Warum Geräteversicherungen im Elektromarkt meist nicht lohnen – und welche Alternativen es gibt
Beim Kauf eines Smartphones, Fernsehers, Laptops oder Haushaltsgeräts werden Kundinnen und Kunden im Elektromarkt fast immer mit Zusatzangeboten konfrontiert. Besonders häufig geht es um sogenannte Geräte- oder Garantieversicherungen, die gegen Defekte, Sturzschäden oder andere Risiken schützen sollen. Verbraucherschützer und Fachmedien warnen jedoch seit Jahren davor, solche Versicherungen unkritisch abzuschließen.
Wie unterscheiden sich Garantie- von Geräteversicherungen?
Während eine Garantieversicherung in der Regel die bestehende Herstellergarantie zeitlich verlängert und meist nur bestimmte Defekte abdeckt, schützt eine Geräteversicherung darüber hinaus auch vor selbst verursachten Schäden wie Sturz-, Bruch- oder Bedienungsfehlern, die von einer Garantie normalerweise nicht erfasst werden. Deshalb ist die Geräteversicherung in der Regel meist deutlich teurer.
Wie chip.de berichtet, zählen Geräteversicherungen zu den lukrativsten Zusatzprodukten im Elektronikhandel, während ihr tatsächlicher Nutzen für Verbraucherinnen und Verbraucher in vielen Fällen begrenzt ist. Nach Einschätzung des Magazins stehen Kosten und Leistungen häufig in einem deutlichen Missverhältnis.
Ein zentrales Argument gegen Garantieversicherungen ist der bereits bestehende gesetzliche Schutz. Wie die Verbraucherzentrale Hamburg mitteilt, gilt in Deutschland eine gesetzliche Gewährleistung von zwei Jahren. In diesem Zeitraum muss der Händler für Mängel einstehen, die bereits beim Kauf bestanden haben.
Die Verbraucherschützer weisen darauf hin, dass viele Kundinnen und Kunden diese Rechte nicht kennen oder unterschätzen. Geräteversicherungen suggerieren zusätzlichen Schutz, obwohl ein Großteil der typischen Defekte bereits durch die Gewährleistung abgedeckt ist.
Hohe Kosten, geringer Gegenwert
Wie chip.de berichtet, können Geräteversicherungen über die Jahre erheblich teurer werden als das versicherte Gerät selbst. Das Magazin verweist auf konkrete Fälle, in denen Verbraucher über lange Laufzeiten mehrere Hundert Euro an Versicherungsbeiträgen gezahlt haben, obwohl der ursprüngliche Kaufpreis des Geräts deutlich darunter lag.
Besonders problematisch ist dabei laut Verbraucherzentrale, dass viele Versicherungen im Schadenfall lediglich den Zeitwert ersetzen. Gerade bei Elektronik sinkt dieser Wert schnell. Nach wenigen Jahren fällt die Entschädigung daher oft deutlich niedriger aus als erwartet.
Hinzu kommen häufig Selbstbeteiligungen, Ausschlüsse bestimmter Schadenarten und feste Mindestlaufzeiten von zwei oder drei Jahren. Wie die Verbraucherzentrale Hamburg erläutert, führen diese Einschränkungen dazu, dass Versicherungen im Ernstfall weniger leisten, als Kunden beim Abschluss vermuten.
Intransparente Verkaufspraktiken
Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die Art des Verkaufs. Wie die Verbraucherzentrale Hamburg berichtet, werden Geräteversicherungen häufig direkt an der Kasse angeboten. Der Abschluss erfolgt oft spontan und ohne ausreichende Zeit, die Vertragsbedingungen zu prüfen.
Der Verbraucherzentrale Bundesverband konnte in der Vergangenheit erfolgreich gegen irreführende Preisangaben vorgehen. In einem Gerichtsverfahren wurde einem Elektronikhändler untersagt, Gerätepreise inklusive Versicherung auszuweisen, da dies Verbraucher über die tatsächlichen Kosten täuschte.
Ein echtes Praxisbeispiel: 800 Euro Prämie für eine 199-Euro-Waschmaschine
Besonders anschaulich wird es bei den Fällen aus der Beratungspraxis. Die Verbraucherzentrale Hamburg schildert den Fall eines Verbrauchers, der für eine 199-Euro-Waschmaschine eine Komplettschutz-Versicherung abgeschlossen hat – und über neun Jahre am Ende mehr als 800 Euro an Prämien zahlte. Das ist der Moment, in dem „Absicherung“ zur reinen Dauerbelastung wird.
Wer verdient an Geräteversicherungen?
Nach Einschätzung von chip.de profitieren vor allem Händler und Versicherer von diesen Zusatzprodukten. Während die Margen beim Verkauf von Elektronikgeräten selbst oft gering sind, lassen sich mit Versicherungen deutlich höhere Gewinne erzielen.
Branchenkenner gehen laut chip.de davon aus, dass Händler und Versicherer gemeinsam Margen von 50 bis 70 Prozent auf Versicherungsprämien erzielen. Geräteversicherungen können laut Stiftung Warentest bis 35 Prozent des Gerätepreises kosten – ein Aufschlag, der in keinem Verhältnis zur statistischen Schadenswahrscheinlichkeit steht.
Diese hohen Erträge erklären, warum Verkäufer im Elektromarkt gezielt geschult werden, um Versicherungen aktiv anzubieten.
Welche Versicherer stehen hinter den Angeboten?
Hinter den im Elektromarkt angebotenen Geräteversicherungen stehen meist große Versicherungskonzerne oder spezialisierte Partner. Oft kooperieren große Elektronikhändler unter anderem mit Versicherern wie Zurich. Auch Versicherungsgruppen wie ERGO sind nach Branchenangaben im Markt für Geräteschutz- und Zusatzversicherungen aktiv, teils direkt, teils über Tochtergesellschaften oder White-Label-Modelle.
Für Versicherer ist das Geschäft trotz vergleichsweise hoher Verwaltungskosten attraktiv, da ein großer Teil der Policen nie in Anspruch genommen wird.
Wann eine Geräteversicherung sinnvoll sein kann
Sowohl chip.de als auch die Verbraucherzentralen betonen, dass es Ausnahmen geben kann. Eine Geräteversicherung kann in Einzelfällen sinnvoll sein, etwa bei sehr teuren Spezialgeräten, die häufig transportiert werden und nicht über eine Hausratversicherung abgesichert sind.
Auch in diesen Fällen raten Experten jedoch zu einem sorgfältigen Vergleich der Vertragsbedingungen und zu einer realistischen Einschätzung des eigenen Risikos.
Eine mögliche Alternative: Elektronikversicherung für den gesamten Haushalt
Trotz der deutlichen Kritik an klassischen Geräteversicherungen im Elektromarkt gibt es Konzepte, die sich strukturell davon unterscheiden. Eine solche Alternative ist die Elektronikversicherung der ARAG Versicherungs-AG.
Wie das Unternehmen mitteilt, handelt es sich hierbei nicht um eine Versicherung für einzelne Geräte, sondern um eine haushaltsbezogene Elektronikdeckung, bei der sämtliche elektronischen Geräte innerhalb eines Haushalts gemeinsam versichert werden können. Dazu zählen – je nach Tarif – Haushaltsgroßgeräte, Unterhaltungselektronik sowie mobile Geräte wie Laptops, Tablets oder Smartphones.
Im Unterschied zu Elektromarkt-Versicherungen entfällt hier der Abschluss mehrerer Einzelverträge. Stattdessen existiert eine zentrale Police, die den gesamten Gerätebestand eines Haushalts absichert.
Leistungen und Kosten im Überblick
Nach Angaben der ARAG deckt die Elektronikversicherung insbesondere Schäden ab, die in klassischen Hausratversicherungen häufig ausgeschlossen sind. Dazu zählen Schäden durch Bedienungsfehler, Unachtsamkeit, Kurzschluss oder Materialversagen. Auch Sturz- und Fallschäden können – abhängig vom Tarif – eingeschlossen sein.
Die ARAG Elektronikversicherung lässt sich in mehrere Leistungspakete oder Tarifstufen einteilen:
- Basis: Schutz für große Haushaltsgeräte wie Kühlschrank, Waschmaschine usw.
- Komfort: Zusätzlich Schutz für Bild und Tontechnik, Telefonanlagen usw.
- Premium: Umfasst alle elektronischen Geräte im Haushalt – also auch Smartphones, Tablets oder Laptops.
Ein ARAG Elektronik-Schutzpaket ist im Basisschutz ab 8,53 € pro Monat zu haben. Die Tarifvariante Komfort kostet 15,01€, während der Premium-Schutz bei rund 21,49 € pro Monat liegt. In diesen Beiträgen sind oft Versicherungssummen bis zu 5.000 € je Schadenfall und bis zu 20.000 € Gesamtleistung pro Jahr enthalten. Dies bei enur 50€ Selbstbeteiligung pro Schadenfall.
Das ist im Vergleich zu Einzelversicherungen im Elektromarkt relativ günstig, da dort für einzelne Geräte schnell ähnliche Beiträge allein entstehen können.
Ein weiterer Aspekt der Elektronikversicherung der ARAG Versicherungs-AG ist ihre Bedeutung aus Sicht von Vermittlern. Anders als viele im Elektromarkt angebotene Geräteversicherungen, die direkt am Point of Sale abgeschlossen werden und nicht in den klassischen Vermittlungsmarkt fallen, kann die ARAG-Elektronikpolice courtagepflichtig vermittelt werden.
Zusammenfassend lässt sich festhalten:
Scheinbar lohnen sich klassische Geräteversicherungen im Elektromarkt für die Mehrheit der Verbraucher nicht. Sie sind häufig teuer, intransparent und vor allem für Handel und Versicherer profitabel.
Modelle wie eine haushaltsbezogene Elektronikversicherung – etwa bei der ARAG – verfolgen dagegen einen anderen Ansatz. Sie ersetzen zwar nicht die Notwendigkeit, Vertragsbedingungen sorgfältig zu prüfen, können aber für Haushalte mit vielen hochwertigen Geräten eine strukturierte und potenziell kosteneffizientere Alternative darstellen.
Entscheidend bleibt auch hier: Nicht der spontane Abschluss an der Kasse, sondern eine bewusste Abwägung von Kosten, Risiken und bestehenden Versicherungen.


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