Allianz Risk Barometer

Deutsche Unternehmen fürchten Regulierung mehr als KI

Berlin. Die globale Wirtschaft sieht sich einer immer komplexeren Risikolandschaft gegenüber. Das zeigt das aktuelle Risk Barometer 2026 der Allianz , für das rund 3.300 Risikoexpertinnen und -experten aus 97 Ländern befragt wurden. Während Cybergefahren weiterhin dominieren, rücken technologische, regulatorische und geopolitische Risiken zunehmend in den Fokus. Ein Überblick über alle im Barometer genannten Top-Risiken:

Die Top-10-Risiken für Unternehmen weltweit

  1. Cybervorfälle
    Cyberangriffe wie Ransomware, Datenlecks oder IT-Ausfälle bleiben das weltweit größte Geschäftsrisiko. Die zunehmende Vernetzung und Professionalisierung der Angreifer erhöhen die Anfälligkeit von Unternehmen aller Größen.
  2. Risiken im Zusammenhang mit Künstlicher Intelligenz (KI)
    Der rasche Einsatz von KI bringt neue Unsicherheiten mit sich, etwa durch fehlerhafte automatisierte Entscheidungen, Haftungsfragen, Reputationsrisiken oder den Schutz geistigen Eigentums.
  3. Betriebsunterbrechungen und Lieferkettenstörungen
    Produktionsausfälle, Logistikprobleme oder der Ausfall kritischer Zulieferer können erhebliche wirtschaftliche Schäden verursachen und sind häufig Folge anderer Risiken wie Cyberangriffen oder Naturereignissen.
  4. Änderungen in Gesetzgebung und Regulierung
    Neue oder sich ändernde Vorschriften beeinflussen Geschäftsmodelle, Investitionen und Prozesse direkt und werden als schwer kalkulierbares Risiko wahrgenommen, insbesondere bei internationaler Tätigkeit.
  5. Naturkatastrophen
    Extreme Wetterereignisse wie Überschwemmungen, Stürme oder Waldbrände führen zu steigenden Sachschäden und können Standorte sowie Lieferketten langfristig beeinträchtigen.
  6. Klimawandel
    Langfristige Folgen des Klimawandels erhöhen Anpassungsdruck und Kosten für Unternehmen, etwa durch veränderte Produktionsbedingungen, Ressourcenknappheit oder neue regulatorische Anforderungen.
  7. Politische Risiken und Gewalt
    Geopolitische Spannungen, Konflikte, Sabotageakte oder soziale Unruhen wirken sich auf Investitionssicherheit, Standorte und globale Lieferketten aus.
  8. Makroökonomische Entwicklung
    Inflation, schwaches Wirtschaftswachstum, hohe Zinsen oder Währungsschwankungen erschweren Planungssicherheit und beeinflussen Nachfrage sowie Finanzierungskosten.
  9. Feuer und Explosionen
    Klassische physische Risiken wie Brände oder Explosionen stellen weiterhin eine erhebliche Gefahr für Anlagen, Mitarbeiter und den laufenden Betrieb dar.
  10. Marktentwicklungen
    Veränderungen im Wettbewerbsumfeld, Nachfrageschwankungen oder technologische Umbrüche können Geschäftsmodelle unter Druck setzen und strategische Anpassungen erforderlich machen.

Deutscher Blick: Regulierung besonders im Fokus

In Deutschland verschiebt sich die Gewichtung leicht: Während Künstliche Intelligenz weltweit auf Platz zwei der größten Unternehmensrisiken klettert, rangiert sie in Deutschland erst auf Platz vier – hinter Cyberangriffen, Betriebsunterbrechungen und Änderungen in Gesetzgebung und Regulierung.

Ein Barometer im Wandel

Im Vergleich zum Vorjahr verzeichnet vor allem die Künstliche Intelligenz den deutlichsten Bedeutungszuwachs und steigt weltweit von Platz zehn auf Rang zwei der größten Unternehmensrisiken. Cyberangriffe behaupten erneut Platz eins, während Betriebsunterbrechungen und Naturkatastrophen im Ranking leicht zurückfallen.

Das Allianz Risk Barometer 2026 macht deutlich: Unternehmensrisiken sind heute enger miteinander verknüpft als je zuvor. Cyberangriffe können Betriebsunterbrechungen auslösen, Klimarisiken verstärken regulatorischen Druck, und neue Technologien wie KI verlangen nach neuen Governance-Strukturen. Für Unternehmen bedeutet das vor allem eines: Risikomanagement wird zunehmend zur strategischen Kernaufgabe.

Warum Deutschland anders bewertet

In Deutschland bleibt die grundsätzliche Reihenfolge der Risiken ähnlich, doch mit einer wichtigen Abweichung: Änderungen in Gesetzgebung und Regulierung und Betriebsunterbrechungen werden hier höher eingestuft als Risiken durch Künstliche Intelligenz. Ein möglicher Grund dafür ist, dass regulatorische Vorgaben für Unternehmen unmittelbar und verbindlich wirken. Neue Regeln lassen sich kaum steuern oder verzögern und haben oft direkte Auswirkungen auf Prozesse, Berichtspflichten und Investitionsentscheidungen.
Hinzu kommt, dass viele Vorschriften auf europäischer Ebene entstehen und national umgesetzt werden. Die damit verbundene Unsicherheit über Ausgestaltung und Zeitpläne könnte dazu beitragen, dass Regulierung in Deutschland als schwer kalkulierbares Risiko wahrgenommen wird – stärker als technologische Entwicklungen, deren Einsatz Unternehmen zumindest teilweise selbst gestalten können.

Betriebsunterbrechungen als Folge mehrerer Risiken
Betriebsunterbrechungen werden im Grunde weniger als eigenständiges Ereignis verstanden, sondern als Sammelrisiko: Cyberangriffe, Feuer, Naturereignisse und andere Ursachen können zu Stillständen führen. Dadurch bündeln sie viele andere Gefahren in einer Kategorie.

Lieferkettenstörungen, Energieengpässe, IT-Ausfälle oder wetterbedingte Produktionsstopps haben in den letzten Jahren reale Schäden verursacht. Diese Erfahrungen dürften die Wahrnehmung von Betriebsunterbrechungen als konkretes und bekanntes Risiko geschärft haben.

Kurz: Deutsche Unternehmen bewerten Betriebsunterbrechungen und Regulierung vermutlich höher als KI-Risiken, weil sie direkt, erfahrungsbasiert und operativ greifbar sind – während Künstliche Intelligenz bislang häufiger als gestaltbares Zukunftsthema wahrgenommen wird.


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