Mit der Bestellung zum CEO der Helmsauer Gruppe steht ein erfahrener Branchenmanager an einem strategisch hochsensiblen Punkt: Die Gruppe durch eine Phase der Neuorientierung, Strukturierung und des Wachstums zu führen. Was auf den ersten Blick wie ein klassischer Managementwechsel wirkt, ist in Wahrheit Teil einer länger angelegten, teils turbulenten Entwicklung – und gerade dieser Kontext macht Gerhardts Rolle besonders bemerkenswert.
Karriere mit Fokus auf Wachstum und Organisation
Marco Gerhardt verfügt über langjährige Erfahrung in der Versicherungs- und Maklerbranche und gilt als Manager mit besonderer Stärke in der Führung komplexer Organisationen und Veränderungsprozesse. Während seiner Zeit bei MRH Trowe, einem direkten Konkurrenten der Helmsauer Gruppe, war er nicht nur Mitglied des Vorstands, sondern auch als Anteilseigner eng in die unternehmerische Entwicklung eingebunden. In seinem Ressort verantwortete er unter anderem die Betriebsorganisation, die strategische Steuerung des Assekuradeurs sowie vor allem die Integration neu erworbener Maklerunternehmen. Seine Tätigkeit bewegte sich damit im Spannungsfeld zwischen operativer Führung, Wachstum und struktureller Weiterentwicklung.
Sein Ausscheiden bei MRH Trowe im Juni 2023 erfolgte im Zuge einer internen Neuordnung der Ressortzuschnitte.
Zuvor war Gerhardt in verschiedenen Managementfunktionen innerhalb der Versicherungswirtschaft aktiv, sowohl auf Makler- als auch auf Versichererseite. Über mehrere Jahre war er zudem für die Managementberatung EY Innovalue tätig, wo er Versicherer und Maklerunternehmen in strategischen und organisatorischen Fragestellungen begleitete.
Branchenkenner bescheinigen ihm ein ausgeprägtes Verständnis für komplexe Kundenstrukturen, regulatorische Anforderungen sowie für die Steuerung größerer Organisationseinheiten. Sein Führungsprofil gilt als analytisch, umsetzungsorientiert und klar auf Governance, operative Effizienz und nachhaltiges Wachstum ausgerichtet.
Nach seinem Ausscheiden bei MRH Trowe war Gerhardt unternehmerisch tätig. Er fungierte als Inhaber der in Hamburg ansässigen MGH Invest, über die er sich mit strategischen Fragestellungen und Beteiligungsthemen im Versicherungs- und Dienstleistungsumfeld befasste.
Seine Berufung an die Spitze der Helmsauer Gruppe wird daher auch als gezielte Rückkehr in eine Schlüsselrolle interpretiert – an einem Punkt, an dem Managementerfahrung, Strukturierungsfähigkeit und Marktkenntnis gleichermaßen gefragt sind.
Vom Gründerunternehmen zur Investorenstruktur
Die Helmsauer Gruppe war über Jahrzehnte ein klassisches Familienunternehmen, geprägt durch Bernd Helmsauer, der das Maklerhaus zu einem etablierten Spezialdienstleister im Gewerbe-, Industrie- und Gesundheitsmarkt aufgebaut hat. Mit dem Einstieg eines Finanzinvestors wandelte sich die Gruppe zunehmend hin zu einer stärker institutionalisierten Struktur mit klaren Governance-Vorgaben, Wachstumszielen und professionellen Managementprozessen.
Der Weggang Bernd Helmsauers Ende des Jahres 2025 markierte dabei nicht nur das Ende einer unternehmerischen Ära, sondern auch einen strukturellen Einschnitt.
Übergangsphase und Interimsführung
Nach dem Ausscheiden von Bernd Helmsauer wurde die Helmsauer Gruppe von Sven Tischendorf geführt. Diese Interimsphase diente der operativen Stabilisierung und der Vorbereitung einer dauerhaften Führungsstruktur. In dieser Zeit wurde das Tagesgeschäft gesichert und zugleich der Boden bereitet für eine strategische Neuausrichtung unter einer neuen Führungspersönlichkeit.
Mit Marco Gerhardt folgt nun kein Übergangsmanager, sondern ein CEO mit klarer Mandatierung für Weiterentwicklung und langfristige Positionierung.
Abspaltung und Neugründung: Der Helmsauer Verbund
Parallel zur Neuordnung der Helmsauer Gruppe kam es zu einer weiteren Zäsur: Die Söhne Steffen und Bastian Helmsauer verließen ebenfalls das Unternehmen und gründeten im Januar 2026 mit dem Helmsauer Verbund ein neues, eigenständiges Familienunternehmen.
Damit existieren nun zwei konkurrierende Organisationen mit dem Namen Helmsauer, die zwar einen gemeinsamen historischen Ursprung haben, strategisch und strukturell jedoch klar getrennte Wege gehen.
Bereits in den ersten Wochen nach der Gründung gelang es dem neu formierten Helmsauer Verbund, zahlreiche Fachkräfte aus der Helmsauer Gruppe für sich zu gewinnen und entsprechende Arbeitsverträge abzuschließen. Dies führte innerhalb der Helmsauer Gruppe zu spürbaren Lücken in der Personaldecke und stellt das Unternehmen vor die Herausforderung, zeitnah qualifiziertes Fachpersonal zu rekrutieren und zentrale Funktionen neu zu besetzen.
Diese Entwicklung unterstreicht die Transformation der Helmsauer Gruppe von einem familiengeführten Maklerhaus hin zu einer investorengetragenen Organisation. Zugleich entstand durch den Helmsauer Verbund ein neuer Wettbewerber, der bewusst an die familiäre Tradition anknüpft – während die Helmsauer Gruppe künftig stärker durch professionelle Management- und Wachstumslogiken geprägt sein dürfte.
Bedeutung der Personalie
Vor diesem Hintergrund wird deutlich: Die Berufung Marco Gerhardts ist keine isolierte Personalentscheidung, sondern ein Folgeschritt der strukturellen Neuordnung. Erst der Weggang Bernd Helmsauers und die Trennung von der Gründerfamilie machten den Weg frei für eine externe Führungspersönlichkeit mit klarem Managementfokus.
Gerhardt übernimmt damit nicht nur ein etabliertes Maklerunternehmen, sondern eine Organisation im Übergang – zwischen Tradition und Transformation, zwischen gewachsener Marke und neuer strategischer Ausrichtung.
Herausforderungen
Marco Gerhardt steht an der Spitze der Helmsauer Gruppe zu einem Zeitpunkt, an dem Weichenstellungen über Jahre hinaus wirken werden. Seine Vita, geprägt von Wachstum, Strukturierung und professionellem Management, passt zu einer Gruppe, die sich neu definiert. Der Schritt markiert das Ende der Gründerphase – und den Beginn eines neuen Kapitels, in dem nicht mehr familiäre Kontinuität, sondern strategische Führung im Vordergrund steht.


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