzungen zu den Erfolgsaussichten eines möglichen Verfahrens abgegeben, heißt es in den Ergebnissen der Umfrage.

Die gemeldeten Fälle stammen aus verschiedenen Rechtsgebieten. Besonders häufig nannten die Teilnehmer allerdings Konstellationen aus dem Bereich von Ordnungswidrigkeitenverfahren.

BRAK fordert klare Trennung der Rollen

Für die Bundesrechtsanwaltskammer sind die Rückmeldungen ein Hinweis darauf, dass Versicherer ihre Rolle überschreiten könnten. „Versicherer müssen sich rechtstreu verhalten und die rechtliche Beratung denjenigen überlassen, die dazu berufen sind: unabhängigen Anwältinnen und Anwälten“, sagte Lemke.

Die Kammer weist allerdings selbst darauf hin, dass es sich nicht um eine repräsentative Studie handelt. Die Ergebnisse basieren auf den Erfahrungen der teilnehmenden Anwälte.

Versicherer kritisieren Interpretation der Umfrage

Aus der Versicherungsbranche kommt Widerspruch. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hält die Schlussfolgerungen der BRAK für überzogen.

„Aus unserer Sicht gehen die von der BRAK gezogenen Schlussfolgerungen deutlich über die Aussagekraft der erhobenen Daten hinaus“, sagte GDV-Sprecher Christian Ponzel. Die Kritik der Anwaltskammer sei auch im Zusammenhang mit berufsständischen Interessen zu sehen.

„Sie sind vornehmlich vor dem Hintergrund der berufsständischen Interessenlage der BRAK und der laufenden Diskussion um eine Weiterentwicklung des Rechtsdienstleistungsgesetzes zu verstehen“, so Ponzel.

Nach Darstellung der Versicherungsbranche beschränkt sich die Rolle der Rechtsschutzversicherer darauf, Versicherte über Deckungsfragen, Kostenrisiken und mögliche Alternativen zu Gerichtsverfahren zu informieren. Ziel sei es, unnötige Prozesse zu vermeiden.


Entdecke mehr von Sachthemen.blog

Melde dich für den Newsletter an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Published by

Deine Meinung ist uns wichtig!

Entdecke mehr von Sachthemen.blog

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen