Helmsauer Brüder bereits bei 5 Millionen Bestand

Brüder treten gegen das frühere Familienunternehmen an.

Im deutschen Versicherungsmarkt ist eine ungewöhnliche Konstellation entstanden: Zwei Unternehmen mit dem Namen Helmsauer stehen sich gegenüber. Auf der einen Seite die traditionsreiche Helmsauer Gruppe, auf der anderen die neu gegründete Unternehmensgruppe Helmsauer Brüder, aufgebaut von Steffen und Bastian Helmsauer – den Söhnen des langjährigen Unternehmers Bernd Helmsauer.

Die Neugründung markiert den vorläufigen Höhepunkt eines Bruchs innerhalb des früheren Familienunternehmens und führt nun zu direkter Konkurrenz im Maklermarkt.

Bruch innerhalb des Familienunternehmens

Über Jahrzehnte galt die Helmsauer Gruppe als klassisches Familienunternehmen. Doch in den vergangenen Jahren veränderte sich die Struktur deutlich. Nach dem Einstieg des Private-Equity-Investors Nordic Capital im Jahr 2023 wandelte sich das Unternehmen zunehmend zu einer investorengetriebenen Organisation.

Ende 2025 kam es schließlich zu einem überraschenden Einschnitt: Unternehmensgründer Bernd Helmsauer legte seine operativen Funktionen nieder. Beobachter werteten diesen Schritt weniger als geplanten Generationswechsel, sondern als Ausdruck eines grundlegenden Bruchs innerhalb der Unternehmensführung.

Die Söhne Steffen und Bastian Helmsauer übernahmen das Unternehmen nicht, sondern verließen die Gruppe und gründeten Anfang 2026 eine eigene Maklerorganisation.

Neuer Verbund mit ambitioniertem Ausbau

Mit dem zunächst gegründeten Helmsauer Verbund, der später in Helmsauer Brüder Verbund umbenannt wurde und mittlerweile nur noch als Helmsauer Brüder firmiert, bauen die Brüder nun eine neue Maklergruppe auf.

Zu Helmsauer Brüder gehören mehrere Gesellschaften mit Sitz in Nürnberg. Dazu zählen die Helmsauer Brüder Versicherungsmakler GmbH als zentrale Maklergesellschaft, die Helmsauer Sachsen Versicherungsmakler GmbH als regionaler Maklerstandort (derzeit in Gründung), die Helmsauer Brüder Zeichnungsstelle GmbH als Assekuradeur beziehungsweise Zeichnungsstelle sowie die DGbV – Deutsche Gesellschaft für betriebliche Vorsorge GmbH, die sich auf Beratung und Konzepte im Bereich der betrieblichen Vorsorge spezialisiert. Alle Gesellschaften werden von Bastian Helmsauer und Steffen Helmsauer als Geschäftsführer geführt.

Der Ausbau erfolgt mit hohem Tempo.

Bereits wenige Wochen nach dem Start meldet das Unternehmen erste Erfolge:

  • Das Bestandsvolumen überschreitet bereits fünf Millionen Euro.
  • Fünf Standorte wurden bereits eröffnet: Nürnberg, Minden, Monheim bei Wemding, Wuppertal und Köln.
  • Weitere Niederlassungen in Bremen, Berlin, München und Bielefeld sind in Planung.
  • Das Unternehmen beschäftigt mehr als 40 Mitarbeiter, sämtliche Abteilungen sind bereits besetzt.

Parallel dazu baut die neue Unternehmensgruppe Beziehungen zu Versicherern auf. Nach Unternehmensangaben liegen inzwischen über 40 Courtagezusagen von Versicherern vor. Dies geht aus eigenen Publikationen der Gruppe hervor.

Strategischer Fokus zunächst auf betrieblicher Vorsorge

Inhaltlich setzt der neue Maklerverbund momentan auf Beratung im Bereich der betrieblichen Vorsorge. Dazu zählen:

  • betriebliche Berufsunfähigkeitsversicherung (bBU)
  • betriebliche Krankenversicherung (bKV)
  • betriebliche Altersversorgung (bAV)

Die entsprechende Beratung soll nach Angaben des Unternehmens künftig bundesweit ausgerollt werden. Bereits jetzt wurden mehrere Mandate im Bereich der betrieblichen Versorgung gewonnen. Ergänzend arbeitet man an sogenannten GehaltsExtras, bei denen Teile des Barlohns in steuerlich begünstigte Sachlohn-Bausteine umgewandelt werden können.

Neben dem Ausbau betrieblicher Vorsorgekonzepte engagiert sich Helmsauer Brüder laut eigener Internetpräsenz weiterhin in klassischen Bereichen der Unternehmensversicherung. Dazu zählen insbesondere Versicherungslösungen für Gewerbe und Mittelstand, branchenspezifische Absicherungskonzepte, Cyber-Versicherungen und D&O-Policen für Führungskräfte. Damit positioniert sich das Unternehmen als breit aufgestellter Versicherungsmakler mit Schwerpunkt auf der Beratung von Unternehmen und deren Entscheidern.

Aufbau eines eigenen Assekuradeurs

Neben dem klassischen Maklergeschäft planen die Gründer auch den Aufbau eines eigenen Zeichnungsgeschäfts. Unter dem Namen Helmsauer Brüder Zeichnungsstelle entsteht derzeit ein Assekuradeur. Mehrere Risikoträger haben nach Angaben des Unternehmens Interesse signalisiert. Mit einem Versicherer wurde bereits eine erste Assekuradeurs-Vereinbarung geschlossen.

Juristischer Streit zwischen den beiden Unternehmen

Der Aufbau der Helmsauer Brüder blieb jedoch nicht ohne Konflikte. Zwischen der neuen Organisation und der etablierten Helmsauer Gruppe kam es bereits zu juristischen Auseinandersetzungen.

Vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth ging es unter anderem um Fragen des Wettbewerbsrechts, mögliche Abwerbungen von Mitarbeitern sowie um mutmaßlich unzutreffende auch ehrrührige Aussagen von Dr. Sven Tischendorf, der einst von Nordic Capital als Interimsgeschäftsführer bei der Helmsauer Gruppe eingesetzt worden war, über die Gründer. Auch der Unternehmensname spielte offenbar eine Rolle. In der Folge benannten die Gründer ihren Verbund offiziell in Helmsauer Brüder Verbund um. Mittlerweile firmiert man scheinbar nur noch unter der Kurzform Helmsauer Brüder. Sachthemen.blog berichtete.

Neuordnung auch bei der Helmsauer Gruppe

Während die Brüder ihren neuen Verbund aufbauen, befindet sich auch die ursprüngliche Helmsauer Gruppe im Umbruch. Anfang 2026 übernahm mit Marco Gerhardt ein neuer CEO die operative Leitung des Unternehmens.

Damit wandelt sich die Organisation weiter von einem klassischen Familienunternehmen hin zu einer stärker investoren- und managementgeführten Struktur.

Wettbewerb aus einer gemeinsamen Geschichte

Der Versicherungsmarkt erlebt damit eine ungewöhnliche Situation: Zwei Maklerorganisationen mit demselben Familiennamen treten nun als Wettbewerber auf.

Während die Helmsauer Gruppe ihre Entwicklung unter Investorenbeteiligung fortsetzt, positioniert sich Helmsauer Brüder als neu gegründete Unternehmerinitiative der nächsten Generation.

Der schnelle Ausbau von Standorten, Personal und Geschäftsfeldern zeigt, dass die Brüder im Maklermarkt eine eigenständige Rolle etablieren wollen – auch wenn ihre Geschichte eng mit dem ursprünglichen Familienunternehmen verbunden bleibt.

Mein Kommentar

Durch die ersten rechtlichen Klarstellungen bietet sich für die neue Unternehmensgruppe Helmsauer Brüder nun die Möglichkeit, ihren eingeschlagenen Expansionskurs konsequent fortzusetzen. Die wichtigsten Anfangshürden scheinen damit vorerst aus dem Weg geräumt zu sein. Gleichzeitig ist jedoch kaum zu erwarten, dass damit alle offenen Fragen endgültig geklärt sind. Angesichts der besonderen Konstellation zweier Unternehmen mit gemeinsamer Geschichte ist es durchaus wahrscheinlich, dass es auch künftig immer wieder zu rechtlichen oder strategischen Klärungen zwischen beiden Seiten kommen wird.

Der bislang rasante Bestandsaufbau der Helmsauer Brüder zeigt jedenfalls, dass das neue Unternehmen durchaus das Potenzial hat, für die Helmsauer Gruppe zu einer ernstzunehmenden Konkurrenz zu werden. Entscheidend wird nun sein, wie schnell die Brüder ihre Organisation weiter ausbauen können, welche zusätzlichen Geschäftsfelder sie erschließen und in welchem Umfang ihnen dies gelingt.

Dabei bleibt festzuhalten, dass die Betätigungsfelder weiterhin deutliche Überschneidungen mit denen der Helmsauer Gruppe aufweisen. Gleichzeitig dürften frühere berufliche Kontakte und über Jahre gewachsene Geschäftsbeziehungen den Brüdern bei ihrer weiteren Expansion durchaus zugutekommen.

Zwar ist der Versicherungsmarkt groß genug, um mehreren Akteuren in gleichen Segmenten Wachstum zu ermöglichen. Dennoch birgt die Kombination aus ähnlichen Tätigkeitsfeldern, einem gemeinsamen historischen Hintergrund und möglichen Überschneidungen bei Kundenbeziehungen ein gewisses Konfliktpotenzial. Es bleibt daher spannend zu beobachten, wie sich die Situation in den kommenden Monaten entwickelt – und vor allem, ob die Helmsauer Brüder ihr derzeitiges Wachstumstempo langfristig aufrechterhalten können.

Sollte ihnen das gelingen, haben sie zweifellos das Potenzial, im Markt weiterhin für Aufmerksamkeit und Bewegung zu sorgen.


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