OVB investiert in KI

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OVB will KI im Vertrieb forcieren – so arbeitet die Plattform von muffintech

Mit der angekündigten Kooperation zwischen dem Finanzvertrieb OVB und dem Berliner InsurTech muffintech setzt der Konzern verstärkt auf künstliche Intelligenz im Vertrieb. Gemeinsam entwickeln beide Seiten eine KI-basierte Plattform, die Vermittler im Alltag unterstützen und Prozesse wie Angebotserstellung, Kundenanfragen und Wissensmanagement vereinfachen soll. Der Start ist für das erste Quartal 2026 in Deutschland geplant, anschließend ist eine schrittweise Ausweitung auf weitere europäische OVB-Ländergesellschaften vorgesehen.

Welche Rolle die KI dabei konkret übernehmen soll, lässt sich unter anderem aus öffentlichen Aussagen von muffintech ableiten. Einblicke gibt insbesondere ein Interview des Fachmediums AssCompact mit Simon Moser, CEO und Co-Founder von muffintech.


„Ein stiller Assistent im Hintergrund“

Moser beschreibt die Technologie von muffintech im Interview als unterstützendes System, nicht als Ersatz für Vermittler. Ziel sei es, Berater von zeitintensiven Routineaufgaben zu entlasten, damit sie sich stärker auf die persönliche Kundenberatung konzentrieren können.

Die KI solle Vermittlern helfen, „weniger Zeit vor Bildschirmen und mehr Zeit im echten Kundengespräch“ zu verbringen. Entsprechend sei die Plattform bewusst so konzipiert, dass sie sich in bestehende Arbeitsabläufe integrieren lasse und als dialogfähiger Assistent im Hintergrund agiere.

Technisch handelt es sich dabei um eine konversationelle KI, die speziell mit Versicherungswissen trainiert wurde und sich damit deutlich von generischen Chatbots oder allgemeinen Sprachmodellen unterscheidet.


Einsatz im Kundenservice und in der Bestandsbetreuung

Ein zentraler Anwendungsbereich der KI ist der Kundenservice. Moser erklärt, dass die Plattform sowohl intern für Vermittler und Mitarbeiter als auch extern im Kontakt mit Kunden eingesetzt werden kann.

Zu den typischen Aufgaben zählen:

  • die Beantwortung häufiger Kundenfragen zu Policen und Vertragsdetails,
  • die Erklärung von Leistungsinhalten, Ausschlüssen oder Tarifmerkmalen,
  • die Unterstützung bei einfachen Servicevorgängen wie Adressänderungen oder Schadenmeldungen.

Standardanfragen lassen sich damit automatisiert bearbeiten, während komplexere Anliegen weiterhin beim Vermittler bleiben. Für OVB würde dies bedeuten, dass Serviceprozesse beschleunigt und Vermittler gleichzeitig entlastet werden.


KI als Vertriebs- und Lead-Assistent

Darüber hinaus sieht muffintech die Plattform klar im Vertriebsumfeld verortet. Moser zufolge kann die KI auf Webseiten oder in digitalen Abschlussstrecken eingesetzt werden, um Interessenten im Dialog zu begleiten.

Der KI-Assistent kann:

  • Produktfragen beantworten,
  • einfache Bedarfsanalysen durchführen,
  • Interessenten vorqualifizieren und strukturiert an Vermittler übergeben.

Vermittler erhielten dadurch keine unqualifizierten Kontakte, sondern Leads, die sich bereits intensiv mit dem Thema beschäftigt haben. Für Unternehmen wie OVB eröffnet das die Möglichkeit, digitale Vertriebskanäle stärker zu nutzen, ohne den persönlichen Beratungsansatz aufzugeben.


Unterstützung bei Angebotserstellung und Textarbeit

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Unterstützung im Tagesgeschäft der Vermittler. Moser beschreibt, dass die KI unter anderem bei der Vorbereitung von Angeboten, bei Produktvergleichen sowie bei der Formulierung von Texten helfen kann.

Dazu gehören etwa:

  • Vorschläge für Angebotsinhalte,
  • Zusammenfassungen komplexer Produktinformationen,
  • Entwürfe für E-Mails oder Kundentexte.

Die KI soll dabei keine eigenständigen Verkaufsentscheidungen treffen, sondern als Werkzeug dienen, um Zeit zu sparen und Prozesse zu strukturieren. Der Vermittler bleibt für Beratung und Abschluss verantwortlich.


Wissensmanagement und Weiterbildung

Ein besonders wichtiger Punkt ist aus Sicht von muffintech das Wissensmanagement. Moser verweist darauf, dass die KI mit umfangreichem Versicherungsfachwissen trainiert wurde, unter anderem auf Basis offizieller Ausbildungs- und Prüfungsinhalte für Vermittler (§ 34d).

Damit adressiert die Plattform zwei strukturelle Herausforderungen der Branche:

  • den Fachkräftemangel,
  • und den Verlust von Wissen, wenn erfahrene Mitarbeiter ausscheiden.

Die KI fungiert somit als jederzeit verfügbare Wissensquelle für Vermittler – sowohl für Neueinsteiger als auch für erfahrene Berater, die fachliche Rückfragen schnell klären möchten.


Einordnung der Kooperation

Die Kooperation zwischen OVB und muffintech zielt weniger auf einen grundlegenden Umbau des Vertriebs als auf eine gezielte Entlastung bestehender Prozesse. Moser betont, dass die KI dort unterstützen soll, wo Tätigkeiten repetitiv, zeitaufwendig oder stark wissensbasiert sind.

Für OVB-Vermittler könnte dies langfristig bedeuten:

  • weniger administrative Aufgaben,
  • schnelleren Zugriff auf Fachinformationen,
  • bessere Vorbereitung auf Kundengespräche.

Für Kunden verspricht der Einsatz der KI:

  • schnellere Antworten,
  • verständlichere Informationen,
  • eine modernere digitale Ansprache.

Wie stark diese Effekte im Alltag tatsächlich ausfallen, wird sich mit dem geplanten Start 2026 zeigen. Klar ist jedoch, dass OVB mit muffintech auf eine KI-Lösung setzt, die – folgt man den Aussagen von Simon Moser, CEO und Co-Founder von muffintech, im Interview – praxisnah, vertriebsorientiert und bewusst ergänzend zum Menschen entwickelt wurde.


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