BVK bewertet Rentenpaket

Der BVK hat das von der Bundesregierung vorgestellte Rentenpaket mit gemischten Reaktionen aufgenommen. Dies geht aus einer Pressemitteilung des Bundesverbands Deutscher Versicherungskaufleute (BVK) vom 28.11.2025 hervor.

Während der Verband einzelne Maßnahmen ausdrücklich begrüßt, äußert er zugleich deutliche Kritik an zentralen Elementen des Reformvorhabens.

BVK-Präsident Michael H. Heinz wirft der Bundesregierung einen „orientierungslosen Schlingerkurs“ vor. Auf der einen Seite wolle die Koalition die private Altersvorsorge stärken, auf der anderen ein staatlich verwaltetes Standardprodukt ohne Beratung einführen – ein Ansatz, den der Verband strikt ablehnt. Auch die geplante Verwendung staatlicher Dividenden für den Aufbau privater Vorsorge wertet der BVK als möglichen Einstieg in einen Staatsfonds, dem er skeptisch gegenübersteht.

Zustimmung signalisiert der Verband hingegen bei der Absicht, die private Altersvorsorge kapitalmarktbasiert zu stärken. Besonders interessiert zeigt sich der BVK an den angekündigten Reformvorschlägen, die bis Ende Dezember erwartet werden. Eine zentrale Forderung des Verbands ist dabei eine modernisierte, unbürokratische Riester-Rente mit erweitertem Berechtigtenkreis und höheren Renditechancen.

Auch die Weiterentwicklung der betrieblichen Altersvorsorge findet die Unterstützung des BVK. Dazu zählen aus Verbandssicht eine stärkere Förderung von Geringverdienenden, verbindlichere Abschlussmodalitäten und eine breitere Einbindung kleiner und mittelständischer Unternehmen. Zudem begrüßt der Verband die geplante Einsetzung einer neuen Rentenkommission noch im Dezember, die bis Mitte 2026 Vorschläge zu Renteneintrittsalter, Rente ab 63 sowie einer Neugestaltung von Zu- und Abschlägen vorlegen soll.

Gleichzeitig warnt der BVK die Bundesregierung davor, bereits vor Abschluss der Kommissionsarbeit kostenintensive Entscheidungen – etwa zur Mütterrente oder zum Rentenniveau nach 2031 – zu treffen. Ob das Rentenpaket im Bundestag eine Mehrheit finden wird, bleibe abzuwarten.

Auch der AfW Bundesverband Finanzdienstleistung meldete sich zu Wort. Er hält eine neue Rentenkommission für unnötig, da bereits umfangreiche Vorarbeiten vorliegen, und warnt vor politischen Festlegungen, die spätere Reformen behindern könnten. Ein staatliches Standardprodukt lehnt der Verband ebenso ab wie die unklare Idee einer Förderung über Dividenden eines Bundes-Aktienpakets. Der AfW fordert stattdessen verlässliche Rahmenbedingungen und mehr Kapitaldeckung.

Eine zweite Chance für Riester – warum eigentlich? – Ein Kommentar

Auffällig ist, dass der BVK ausgerechnet die Riester-Rente wiederbeleben möchte – jenes Produkt, das in seiner bisherigen Form faktisch gescheitert ist. Ein Scheitern, dessen Ursache vor allem in einer überbordenden Kostenstruktur lag: hohe Verwaltungskosten, teure Vertriebswege und eine Produktlandschaft, die für Verbraucher oft undurchsichtig blieb. Gerade diese Faktoren führten dazu, dass die Rendite vieler Riester-Verträge unattraktiv war.

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, warum der BVK nun eine Reform mit „größeren Renditechancen“ fordert, gleichzeitig aber eine staatlich organisierte, kosteneffiziente kapitalgedeckte Altersvorsorge entschieden ablehnt. Denn die Versicherungswirtschaft hatte fast zwei Jahrzehnte Zeit, genau diese größeren Renditechancen zu ermöglichen – und ist letztlich an den eigenen Strukturen gescheitert.

Es liegt nahe, dass BVK-Präsident Heinz mit den angekündigten „höheren Renditechancen“ vor allem auf eine Absenkung der Riester-Garantieleistung anspielt. Würde die Beitragsgarantie gelockert, könnten Anbieter tatsächlich einen größeren Teil der Beiträge in renditestärkere Anlagen investieren. Doch dieser Schritt allein würde das Grundproblem der Riester-Rente nicht lösen: Die Renditen scheiterten in der Vergangenheit nicht primär an der Garantie, sondern an der massiven Kostenbelastung durch Verwaltung, Vertrieb und komplexe Produktstrukturen. Solange diese Kostenarchitektur unangetastet bleibt, würden auch weniger garantielastige Produkte kaum spürbar höhere Erträge erzielen. Umso bemerkenswerter ist, dass Heinz keine konkreten Maßnahmen nennt, wie genau die „höheren Renditechancen“ erreicht werden sollen – was die Forderung insgesamt wenig überzeugend erscheinen lässt.

Bislang bleibt der BVK eine Antwort darauf schuldig, wie diesmal niedrigere Kosten erreicht werden sollen. Es gibt keine konkreten Ideen dazu, wie Verwaltung verschlankt, Vertriebskosten reduziert oder interne Gebührenmodelle angepasst werden könnten. Ohne klare Ansätze zur strukturellen Entlastung wirkt die Forderung nach einer „Riester-Reform“ wie der Wunsch, ein bewährtes Geschäftsmodell fortzuführen – ohne wirklich etwas Grundlegendes zu verändern.

Warum sollte man der Versicherungswirtschaft also eine zweite Chance für eine Riester-Rente geben? Was wäre heute anders als in den vergangenen zwanzig Jahren? Solange diese Fragen unbeantwortet bleiben, wirkt die Idee einer Riester-Renaissance weniger wie ein neuer Impuls für die Altersvorsorge, sondern eher wie ein Versuch, ein in der Praxis gescheitertes Produkt neu zu etikettieren.

Foto: BVK-Präsident Michael H. Heinz, Quelle: BVK


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